Analyse

Diese Schweizer Unternehmen profitieren vom Stabwechsel an den Börsen

Grosse Trends drehen oft zu Beginn einer Dekade. Nach dem Jahrzehnt der Technologiewerte könnte das Pendel nun zugunsten der Schwellenländer und der Rohstoffe ausschlagen. The Market zeigt, welche Schweizer Unternehmen von diesem Stabwechsel profitieren würden.

Michael Griesdorf
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Die Vorlieben der Investoren bewegen sich in langen Zyklen. Wie der Blick in die Vergangenheit zeigt, drehen grosse Trends meist zu Beginn einer neuen Dekade. Auf die Rohstoffhausse in den Siebzigerjahren folgte das Jahrzehnt Japans. Die Neunzigerjahre standen im Zeichen der Technologiewerte, die auch im letzten Jahrzehnt wieder zu den Lieblingen der Anleger zählten.

Seit der Finanzkrise wenig gefragt waren Valoren aus den Schwellenländern und aus der Rohstoffbranche. Immer mehr Investoren rechnen jedoch damit, dass diese Segmente vor einem Revival stehen. Ein wichtiger Treiber ist die Pandemie, die einer zunehmenden Verschmelzung von Geld- und Fiskalpolitik Vorschub geleistet hat, was Wachstum und Inflation antreiben könnte.

Dazu kommt, dass sich der Dollar in einer Baisse befindet, die noch längst nicht ausgestanden sein dürfte. Weil viele Staaten und Unternehmen aus den Schwellenländern in Dollar verschuldet sind, sorgt seine Schwäche für lockerere Finanzierungsbedingungen, was das Wachstum antreibt.

Eine Belebung der Schwellenländer bekämen auch die Rohstoffmärkte zu spüren. Wegen der langen Rohstoffbaisse wurde kaum in die Erschliessung neuer Kapazitäten investiert, was das künftige Angebot beschränkt, während die Nachfrage steigt. Dazu kommen die extrem expansive Geldpolitik und die vielerorts angedachten Infrastrukturprogramme. Larry McDonald, Gründer des Researchdiensts The Bear Traps Report, prophezeit denn auch den Beginn eines neuen Superzyklus für Rohstoffe.

Von einem Revival der Schwellenländer und des Rohstoffsektors würden auch Schweizer Unternehmen profitieren. The Market zeigt, welche das sind.

DKSH hilft bei der Expansion in Asien

DKSH hilft Unternehmen aus verschiedenen Branchen, im südostasiatischen Raum zu expandieren. «Wir können auf das Wachstum in Märkten wie Vietnam, Kambodscha oder Myanmar bauen, und gleichzeitig profitieren wir vom Trend, dass immer mehr Hersteller ihre Distributions-, Marketing- und Verkaufsprozesse outsourcen möchten», umschrieb Verwaltungsratspräsident Marco Gadola im Interview mit The Market das Marktumfeld von DKSH. Rund 96% ihres Umsatzes erzielt die Gesellschaft in Asien. Prosperiert die Region, wird sie für ausländische Unternehmen noch attraktiver. In der Folge dürfte auch die Nachfrage nach den Dienstleistungen von DKSH steigen.

Asien dominiert bei Swatch Group

Swatch Group erzielt rund 36% ihres Erlöses allein in China. Für den gesamten asiatischen Raum liegt der Umsatzanteil bei 62%. Doch auch die Verkäufe in Europa, die rund 28% ausmachen, sind zu einem Grossteil von der Konsumlust der Asiaten getrieben, die sich auf ihren Reisen mit Luxusgütern eindecken. Mit zunehmendem Wohlstand steigt auch der Umsatz von Swatch Group.

Konjunkturprogramme helfen LafargeHolcim

Da in den Schwellenländern die Bautätigkeit eng mit der Wirtschaftsentwicklung korreliert, dürfte ein Anziehen der Konjunktur positive Auswirkungen auf die Nachfrage nach Baumaterialien haben. Hinzu kommen Infrastrukturprogramme von Ländern wie Indien oder China, die damit die Folgen der Pandemie lindern wollen. Davon profitiert der Zementhersteller LafargeHolcim.

Rund 52% der Kapazitäten von LafargeHolcim befinden sich gemäss Auswertung von The Market in Schwellenländern wie China, Indien, Mexiko oder Brasilien. Mit den Frontier Markets – also den Staaten, die aus wirtschaftlicher Sicht noch hinter den Schwellenländern zurückliegen – steigt der Anteil gar auf 64%. Die Abhängigkeit von diesen Märkten dürfte allen Unkenrufen zum Trotz nicht so bald kleiner werden: «Wenn an den Finanzmärkten alle der Meinung sind, Emerging Markets seien jetzt schlecht, dann ist es vielleicht der Zeitpunkt, Rückgrat zu zeigen und dabeizubleiben», sagte LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch bereits im Oktober im Interview mit The Market.

Schwellenländer treiben das Wachstum von Nestlé

Nestlé profitiert mit ihren Premium-Marken vom steigenden Wohlstand in den Schwellenländern. Das Unternehmen, das unter anderem für Nespresso-Kapseln, Tierfutter, Fertiggerichte, Wasser sowie Baby- und Gesundheitsnahrung bekannt ist, erzielt rund 42% seines Umsatzes in den Emerging Markets und profitiert bereits heute von der anziehen Nachfrage in diesen Märkten. «Von den Schwellenländern kommt ein Grossteil unseres Wachstums der nächsten Jahre», sagte Nestlé-CFO François-Xavier Roger im Oktober anlässlich der Präsentation des Quartalsergebnisses.

Gefragte Motorräder von Pierer Mobility

Motorräder sind in Asien seit je eines der meistgenutzten Fortbewegungsmittel. Eine Wette auf steigende Einkommen ist deshalb Pierer Mobility, die mit ihren Marken KTM und Husqvarna sowie ihrem indischen Partner Bajaj in der Region kräftig mitmischt. Rund 23% der Motorradverkäufe entfielen 2020 auf Indien und Indonesien – ein Wert, der nach den Ambitionen des Unternehmens bis 2022 auf gegen 30% steigen wird. Rund 3% wurden in China abgesetzt. Zusammen mit ihrem Partner, dem chinesischen Motorradhersteller CFMOTO, plant Pierer Mobility auch dort eine Marktoffensive.

China wird 2024 zum zweitwichtigsten Markt von Novartis

Gemäss dem auf den Pharmamarkt spezialisierten Datendienstleister IQVIA dürfte der Anteil der Schwellenländer an den weltweiten Ausgaben für Medikamente zwischen 2019 und 2024 von 24 auf mehr als 30% steigen. Die Arzneimittelhersteller Novartis und Roche sind beide optimal positioniert, um von diesem Trend zu profitieren. Novartis erzielte Ende 2020 ein Viertel ihres Umsatzes in den Schwellenländern, bei Roche sind es rund 14%. In China – dem mit Abstand lukrativsten Markt in den asiatischen Schwellenländern – will Novartis den Umsatz bis 2024 verdoppeln. Damit würde das Land hinter den USA zum zweitwichtigsten Markt.

Vetropack als Wette auf Osteuropa

Die kleineren Staaten Osteuropas stehen oft nicht zuoberst auf der Liste von Schwellenlandinvestoren. Wer auf einen Aufschwung dieser Länder setzt, dem bietet sich mit Vetropack eine spannende Ausgangslage. Rund 42% des Umsatzes verdient der Hersteller von Glasverpackungen für die Getränke- und die Lebensmittelindustrie in Ländern wie der Ukraine, Kroatien, der Slowakei und Tschechien. In Kroatien und der Slowakei verfügt er gemäss den Analysten von Berenberg über einen Marktanteil von mehr als 50%. Mit steigendem Getränkeabsatz nimmt auch der Umsatz von Vetropack zu.

Steigender Ölpreis belebt das Geschäft von Sulzer

Schwieriger gestaltet sich an der Schweizer Börse die Suche nach Profiteuren steigender Rohstoffpreise. Fündig werden Investoren bei Sulzer. Das Unternehmen verdient sein Geld unter anderem mit Pumpenlösungen für die Öl- und Gasindustrie. Der Anteil dieser Märkte am Bestellungseingang betrug im ersten Halbjahr 2020 31%. Reizvoll ist Sulzer, weil die Ölförderer in den vergangenen Jahren kaum mehr in die Erschliessung neuer Vorkommen investiert haben. Bei einem steigenden Ölpreis dürfte sich das ändern.