Analyse

Logitech übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen

Der Hersteller von Computerzubehör hat im Weihnachtsquartal glänzende Zahlen erwirtschaftet. Die operative Leistung überzeugt, die Aktien sind von hoher Qualität und bleiben kaufenswert.

Mark Dittli
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Logitech überzeugt einmal mehr auf der ganzen Linie. Der Hersteller von Computer-Peripheriegeräten hat heute seine Zahlen zum dritten Geschäftsquartal (Oktober bis Dezember) vorgelegt – und diese lassen keine Wünsche offen.

In allen relevanten Produktkategorien und Weltregionen hat Logitech signifikantes Wachstum erzielt. Wie bereits in den Vorquartalen konnte das Unternehmen nicht bloss die durch die Covid-Pandemie begünstigten Verkäufe steigern, sondern CEO Bracken Darrell und seinem Team gelang es auch, den Wachstumsschub operativ zu untermauern und die Margen deutlich auszuweiten.

Für das laufende Geschäftsjahr per Ende März erhöht Logitech die Prognosen nochmals deutlich.

Wachstum in allen Regionen

Die Details zu den heute publizierten Zahlen:

Logitechs Umsatz stieg in Lokalwährungen um 80% auf knapp 1,67 Mrd. $, was rund 22% über den Konsensschätzungen der Analysten lag. Das Wachstum war geografisch breit abgestützt: Die Region Americas konnte die Verkäufe um 87% steigern, Asien kam auf 89%, und die Region Europa, Naher Osten und Afrika (Emea) erreichte ein Wachstum von 67%.

Unter den einzelnen Produktkategorien stachen Webcams (+302%), Tablet-Zubehör (+334%) und Video-Kollaborationssysteme (+211%) mit besonders hohen Wachstumsraten heraus. Auch Gaming, die in absoluten Zahlen grösste Produktekategorie, vermochte die Verkäufe zu konstanten Währungen um 73% zu steigern:

Margen trotz Investitionen ausgeweitet

Ein Blick auf die operative Leistung zeigt, dass es Logitech abermals – wie bereits in den Vorquartalen – gelang, das stürmische Wachstum gut zu verarbeiten:

Die Bruttomarge stieg trotz deutlich höherer Frachtkosten und Importzöllen in den USA auf 45,2%, nach 37,1% im Vorjahr. Diese für Logitech wichtige Grösse lag damit abermals deutlich über dem eigenen Langfristziel von 36 bis 40%:

Quelle: Logitech

Der bereinigte Betriebsgewinn auf Stufe Ebit verdreifachte sich auf 476 Mio. $, die Ebit-Marge erreichte 28,6%, verglichen mit 16,8% in der Vorjahresperiode. Dieser Wert wurde erreicht, obwohl Logitech die strategischen Investitionen in die Produktentwicklung, IT und die Verkaufskanäle kräftig erhöht hat.

Auch in der Bewirtschaftung des Nettoumlaufvermögens (Working Capital) glänzte Logitech abermals: Der Lagerumschlag erhöhte sich auf 7,7x (Vorjahr: 7,4x), was in einem Weihnachtsquartal für das Unternehmen ein Rekordwert ist. Die im Hinblick auf das Jahresend-Geschäft aufgebauten Lager wurden also gut verkauft. Der Cash-Conversion-Zyklus konnte auf 15 Tage verkürzt werden, nach 32 Tagen im Vorjahresquartal – auch das ein Rekordwert für Logitech.

Dank dieser Massnahmen erhöhte sich der operative Cashflow im Berichtsquartal um 349% auf 530 Mio. $, womit das schuldenfreie Unternehmen per Ende Dezember einen Cash-Bestand von knapp 1,4 Mrd. $ auf der Bilanz hielt.

Prognose zum dritten Mal in Folge markant erhöht

Angesichts dieser Zahlen erhöht Logitech bereits zum dritten Mal in Folge die Prognosen für das volle Geschäftsjahr: Neu stellt CEO Darrell ein Umsatzwachstum von 57 bis 60% sowie einen Ebit von 1,05 Mrd. $ in Aussicht. Zum Vergleich: Noch im Frühjahr hatte Logitech für das laufende Geschäftsjahr mit einem Ebit von 420 Mio. gerechnet, und Mitte Jahr hatte Darrell die Prognose auf 720 Mio. $ erhöht. Nun soll der Betriebsgewinn also zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens auf über 1 Mrd. $ steigen.

Da in den ersten drei Geschäftsquartalen kumuliert bereits ein Ebit von 947 Mio. $ erreicht wurde, lässt sich aus der neuen Jahresprognose schliessen, dass Logitech im laufenden vierten Quartal noch mit einem Ebit von gut 100 Mio. $ rechnet. Im Vergleich zur Vorjahresperiode, als 79 Mio. $ erreicht wurden, entspräche das einem Wachstum von «nur» noch etwas mehr als 25%. Die Prognose dürfte damit eher konservativ sein.

(Bild: Bloomberg)

Die bisherige Gewinn-Konsensschätzung der Analysten von 3.93 $ je Aktie für das laufende Jahr ist angesichts der neusten Zahlen deutlich zu tief. Logitech dürfte nach Schätzungen von The Market auf einen Gewinn von rund 5.60 $ oder gegen 5 Fr. je Aktie kommen. Auf dieser Basis sind die Titel aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 bewertet. Unter Abzug der Cash-Position in der Bilanz wären sie sogar noch günstiger. Paradoxerweise sind die Aktien damit im Verlauf der vergangenen zwölf Monate laufend günstiger geworden, weil das Gewinnwachstum den Kursanstieg deutlich übertroffen hat.

Kaufempfehlung bestätigt

Die grosse Frage aus Anlegersicht ist freilich, wie ausserordentlich das laufende Geschäftsjahr bedingt durch die Pandemie war, oder mit anderen Worten: auf welche Werte sich Umsatz und Gewinn zurückbilden, wenn sich die Weltwirtschaft und das Arbeitsleben nach dem Abklingen der Pandemie wieder «normalisiert».

Selbstverständlich hat Logitech pandemiebedingt ausserordentlich hohe Verkäufe erzielt, doch The Market ist der Meinung, dass zahlreiche bleibende Effekte resultieren werden: Der Trend zu dezentralem Arbeiten und «Work from Home» ist etabliert, und die stark erhöhte installierte Basis an Webcams, Tastaturen, etc. sichert Logitech für die kommenden Jahre Anschlusskäufe. Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten erhöhen ihre Investitionen in die Digitalisierung und die Ausrüstung ihrer Schüler – auch das ist ein Trend, der nicht so rasch brechen wird.

The Market bleibt bei der Kaufempfehlung, die bereits hier, hier und hier formuliert wurde. Management und Marktposition sind erstklassig, die Rendite auf dem investierten Kapital (Return on Invested Capital, ROIC) lässt mit deutlich über 20% keine Wünsche offen, die Bilanz ist schuldenfrei und mit einer Cash-Position von deutlich über 1 Mrd. $ kerngesund. Dank dieser Attribute sind die Titel auch im The Market Best Ideas Portfolio enthalten.

Kurzum: Kaufen. Und in Phasen von Rückschlägen nachkaufen.