Analyse

Das sind die Schweizer Marktführer

In Kombination mit einer guten Führung und einer sauberen Bilanz schneiden die Aktien von Branchenleadern gegenüber dem Gesamtmarkt oft besser ab. The Market verrät, auf welchen Schweizer Marktführern der Fokus liegen sollte.

Michael Griesdorf
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An Aktien führt kein Weg vorbei. Diese Aussage ist in diesen Tagen oft zu hören. Doch auf welche Valoren sollten Anleger angesichts der Fülle an Titeln setzen?

Viele Fondsmanager achten bei ihrer Auswahl gerne auf die Qualität eines Unternehmens, die sich unter anderem in einer hohen Marktmacht spiegelt. Sind Marktleader gut geführt und verfügen über eine saubere Bilanz, schneiden sie häufig deutlich besser ab als ihr Vergleichsindex.

Der Grund: Marktführer haben gegenüber ihren Konkurrenten oft Grössenvorteile. Sie können deswegen entweder tiefere Preise anbieten oder eine höhere Marge erzielen. Weiter kaufen Kunden aus der Firmenwelt strategisch wichtige Güter gerne bei ihnen ein, da sie Garant für Liefer- und Qualitätssicherheit sind. Marktführer verdanken ihre Stellung meist nicht dem Zufall. Oft verfügen sie gegenüber der Konkurrenz über einen technologischen Vorsprung. Unter dem Strich bieten Aktien von Marktführern schlicht mehr Sicherheit.

The Market hat deshalb den Schweizer Aktienmarkt nach den Leadern einzelner Branchen abgeklopft. Fündig geworden sind wir bei Sika, Straumann, Belimo, Dätwyler und Interroll.

Sie alle verfügen dank ihrer Marktmacht über eine im Konkurrenzvergleich konstant höhere Marge, wachsen organisch mit wenigen Ausnahmen stetig, sind gut geführt, kaum verschuldet und unterliegen positiven fundamentalen Wachstumstrends. Vor allem aber haben sie in den letzten zehn Jahren gezeigt, dass sie dem Aktionär einen höheren Kursgewinn als der Swiss Performance Index ohne Dividenden bescheren können.

Im Bau führt kein Weg an Sika vorbei

Wer auf der Suche nach einem Marktführer im SMI ist, sollte ein Auge auf Sika 📈 werfen. Die Gesellschaft ist mit einem Marktanteil von rund 9% der weltweit grösste Hersteller von Bauzusatzstoffen.

Ein Grund für den Erfolg von Sika ist die hohe Innovationskraft. Ende 2019 umfasste ihr Patentportfolio 850 Patentfamilien mit mehr als 3700 nationalen Einzelpatenten.

Die Wachstumstreiber sind intakt. Sika wird dank ihrer einzigartigen Produkte und ihrer dezentralen Geschäftsstruktur noch lange vom hohen Renovations- und Neubaubedarf bei und von Infrastrukturen in den Metropolen dieser Welt – insbesondere in Asien – profitieren.

Kurzfristig dürfte dem Geschäft zusätzlich die billionenschweren Infrastrukturprogramme zugutekommen, die im Nachgang der Coronakrise zur Stimulierung der Wirtschaft in der Europäischen Union, den USA und China in die Wege geleitet wurden. Auch der von der EU vorangetriebene Green Deal spielt der Gesellschaft in die Hände. So soll unter anderem die Isolation existierender Gebäude verbessert werden, um den Energiekonsum zu senken.

Straumanns Zahnimplantate sind Weltspitze

Etwas kleiner als Sika, aber mindestens so erfolgreich, ist Straumann 📈. Das Unternehmen ist mit einem Marktanteil von 26% der absolute Leader im Markt für Zahnimplantate. Bei den Premium-Produkten beträgt der Marktanteil gar 44%.

In den vergangenen Jahren war Straumann dank neuer Produkte und der Expansion in neue Geschäftsfelder eine wahre Wachstumsmaschine. Der Umsatz wuchs teilweise dreimal so schnell wie die 4 bis 5%, die der Gesamtmarkt jährlich zulegt.

Auch künftig sollte Straumann mit ihrer Stellung in der Lage sein, der Konkurrenz Marktanteile abzujagen. Dank ihrer Grösse hat sie eine globale Präsenz, einen starken Vertrieb und ist weltweit für Qualität bekannt.

Gerade bei günstigeren Produkten und in den Schwellenländern besteht weiterhin viel Potenzial für Straumann, da diese Märkte stärker fragmentiert sind als bei den Premium-Implantaten. Wenn die negativen Auswirkungen der Coronapandemie abklingen, ist weiterhin ein Wachstum zwischen 10 und etwas unter 20% nicht ausgeschlossen.

Belimo ist der Spezialist für Lüftungsklappen und Ventile

Im Unterschied zu Sika und Straumann ist Belimo📈 gemessen an der Marktkapitalisierung von rund 4,6 Mrd. Fr. ein kleiner Fisch. Verstecken muss sich die Gesellschaft aber dennoch nicht. Auch sie gehört zur Gruppe der Marktführer.

Belimo stellt elektrische Antriebe für Luftklappen und Ventile für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik her – einer Nische innerhalb des Marktes für Gebäudetechnik. In dieser Nische besitzt Belimo einen Marktanteil von schätzungsweise rund 20%. Seit 2017 verkauft die Gesellschaft zudem Sensoren für raumklimatische Messwerte, die hervorragend zum Restgeschäft passen.

Die Produkte von Belimo sind erstklassig. Sie funktionieren über eine sehr lange Zeit, sind stromsparend und lassen sich einfach installieren. Letzteres ist angesichts der Lohnaufwendungen für Installateure ein klarer Wettbewerbsvorteil. Hinzu kommen kurze Lieferzeiten. All das hilft der Gesellschaft in der Akquise von Kunden und zur Durchsetzung von höheren Preisen gegenüber der Konkurrenz.

Wie Sika profitiert Belimo vom Renovations- und Neubedarf bei und von Infrastrukturen in den Städten, die überdies energieeffizienter werden müssen. Wegen Letzterem ist Belimo bei ESG-Investoren geradezu ein Darling. Hinzu kommt, dass die Coronapandemie dazu beitragen dürfte, dass ein gutes Raumklima in öffentlichen Gebäuden stärker in den Vordergrund rückt als bis anhin.

Dichtungslösungen sind das Metier von Dätwyler

Seit Dätwyler 📈 Ende Februar einen Grossteil ihres Distributionsgeschäfts mit Elektronikartikeln verkauft hat, ist ihre wichtigste Kerntätigkeit die Herstellung von Dichtungslösungen für verschiedene Branchen. Dazu zählen die Automobil-, die Öl- und Gas-, die Gesundheits- oder die Nahrunsgmittel- und Getränkeindustrie. Für Letztere werden beispielsweise Dichtungen für die Kaffeekapseln von Nespresso hergestellt. Bei Dichtungslösungen zählt Dätwyler zu den Weltmarktführern.

Dätwyler schafft es als einer von wenigen Anbietern, massgenaue Formen herzustellen sowie Milliarden von Teilen fehlerfrei zu produzieren. Eine weitere Kernkompetenz ist die richtige Mixtur der Basismaterialien, um überdurchschnittlich leistungsfähige Elastomererzeugnisse zu fertigen.

Kurzfristig leidet die Gesellschaft unter der Nachfrageschwäche im Automobilgeschäft und unter dem tiefen Ölpreis, der die Anbieter im entsprechenden Segment von Investitionen abhält. Auf die widrigen Umstände hat die Gesellschaft jedoch mit einem Effizienzsteigerungsprogramm reagiert. Ausserdem laufen die Bereiche Food & Beverage sowie Healthcare nach wie vor rund.

Das Geschäft mit Nespresso wächst stabil. Der Vertrag wurde soeben bis 2030 verlängert. Ausserdem entwickelt die Pharmaindustrie immer mehr liquide Wirkstoffe, die in Fläschchen abgefüllt werden müssen und deren Dichtungen von Dätwyler kommen. Im Automobilgeschäft sind es die strenger werdenden Abgasnormen, die Elektrifizierung der Fahrzeuge und das autonome Fahren, die dem Unternehmen in die Hände spielen.

Interroll hat Förderkomponenten und -Anlagen im Blut

Interroll 📈 stellt Förderrollen, Motoren und Antriebe für Förderanlagen sowie Fliesslager und Palettenförderer her – eine Nische in einer Nische im grossen Markt für Materialtransportgeräte. Endabnehmer sind Express- und Postdienste, E-Commerce-Anbieter, Flughäfen sowie Lebensmittel- und Getränkehersteller. Mit einem Marktanteil zwischen 8 und 11% ist Interroll bei ihren Tätigkeiten führend.

Seit der Finanzkrise hat die Gesellschaft die Globalisierung und die Expansion in neue Märkte weiter vorangetrieben. Die Technologieplattform wurde zudem ausgebaut und die Marktposition dank Produktivitätssteigerung gestärkt.

Aktuell spürt Interroll als Investitionsgüterhersteller zwar die Zurückhaltung bei den Endabnehmern wegen der Coronapandemie. Die Aufträge dürften allerdings eher sistiert als gestrichen sein. Das Retailgeschäft im Internet hat durch Covid-19 so richtig an Fahrt gewonnen, was die Nachfrage nach Automatisierungslösungen in der Lagerhaltung auf die mittlere Sicht erneut erhöhen sollte. Ausserdem besteht bei vielen Unternehmen mit Lagern ein starker Nachholbedarf in der Logistik.

Aktien sind teuer, gehören aber auf Beobachtungsliste

Sika, Straumann, Belimo, Dätwyler und Interroll: Sie alle sind also erstklassig und sollten von qualitätsbewussten Investoren im Auswahlprozess mitberücksichtigt werden. Beim Kauf gilt es derzeit allerdings taktisch vorzugehen. Gemessen am Verhältnis von Unternehmenswert (EV) zu geschätztem operativem Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen für das kommende Jahr (Ebitda) oder am durchschnittlichen Kursziel der Analysten sind die meisten nicht mehr ganz günstig.

Als guter Einstiegszeitpunkt kann ein Absacken des Verhältnisses von EV zu Ebitda unter den Dreijahresdurchschnitt oder des Aktienkurses unter das Kursziel gesehen werden. Beide Kennzahlen sind in der Tabelle unten ersichtlich.

Anzumerken gilt, dass bei Dätwyler der Teilverkauf des niedrigmargigen Distributionsgeschäfts eine Höherbewertung erlaubt. Der Vergleich des Verhältnisses von EV zu Ebitda mit seiner Historie macht deshalb wenig Sinn. Anleger sollten sich hier am Kursziel orientieren.