Analyse

Fünf spannende Turnaround-Wetten an der deutschen Börse

Ein heftiger Kursabschlag hat meistens einen guten Grund. Trotzdem schätzt der Markt die Perspektiven eines Unternehmens manchmal auch zu pessimistisch ein. Das eröffnet Chancen. Hier sind fünf Einzeltitel mit Comeback-Potenzial aus dem deutschen Mittelstand.

Tim Schäfer
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Gier und Angst gehören zu den stärksten Triebkräften an der Börse. Bei den Aktienkursen führt das immer wieder zu Übertreibungen – nach oben wie nach unten. Für mutige Investorinnen und Investoren, die bereit sind, überdurchschnittlich hohe Risiken zu tragen, kann es sich zur Arrondierung des Portfolios daher lohnen, auf das Comeback eines abgestürzten Titels zu spekulieren.

Bild: Ozark Drones/Unsplash

Spannende Turnaround-Wetten dieser Art finden sich auch an der deutschen Börse. The Market stellt dazu fünf mittelständische Unternehmen vor, deren Aktien eingebrochen sind und von der Bewertung her günstig erscheinen. Alle fünf Titel gehören zum Prime-Standard, dem Segment mit den höchsten Transparenzvorschriften am deutschen Aktienmarkt.

Natürlich gibt es für einen happigen Kursabschlag in der Regel einen guten Grund. Wie viele andere Unternehmen kämpfen momentan zum Beispiel auch einige Gesellschaften in unserer Selektion mit Logistikengpässen und steigenden Rohwarenkosten. Entsprechend gedämpft sind die Erwartungen an der Börse.

Damit besteht aber ebenso eine reelle Chance, dass sich der Konsens übermässig grosse Sorgen macht und sich die Perspektiven wieder aufhellen. Speziell aus Value-Überlegungen kann es daher reizvoll sein, gegen den möglicherweise übertriebenen Pessimismus zu wetten.

Home24: Online-Möbelhaus auf Wachstumskurs

Ein klassischer Turnaround-Kandidat ist Home24 📈. Die Aktien des Berliner Online-Möbelhändlers haben seit dem Rekordhoch vom Februar von 26.79 auf zwischenzeitlich 10.50 € korrigiert. Goldman Sachs sieht im happigen Kurssturz eine Opportunität. Die US-Investmentbank hat sich am Unternehmen mit einem Anteil von 17,4% beteiligt und ist damit grösster Aktionär.

Home24

Performance über letzte zwölf Monate, in %
Home24
SDax

Was ist das Kalkül der US-Investmentbank? Es würde nicht überraschen, wenn Goldman im Auftrag eines Kunden handelt, der strategisch an einer Übernahme von Home24 interessiert ist. Hintergründe dazu sind jedoch nicht bekannt, über das Engagement lässt sich nur spekulieren. Wie ein kurzer Blick auf das Aktionariat ergibt, sind die Beteiligungsfirmen Kinnevik und Rocket Internet weitere Grossaktionäre, die jeweils rund 11 bzw. 6% der Titel halten.

Der Absturz der Aktien dürfte vor allem mit Sorgen zu tun haben, dass sich das E-Commerce-Geschäft mit dem Abklingen der Pandemie und der Normalisierung der Wirtschaft abkühlt. Die Zahlen, die Home24 letzte Woche präsentiert hat, sind jedoch ganz respektabel. Bereinigt um Wechselkurseffekte hat sich der Umsatz in den ersten neun Monaten 40% auf 464 Mio. € verbessert. Im dritten Quartal bezifferte sich das Wachstum auf 17%.

Auf Stufe Ebitda resultierte in den ersten neun Monaten ein Verlust von 4,7 Mio. €, nach 8,5 Mio. € Gewinn in der Vorjahresperiode. Im negativen Betriebsergebnis reflektieren sich höhere Investitionen in Wachstum. Bis Ende 2023 peilt Konzernchef Marc Appelhoff einen Jahresumsatz von 1 Mrd. € an. Der Börsenwert der Gruppe beläuft sich mit 404 Mio. € derzeit auf weniger als die Hälfte der angestrebten Einnahmen. Für das laufende Jahr will Home24 eine Ebitda-Marge von 0 bis 2% erzielen.

«Unser zweistelliges Wachstum im Vergleich zum Rekord-Vorjahresquartal zeigt, dass unsere Wachstumstreiber intakt sind», lässt sich CEO Appelhoff im Quartalsbericht zitieren. Im Kernmarkt Deutschland liefert das Unternehmen inzwischen 20% der Speditionsware über das eigene Distributionsnetz aus, was die Zufriedenheit der Kunden erhöht. Gemäss dem Management wird in den nächsten Quartalen weiter in den Vertrieb investiert.

Hinzu kommt ein vorteilhafter Grundtrend, der sich in der Pandemie akzentuiert hat: Auch Möbel werden nun vermehrt online gekauft. Das Sortiment von Home24 umfasst in Kontinentaleuropa 100’000 Home-&-Living-Produkte. Darunter befinden sich grosse und kleine Möbelstücke, Gartenmöbel, Matratzen sowie Beleuchtung. In Lateinamerika, wo das Unternehmen in Brasilien mit der Marke Mobly präsent ist, offeriert es 200’000 Artikel. Die brasilianische Tochter, deren Aktien an der Börse von Rio de Janeiro kotiert sind, befindet sich zu mehr als 50% im Besitz von Home24.

Geografisch will das E-Commerce-Unternehmen fortan primär in Europa expandieren. Ausser Deutschland zählen dazu Frankreich, Österreich, Belgien, Italien sowie die Niederlande und die Schweiz. Im europäischen Markt liefert Home24 dabei Bestellungen ab 30 € unabhängig von Grösse und Gewicht kostenfrei aus. Reparaturen sind gratis.

Analysten rechnen damit, dass der kräftige Wachstumsschub im Zug der Pandemie Home24 wesentlich geholfen hat, auf operativer Stufe künftig nachhaltig profitabel zu arbeiten. Zu den grössten Risiken zählt demgegenüber der Ausbau des Lagers, falls Bestellungen ausbleiben. Auch tritt Home24 gegen mächtige Konkurrenten wie Amazon und Ikea an.

Flatexdegiro: Insider kaufen beim Discountbroker zu

Brutal erwischt hat es ebenso die Aktien von Flatexdegiro 📈. Die deutsch-niederländische Gruppe aus Frankfurt, die Ende 2019 aus der Übernahme von Degiro durch Flatex hervorging, ist ein führender Discount-Broker in Europa. Die Aktien zählten in den vergangenen zehn Jahren zu den stärksten Wachstumswerten an der deutschen Börse. Der Kurs hat in diesem Zeitraum annähernd 1200% gewonnen.

Die Begeisterung für die Titel hat sich zuletzt jedoch merklich abgekühlt. Nachdem der Kurs im Juni eine Bestmarke von fast 30 € erreichte, ist er auf nunmehr 18.50 € eingeknickt. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Trading-Aktivität von Privatanlegern in den vergangenen Monaten nachgelassen hat. Eine ähnliche Entwicklung verzeichnet beispielsweise auch der amerikanische Branchennachbar Robinhood.

Flatexdegiro

Performance über letzte sechs Monate, in %
Flatexdegiro
SDax

Entsprechend sorgte der Abschluss zum Halbjahr für Verunsicherung unter Investoren. Es kamen Befürchtungen auf, dass sich das Wachstum verlangsamt. Zudem belasteten Sondereffekte im Zusammenhang mit der Fusion sowie Rückstellungen für langfristige variable Vergütungen den Gewinn. Der Kurs tauchte am Tag der Resultatpublikation um 19%.

Die Konzernführung erachtet den Kursabschlag offenbar als günstige Gelegenheit für Investments. CEO Frank Niehage, Finanzchef Muhamad Chahrour und Aufsichtsratschef Martin Korbmacher haben seither Titel im Wert von über 1 Mio. € zugekauft. Im laufenden Jahr haben sämtliche Insider des Unternehmens über 2 Mio. € in die Aktien von Flatexdegiro gesteckt. Kein einziges Papier wurde verkauft.

Es ist klar, dass es für Flatexdegiro schwierig wird, die aussergewöhnlich hohe Kadenz nach dem Schub vom letzten Jahr zu halten. Die operative Entwicklung im dritten Quartal sieht dennoch ansprechend aus. Seit Ende Juni hat die Zahl der Kunden weiter von 1,75 auf 1,9 Mio. zugenommen. In der Berichtsperiode wurden 18,2 Mio. Handelstransaktionen ausgeführt. Das sind 12% mehr als im Vorjahreszeitraum, aber 6% weniger als im zweiten Quartal. Pro Trade hat der Broker durchschnittlich 4.85 € eingenommen, der bisher höchste Wert im laufenden Geschäftsjahr.

CEO Niehage rechnet für 2021 mit einem weiteren Rekordjahr. Die 75 Mio. Transaktionen, die das Unternehmen 2020 insgesamt abgewickelt hatte, wurden bereits im Oktober übertroffen. Das Management ist zuversichtlich, dass die Zahl der Kunden diesen November 2 Mio. übersteigt.

Die Ebitda-Marge vor Marketingaufwendungen belief sich in den ersten neun Monaten auf 55,6%. Dank der positiven Skaleneffekte des Geschäftsmodells soll die Ertragskraft mittel- und langfristig weiter gestärkt werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will der Konzern den Kundenstamm auf 7 bis 8 Mio. ausweiten und jährlich mindestens 250 bis 350 Mio. Transaktionen abwickeln – selbst in Jahren mit geringer Volatilität an den Märkten.

Flatexdegiro ist in Europa in achtzehn Ländern präsent. Zum Vorteil gereicht der Firma, dass sie über eine der aktivsten und loyalsten Klientel unter den europäischen Online-Brokern verfügt. Die Kundenbindung liegt bei 98%, wobei neue Kunden überwiegend im Alter von 25 bis 55 Jahren sind und einen überdurchschnittlichen Bildungshintergrund aufweisen. Die Einlagen betragen mittlerweile 40 Mrd. €.

Das Unternehmen mit einem Börsenwert von gut 2 Mrd. €, an dem der Verleger Bernd Förtsch knapp 15% der Aktien hält, erachtet besonders Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und die Schweiz als strategische Wachstumsmärkte. Ein weiteres Ziel ist der Aufstieg vom Small-Cap-Index SDax in den grösseren MDax.

Zum Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 14 auf Basis der Analystenschätzungen für die nächsten zwölf Monate hat auch die Bewertung reichlich Spielraum nach oben. Zum Vergleich: Die Aktien des Schweizer Branchennachbarn Swissquote zum Beispiel handeln zum KGV von über 16.

Leifheit: günstige Wette auf den Konsumsektor

Steigende Rohstoffpreise, limitierte Transportkapazitäten und Lieferengpässe machen Unternehmen aus verschiedensten Branchen zu schaffen. Darunter leidet auch Leifheit 📈. Der Hersteller von Haushaltsgeräten musste für das dritte Quartal einen Rückgang des Betriebsgewinns auf Stufe Ebit von 6,6 auf 3 Mio. € melden.

Leifheit

Performance über letzte zwölf Monate, in %
Leifheit
SDax

Die Aktien stehen unter Druck, seit Mai ist der Kurs von 49 auf 34.50 € gefallen. Für langfristig denkende Anleger kann die Korrektur eine Chance eröffnen. Gemäss dem Datendienst S&P Global Market Intelligence erwartet der Analystenkonsens bis 2023 eine deutliche Erholung des Gewinns auf 24,1 Mio. € oder gut 2.50 € pro Aktie, woraus sich ein wenig anspruchsvolles KGV von 14 errechnet.

Leifheit hat in der Unternehmensgeschichte schon einige schwierige Phasen gemeistert. Produkte, die das Leben zuhause komfortabel und leichter machen – darum dreht sich alles, seit der damals 33-jährige Maschinenbauer Rudolf Loh die Metallwarenfabrik Rudolf Loh GmbH 1947 im rheinland-pfälzischen Nassau gründete. In der Zeit des Wiederaufbaus produzierte er Sanitätsmöbel, Metallbetten und Wärmeflaschen. Bald kamen Giesskannen und Abfallsammler hinzu. 1954 folgte die Sicherheitsleiter für den Haushalt. Wenige Jahre später brachte die Firma mit der Aluminium-Haushaltsleiter einen Riesenhit auf den Markt.

1971 übernahm Lohs Sohn Joachim das Steuer und trieb die internationale Expansion voran. Er besitzt 10% der Aktien. Ein ähnlich grosses Paket hält der Investor Manuel Knapp-Voith. Heute zählen Bügelbretter, Wäscheständer, Vorratsdosen, Luftbefeuchter, Kirschentkerner, Dosenöffner, Müll- und Putzeimer zu den Verkaufsschlagern. Geografisch ist die Gruppe primär in Zentraleuropa präsent. Etwas mehr als 10% der Einnahmen stammen zudem aus Osteuropa.

Vorerst wird Leifheit allerdings gefordert bleiben, das Management bekommt die Verwerfungen in den globalen Lieferketten nicht so schnell in den Griff. CEO Henner Rinsche erhöht zwar die Verkaufspreise. Dieser Effekt wird sich jedoch erst zeitversetzt im Ergebnis bemerkbar machen. Für das auslaufende Jahr hat das Management die Ebit-Prognose deshalb auf 15 bis 20 Mio. € gesenkt. Vormals hatte es 20 bis 24 Mio. € in Aussicht gestellt.

Um das Wachstum anzukurbeln, baut Leifheit das Werbebudget aus; unter anderem mit Inseraten für die beliebten Soehnle-Waagen in der Printpresse. Andere Bestseller-Produkte der Hausmarke Leifheit werden in ausgewählten europäischen Märkten mit Fernsehspots beworben.

Der Konzern mit einer Marktkapitalisierung von rund 330 Mio. € ist finanziell ausserdem solid aufgestellt. Per Ende September verfügte er über eine Netto-Cashposition von knapp 35 Mio. € auf der Bilanz. Die respektable Dividendenrendite von 3% kann er sich damit gut leisten.

Gerresheimer: attraktiver Qualitätswert aus dem MDax

Mit ähnlichen Schwierigkeiten sieht sich Gerresheimer 📈 konfrontiert. Der Kunststoff- und Glasspezialist aus Düsseldorf beliefert Abnehmer aus der Biotech-, Pharma- und Kosmetikindustrie. Binnen Jahresfrist ist sein Aktienkurs von 102 auf rund 80 € abgesackt.

Gerresheimer

Performance seit Anfang Jahr, in %
Gerresheimer
Mdax

Fundamental verfügt der MDax-Konzern mit einem Börsenwert von gut 2,5 Mrd. € jedoch weiterhin über erbauliche Perspektiven. Auf organischer Basis ist der Umsatz im dritten Quartal 10% gewachsen. Vor allem die Nachfrage nach vorfüllbaren Spritzen ist hoch. Solides Wachstum verzeichneten ebenso Kunststoffverpackungen sowie das Engineering- und Werkzeuggeschäft.

Dennoch sind Investoren verunsichert. Was Analysten beunruhigt, sind die steigenden Kosten für Rohstoffe wie Kunststoffgranulat sowie die höheren Preise für Strom und Gas. Erfreulich ist demgegenüber, dass das Management um CEO Dietmar Siemssen die Prognose für das Geschäftsjahr per Ende November bestätigen konnte.

Demnach soll sich das Umsatzwachstum währungsbereinigt im mittleren einstelligen Prozentbereich bewegen. Für die Ebitda-Marge im Kerngeschäft werden 22 bis 23% anvisiert. Allerdings dürfte sie sich am unter Ende der prognostizierten Spanne einfinden.

Der Konzern hatte in den vergangenen Quartalen den Vorteil, dass er die Kapazitäten für Impfstoff-Fläschchen angesichts der Pandemie frühzeitig ausgebaut hatte. Trotz des gegenwärtigen Drucks auf die Margen bleiben die Aussichten ansprechend: Im Kerngeschäft sollen die Einnahmen jährlich im hohen einstelligen Prozentbereich zunehmen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll um rund 10% pro Jahr gesteigert werden.

Investoren zahlt das Unternehmen gegenwärtig eine Rendite von 1,6%. Es hat die Barausschüttung nun schon seit zehn Jahren in Folge erhöht. Zum KGV von 16 für 2022 und 14 für 2023 sind die Titel nicht teuer bewertet. Das, zumal die Risiken für den Verpackungsanbieter im Pharma- und Kosmetiksektor überschaubar sind.

Dass die Aktien von hoher Qualität sind, ergibt eine Analyse auf Grundlage des F-Score von Buchhaltungs- und Finanzprofessor Joseph D. Piotroski. The Market hat nach seiner Auswahlmethode vor wenigen Tagen Aktienmärkte rund um den Globus durchkämmt. Unter den besten Werten an den europäischen Börsen stach Gerresheimer hervor.

Fielmann: ehrgeizige Expansionspläne in Spanien

Fielmann 📈 hat Investoren in letzter Zeit viel Geduld abverlangt. Die Optikerkette mit Sitz in Hamburg wächst seit über fünf Jahren kaum noch. Der Gewinn hat sich letztes Jahr rückläufig entwickelt, wobei die Pandemie ein erheblicher Belastungsfaktor war: Der Umsatz verringerte sich 6% auf rund 1,4 Mrd. €, der Gewinn sank gegenüber 2019 von 172 auf 116 Mio. € oder 1.39 € je Aktie.

Dieses Jahr hat sich das Geschäft des zu 5,3 Mrd. € bewerteten Unternehmens aus dem SDax jedoch deutlich belebt. In den ersten neun Monaten wuchsen die Einnahmen 22% gegenüber der Vorjahresperiode. Im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2019 liegt der Umsatz 8% höher.

Fielmann betreibt annähernd 900 Niederlassungen und betreut 27 Mio. Kunden. Diesen Sommer hat die Firma in Prag die erste Filiale in Tschechien eröffnet und ist damit nun in sechzehn europäischen Ländern vertreten. Über 80% der Einnahmen kamen 2020 aus Deutschland, weitere wichtige Märkte sind die Schweiz und Österreich.

Der 1972 gegründete Familienkonzern setzt sich ambitionierte Ziele. Marc Fielmann, der Sohn des Gründers, investiert mit dem Programm «Vision 2025» jährlich 100 Mio. € in den Ausbau der Online-Plattform und in die Erweiterung des Netzes an Niederlassungen. Europaweit sollen dieses Jahr fast fünfzig neue Optikergeschäfte hinzukommen.

In vielen europäischen Städten und Einkaufszentren hat die Kundenfrequenz das Vorkrisenniveau zwar noch nicht erreicht. Dennoch ist das Management für den restlichen Jahresverlauf optimistisch. Letzte Woche hat es die Prognose für 2021 bestätigt, gemäss der die Konzerneinnahmen über 20% auf 1,7 Mrd. € steigen sollen. Der Gewinn vor Steuern soll sich von gut 175 auf über 200 Mio. € verbessern.

Die Aktien, an denen die Familienstiftung 72% hält, haben damit viel Spielraum nach oben. Seit dem Spätherbst 2017 ist der Kurs von Fielmann praktisch nicht vom Fleck gekommen, wogegen der SDax über 75% avanciert ist. Für das laufende Jahr resultiert ein Minus von 7%

Fielmann

Performance seit Anfang Jahr, in %
Fielmann
Sdax

Im historischen Vergleich sind die Titel nicht teuer. Das KGV auf Basis der Analystenschätzungen für 2023 beträgt 26,5, der Durchschnittswert über die letzten zehn und fünf Jahre beläuft sich auf rund 30 respektive 33. Hinzu kommt eine ansehnliche Dividendenrendite von 2,8%.

Das grösste Risiko bei einem Investment in Fielmann ist, dass die Konkurrenz zunimmt – vor allem im Online-Geschäft. Die Unternehmensleitung versucht dem wachsenden Wettbewerbsdruck entgegenzuwirken, indem sie das Sortiment um neue Produktkategorien wie Hörgeräte erweitert und die Expansion im Ausland forciert.

Ende letztes Jahr hat sich die Gruppe dazu mit 80% an Óptica & Audiología Universitaria beteiligt, der drittgrössten Optikerkette in Spanien mit achtzig Niederlassungen. Ziel von Fielmann ist es, mit der spanischen Tochtergesellschaft langfristig 900’000 Brillen pro Jahr zu verkaufen und einen jährlichen Umsatz von 250 Mio. € zu erwirtschaften. In den ersten neun Monaten 2021 hat das Geschäft in Spanien mehr als 80 Mio. € an Einnahmen erzielt und einen Vorsteuergewinn von 9,5 Mio. € ausgewiesen.