Analyse

Das sind die Schweizer Aktien mit dem besten Chancen-Risiko-Profil

Aktien mit starkem Momentum und niedriger Volatilität schneiden meist auch künftig gut ab. The Market präsentiert nach der deutschen nun auch die Schweizer Auswahl. Dazu zählen UBS und Bucher Industries.

Gregor Mast
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Anlegen kann so einfach sein. Während sich viele Experten mit Prognosen zu Wirtschafts- und Gewinnentwicklung abmühen, greifen andere auf historische Daten zurück. So setzen viele auf Aktien, die in den letzten Monaten am besten abgeschnitten haben, weil solche Werte oft auch über die folgenden Monate gut abschneiden. Dieser «Momentum-Effekt» wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen.

Momentum funktioniert auch in Deutschland, wie eine Auswertung des Hamburger Vermögensverwalters HAC zeigt. So schlagen die Titel mit dem höchsten Gesamtertrag über die letzten sechs Monate den Dax und den gleich gewichteten Index aller 160 Valoren aus Dax, MDax und SDax auch im folgenden Halbjahr deutlich:

Verfeinern lässt sich dieser Ansatz, wenn neben dem Momentum die Kursschwankungen – im Jargon Volatilität genannt – berücksichtigt werden. Wie das Momentum besitzt die Volatilität Prognosekraft. Je niedriger die Schwankungen in der Vergangenheit, desto weniger volatil ist die Aktie auch in Zukunft – und umgekehrt.

Momentum und Volatilität kombinieren

Allerdings weisen Aktien mit niedriger Volatilität in den Folgemonaten nicht die beste Performance auf. Deshalb kombiniert HAC Momentum und Volatilität, und zwar indem aus den 40% der Aktien mit dem höchsten Gesamtertrag diejenigen ausgewählt werden, die zu den 60% mit den niedrigsten Schwankungen zählen.

Aus den 160 im Dax, MDax und SDax vertretenen Namen erfüllen derzeit 23 diese Kriterien. Dabei macht sich die Sektorrotation der vergangenen Monate deutlich bemerkbar. So finden sich viele Zykliker wie Siemens (vgl. heutige Analyse), Volkswagen oder Daimler.

Doch wie präsentiert sich die entsprechende Auswahl für die Schweiz? The Market hat die Probe aufs Exempel gemacht und dieselben Kriterien auf die etwas mehr als 200 Aktien des Swiss Performance Index angewendet. Dabei sind gleich zu Beginn mehrere illiquide Werte ausgeschieden, die kaum gehandelt werden und entsprechend eine (zu) niedrige Volatilität aufweisen.

UBS und Julius Bär erfüllen alle Kriterien

Zur Gruppe, die den höchsten Gesamtertrag bei annehmbaren Schwankungen verzeichnet, zählen sechs Namen: Bucher Industries, Kühne + Nagel, Arbonia, VAT sowie UBS und Julius Bär. Zufällig scheint die Liste nicht. Der Industriekonzern Bucher profitiert in seiner Landmaschinen-Sparte von den höheren Preisen für Agrargüter, Kühne + Nagel vom Frachtboom sowie der Expansion in Asien. VAT ist als Zulieferer für die Halbleiterindustrie gesucht, die weltweit auf Hochtouren läuft. Arbonia hat jüngst seine Fenstersparte verkauft, und den Banken kommt die Transaktionsfreude der Kunden und im Fall der UBS die steilere Zinskurve zugute.

Aus der Gruppe mit dem zweitbesten Momentum stossen weitere 46 Namen dazu. Darunter finden sich viele Zykliker wie ABB, Bossard, Burckhardt Compression, Conzzeta, Dätwyler, Georg Fischer, Komax, LafargeHolcim, Richemont, Rieter, Sulzer oder Swatch Group. Mit Comet, Inficon und Sensirion sind weitere Halbleiterwerte vertreten. Eine kleine Delegation stellen die Versicherer mit Helvetia, Swiss Life und Swiss Re.

So viel zu den attraktiven Namen. Wie die Auswertung von HAC zeigt, lohnt sich auch der Blick auf das andere Ende der Rangliste – wenn auch nur, um die entsprechenden Valoren zu meiden. In der Vergangenheit schnitten Titel mit schlechtem Momentum und hohen Kursschwankungen im Schnitt miserabel ab.

Temenos und Implenia unter den unattraktivsten Werten

In der Schweiz weisen derzeit zehn Werte diese unvorteilhafte Kombination auf. Neben vielen Biotechtiteln, die Optionscharakter haben, befinden sich die Valoren des Bankensoftwareherstellers Temenos sowie des Baukonzerns Implenia in dieser Gruppe. Erstere haben im vergangenen Jahr unter der Umstellung des Geschäftsmodells von Lizenz- auf Abolösungen gelitten, Implenia unter einem pandemiebedingten Verlust, der die Eigenkapitalquote auf ein kritisches Niveau hat fallen lassen.

Natürlich sind das nicht zwingend schlechte Investments. In der Methode von HAC lohnt es sich aber zu warten, bis sich der Kurs erholt und die Volatilität gelegt hat.

Leser, die an den Ratings aller Schweizer Aktien interessiert sind, können die Liste über gregor.mast@themarket.ch beziehen.