Analyse

Rohstoffwerte bereichern das Aktiendepot

Ob als Schutz gegen Inflation, als Wette auf die Belebung der Weltwirtschaft oder als Value Play: Wer an der Börse nach attraktiven Anlagen sucht, wird im Rohstoffsektor fündig. Worauf Investoren bei Engagements achten sollten und welche Titel am meisten Potenzial haben.

Christoph Gisiger
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Von Asien über Europa bis nach Amerika: Nach dem historischen Konjunktureinbruch im letzten Jahr stehen die Zeichen rund um den Globus auf Wachstum. Das zumindest ist das deutliche Signal, das die Rohstoffmärkte gegenwärtig aussenden.

Seit dem Tief vom vergangenen April ist der S&P GSCI Index auf mehr als das Doppelte gestiegen. Das Rohstoffbarometer notiert heute fast 20% höher als vor einem Jahr. Einen massiven Schub verspürt Kupfer, das auf dem höchsten Niveau seit Anfang 2013 handelt. Ebenso eindrückliche Avancen verzeichnet Platin. Auch der Ölpreis ist seit dem Herbst mehr als 65% gestiegen. Agrargüter wie Mais, Getreide und Sojabohnen tendieren ebenfalls aufwärts:

Preisentwicklung von Rohstoffen

Performance seit Anfang 2020, in %
S&P GSCI Index
Öl
Gold
Kupfer
Mais

«Wir sehen diverse Lichtblicke, sei es die Stärke Chinas oder die anhaltend robuste Entwicklung des Häuserbaus in den USA», beschreibt Jim Umpleby, Konzernchef von Caterpillar, das globale Konjunkturumfeld. Der weltgrösste Baumaschinenhersteller, der als guter Indikator für die globale Wirtschaft gilt, wagt zwar noch keinen Geschäftsausblick für 2021. «Das Problem ist aber weniger das Risiko einer erneuten Abschwächung, sondern mehr die Ungewissheit darüber, wie kräftig sich die Situation in diesem Jahr verbessern wird», meinte Umpleby vor zwei Wochen bei der Präsentation der Quartalszahlen.

Konkrete Prognosen gibt der Internationale Währungsfonds ab. Auch die IWF-Ökonomen bezeichnen den weiteren Verlauf der Pandemie und das ungewisse Tempo bei den Impfungen als «extremen Unsicherheitsfaktor». Dennoch haben sie den Ausblick Ende Januar angehoben. Für dieses Jahr gehen sie von 5,5% realem Wirtschaftswachstum aus, angeführt von China und Indien. 2022 soll die Weltkonjunktur weitere 4,2% expandieren:

Globales Wirtschaftswachstum

in %
Industrieländer
Schwellenländer
Welt

Wie immer müssen diese Zahlen im Jahresverlauf nach oben oder unten adjustiert werden. Auch sind heftige Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten in den kommenden Monaten so gut wie sicher; beispielsweise, falls die Pandemie weniger rasch abklingt als erhofft. Drei Kernfaktoren sprechen aber dafür, dass der Sektor langfristig denkenden Investoren erbauliche Perspektiven bietet:

  • In China, dem weltgrössten Rohstoffkonsumenten, setzt sich die kräftige Erholung der Wirtschaft fort. Eine zentrale Rolle kommt Investitionen in die Infrastruktur zu, womit der Bedarf an Rohwahren wächst.
  • Der Dollar hat seit dem Hoch vom letzten März 12% verloren. Vieles deutet daraufhin, dass sich die US-Valuta in einem strukturellen Abwärtstrend befindet. Weil der Referenzpreis der meisten Rohstoffe in Dollar angegeben wird, wächst die Kaufkraft internationaler Abnehmer, was wiederum die Nachfrage stützt.
  • Die ultralockere Geldpolitik stimuliert den Risikoappetit von Investoren. Davon profitieren auch Rohstoffe, die naturgemäss einen ausgesprochen volatilen Charakter haben.

Zum letzten Punkt kommt ein zusätzlicher Aspekt hinzu: Die präzedenzlosen Stimulusmassnahmen von Regierungen und Zentralbanken legen zusammen mit der enormen Verschuldung vieler Staaten einen Nährboden für Inflation. In der Preisentwicklung lässt sich das bislang höchstens ansatzweise erkennen. In den USA sind die langfristigen Inflationserwartungen aber bereits auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2014 geklettert:

Langfristige Inflationserwartungen

Inflationserwartungen über 10 Jahre (TIPS-Breakeven), in %

Klar ist: In einem inflationären Umfeld werden sich Rohstoffe überdurchschnittlich gut entwickeln. Das Extrembeispiel sind die Siebzigerjahre, als sich Amerika vom Goldstandard löste und zwei Ölkrisen die Weltwirtschaft erschütterten. Eine Auswertung des Anlageberaters Variant Perception ergibt, dass Rohstoffe damals die einzige Anlagekategorie waren, mit denen Investoren an den US-Finanzmärkten real – also nach Abzug der Inflation – Geld verdienten:

Performance im Verlauf der Siebzigerjahre

in %
Nominal
Real

Obschon bereits etwas Bewegung in den Sektor gekommen ist, werden Aktien von Rohstoffunternehmen von den meisten Investoren noch immer stark vernachlässigt und sind damit historisch günstig bewertet. Das illustriert ihre Gewichtung im MSCI All Country World Index, die heute ungefähr so gering ist wie zur Jahrtausendwende. Demgegenüber sind Tech-Aktien nach der fulminanten Hausse der letzten zehn Jahre dominanter als auf dem Zenit der Internetblase:

Quelle: Jefferies

Das eröffnet Chancen. Um das Portfolio mit Rohstoffen anzureichern, stehen Investoren vielfältige Möglichkeiten offen. Ein relativ simpler Ansatz bietet sich mit einem ETF wie dem Lyxor Commodities Refinitiv/CoreCommodity CRB TR UCITS ETF 📈 an, der in einen breiten Korb an Terminkontrakten aus den Bereichen Energie, Basismetalle, Edelmetalle und Landwirtschaftsprodukte investiert. Eine diversifizierte Selektion an Rohstoffunternehmen offeriert der VanEck Vectors Natural Resources UCITS ETF 📈.

Je nach Umständen lohnt es sich ebenfalls, direkt in spezifische Segmente oder Einzeltitel zu investieren. Im Folgenden haben wir dazu eine Übersicht in drei Teilen zusammengestellt:

1. Basismetalle: Wette auf die Weltwirtschaft

Bild: Dominik Vanyi/Unsplash

Trends an den Rohstoffmärkten zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie über einen langen Zeitraum anhalten. In den vergangenen hundert Jahren erlebte der Sektor vier «Superzyklen». Der letzte setzte in den späten Neunzigerjahren ein und kulminierte zum Zeitpunkt der Finanzkrise von 2007/08.

Nach einem längeren Abwärtstrend keimt in der Branche Hoffnung, dass ein neuer Kreislauf beginnt. Dynamik entwickeln besonders Basismetalle. Der Kupferpreis hat seit dem Tief vom letzten März annähernd 80% angezogen. Aluminium und Nickel handeln rund 30 respektive 60% fester:

Preisentwicklung von Buntmetallen

Performance seit Anfang 2020, in %
Kupfer
Nickel
Aluminum
S&P GSCI All Metals Index

«Buntmetalle eilen flächendeckenden Impfungen und einem Konjunkturprogramm mit Infrastrukturinvestitionen in den USA voraus», meint Larry McDonald, Gründer des Researchdiensts «The Bear Traps Report». «Basismetalle sind unsere am meisten favorisierte Wette. Wir kaufen bei Rückschlägen zu, trimmen Positionen in Stärkephasen und halten eine Grundposition auf lange Sicht», fügt er hinzu.

Wichtigster Treiber ist das robuste Wachstum in den Schwellenländern, besonders in Asien. Ob Zement, Aluminium, Stahl, Nickel, Kupfer oder Kohle: China kommt bei den meisten Basisrohstoffen für die Hälfte der globalen Nachfrage auf. Zusammen mit Indien dürfte das Riesenreich in den nächsten zwei Jahren das kräftigste Expansionstempo unter den grossen Volkswirtschaften verzeichnen.

Wachstumsprognosen nach Land

in %
2020
2021
2022

Basierte die letzte Rohstoffhausse vorab auf der Industrialisierung und Urbanisierung Chinas, könnte in diesem Zyklus der Umbau der Infrastruktur in Europa und in den USA ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Für «grüne Technologien» wie erneuerbare Energiequellen aus Sonne und Wind sowie für Elektroautos braucht es grosse Mengen an Metallen wie Kupfer, Nickel, Kobalt und Zink. Das Gleiche gilt für Infrastrukturinvestitionen, um Energie effizienter zu transportieren und zu speichern.

Mit BHP auf Wachstum setzen

David Rosenberg von Rosenberg Research ist für den Sektor aus einem weiteren Grund optimistisch. «Nach vielen Jahren, geprägt von tiefen Preisen, sahen sich Rohstoffproduzenten aus Mangel an Kapital zu rigorosen Kostenkürzungen gezwungen. Das bedeutet, dass das Angebot auf absehbare Zeit limitiert ist», sagt der Ökonom aus Toronto. «Dadurch ist der Markt heute nicht nur besser ausbalanciert, sondern es steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Engpässen. Das wird für Aufwärtsdruck bei den Preisen sorgen», fügt Rosenberg hinzu.

Eine Auswertung mit Hilfe des Datendienstes S&P Global Market Intelligence illustriert diesen Sachverhalt. Stieg das Investitionsaufkommen der Branchenriesen BHP, Rio Tinto, Anglo American, Vale, Glencore, Teck Resources und Freeport-McMoRan in den Jahren 2012/13 insgesamt auf bis zu 62 Mrd. $, belief es sich in den letzten zwei Jahren auf weniger als die Hälfte:

Investitionsaufkommen globaler Bergbaukonzerne

CapEx, in Mrd. $
BHP
Rio Tinto
Anglo American
Vale
Glencore
Teck Resources
Freeport-McMoRan
Prognose (ab 2021)

Eine Variante, das Thema Basismetalle an der Börse zu spielen, sind der iShares MSCI Global Metals & Mining Producers ETF 📈 oder der SPDR S&P Metals & Mining ETF📈. Profitieren dürften ebenso Anlagen in Rohstoffproduzenten wie Chile und Brasilien, wo sich Investoren durch Instrumente wie dem iShares MSCI Chile ETF 📈oder dem iShares MSCI Brazil ETF 📈 ein Exposure verschaffen können.

Wer direkt in einen grossen Bergbaukonzern investieren will, orientiert sich am besten an BHP 📈. «The Big Australian» bewirtschaftet ein weltweit diversifiziertes Portfolio aus Vorkommen in den Bereichen Eisenerz, Kupfer, Kohle sowie Öl. Demnächst entscheidet das Managament, ob sich das Unternehmen ein weiteres Standbein mit dem Abbau von Kali-Dünger in Kanada erschliessen will.

Der zu einem Börsenwert von gut 160 Mrd. $ bewertete Konzern mit Sitz in Melbourne besticht durch eine kerngesunde Bilanz und eine ansprechende Ausschüttungspolitik. Zum Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als 13 sind die 3,4% rentierenden Aktien nicht teuer und zählen denn auch zum Best Ideas Portfolio 📈 von The Market.

Aktien von globalen Rohstoffkonzernen

Performance seit Anfang 2020, in %
BHP
Rio Tinto
Anglo American
Glencore
Teck Resources

Finanziell solid aufgestellt ist ebenso Rio Tinto. Das in London domizilierte Konglomerat ist allerdings primär auf Eisenerz ausgerichtet. Mehr Risiko bergen die Aktien von Anglo American und Teck Resources. Bei beiden Mineuren dominiert das Kohlegeschäft, für das die Perspektiven schwierig sind. Mit derselben Herausforderung sieht sich Glencore konfrontiert. Immerhin könnten der Gruppe mit dem Abgang des langjährigen Konzernchefs Ivan Glasenberg jetzt grössere Veränderungen bevorstehen.

Kennzahlen

Land Börsenwert Wachstum Ebit-Marge Verschuldungsgrad ROIC KGV 2021 Rendite
BHP Australien 164 –3,1 35,3 0,7 11,9 12,6 3,4
Rio Tinto Grossbritannien 136 1,2 30,1 0,3 13,6 9,7 5,9
Vale Brasilien 90 17,6 29,7 0,9 11,2 6 1,5
Southern Copper USA 56 9,6 39,1 1,2 13,2 24,4 3,4
Norilsk Nickel Russland 54 15,3 37,6 1,2 23 9 4,3
Anglo American Grossbritannien 50 –3,9 16,5 1,1 6,7 10,8 3
Glencore Schweiz 49 –18,6 0,2 4,1 0,2 11,9 0
Freeport-McMoRan USA 45 –1,4 16,6 1,6 5,3 14,1 1
Grupo México Mexiko 34 2,1 42,8 0,7 11,5 12,8 3,8
Teck Resources Kanada 10 –27,8 –9,7 3,2 –1,8 12 0,8

2. Energie: Power fürs Portfolio

Bild: Dominik Vanyi/Unsplash

Eine traumatische Erfahrung verarbeitet der Energiesektor. Die Drohung Saudi-Arabiens, den Ölmarkt zu fluten, und der Einbruch der globalen Nachfrage nach dem Ausbruch der Pandemie führten im letzten April dazu, dass der Preis der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) erstmals in der Geschichte in den negativen Bereich fiel.

Heute sieht die Lage wesentlich freundlicher aus. Die meisten grossen Energiekonzerne mussten in den letzten Wochen zwar erneut rote Zahlen rapportieren. Fundamental blicken sie 2021 jedoch einem spannenden Jahr entgegen.

Musste die Branche im vergangenen Frühjahr wegen der Ölflut um ausreichend Lagerkapazitäten fürchten, gehen die Reserven jetzt rasch zurück. In den USA sind die Lager zum kommerziellen Ölverbrauch vergangene Woche abermals überraschend deutlich gesunken und bewegen sich auf dem tiefsten Stand seit März 2020:

US-Ölreserven für den kommerziellen Verbrauch

in Mio. Fass

Auftrieb hat dem Ölpreis zuletzt ebenso die Nachricht gegeben, dass die US-Regierung unter Joe Biden die Sanktionen gegen den Iran vorerst beibehält. Die Notierung für WTI ist seit Ende Oktober annähernd 70% gestiegen. Das europäische Pendant Brent tendiert gegen 63 $ pro Fass. Das entspricht dem höchsten Niveau seit Anfang 2020.

Davon profitieren die Aktien von Branchenleadern wie Exxon Mobil, Chevron und Royal Dutch Shell. Allerdings hinken sie dem Ölpreis nach wie vor hinterher:

Ölpreis und Energieaktien

Performance seit Anfang 2018, in %
Ölpreis (WTI)
Exxon Mobil
Chevron
Royal Dutch Shell
SPDR S&P Oil & Gas Exploration & Production ETF

Sowohl Brent wie auch WTI befinden sich derzeit in einer Backwardation: Die Preise für Terminkontrakte sind tiefer als die Notierungen im Spothandel, was auf Anspannungen im physischen Markt hindeutet.

Die Nachfrage in den Industrieländern dürfte in den nächsten Monaten gedämpft bleiben. Mit der Aufhebung der Lockdown-Massnahmen, der Erholung der Konjunktur sowie der Belebung des internationalen Reiseverkehrs wird der Bedarf aber spürbar zunehmen. In China, Indien und nun auch Brasilien ist er bereits auf einem Rekordhoch.

«Wir glauben, dass wir auf eine globale Energiekrise zusteuern», sagt Adam Rozencwajg von der auf Rohstoffanlagen spezialisierten Investmentfirma Goehring & Rozencwajg. «Wie bei den meisten Krisen schwelen die fundamentalen Ursachen dafür schon seit mehreren Jahren. Bislang hat aber ein Katalysator gefehlt, um Investoren darauf aufmerksam zu machen», ergänzt er.

Bereit für eine neue Hausse

Der entscheidende Impuls könnte von der amerikanischen Fracking-Industrie ausgehen. Die Ölförderung in den drei grossen Schiefergestein-Formationen Permian, Eagle Ford und Bakken kam in den letzten zehn Jahren für praktisch das gesamte Produktionswachstum ausserhalb der Opec-Staaten auf.

Die Anzeichen mehren sich jedoch, dass die Produktivität der ertragreichsten Felder in der Umgebung von Texas und North Dakota drastisch zurückgeht. Über brach liegende Kapazitäten verfügen die Opec und Russland. Wenn die Nachfrage steigt, werden ihre zusätzlichen Produktionsmöglichkeiten aber kaum reichen.

«Die Datenlage stimmt uns extrem zuversichtlich. Wir empfehlen daher eine maximale Positionierung in Energieaktien», sagt Rozencwajg. Seine Einschätzung basiert auch auf den scharfen Sparmassnahmen der globalen Energiekolosse. Ausser Total und Petrobras haben alle Schwergewichte ihr Investitionsaufkommen letztes Jahr erheblich zurückgefahren, wobei es bei Petrobras noch immer rund 60% unter dem Spitzenjahr 2013 liegt:

Investitionsaufkommen globaler Energiekonzerne

CapEx, in Mrd. $
2019
2020

Das sind nahezu optimale Voraussetzungen für eine neue Hausse im Energiesektor. Vor diesem Hintergrund sind Aktien von Ölkonzernen verlockend günstig bewertet. In den USA machen Energiewerte weniger als 3% der Gewichtung des S&P 500 aus. Zum Vergleich: Auf dem Zenit des letzten Ölbooms im Sommer 2008 kam die Branche für mehr als 16% der Kapitalisierung auf.

Nach den kräftigen Avancen seit Herbst würde es nicht überraschen, wenn es in den kommenden Monaten zu einer temporären Konsolidierung käme. Ein guter Zeitpunkt also, um sich im Sektor zu engagieren oder bestehende Positionen auszubauen.

In einer umfassenden Analyse haben wir unlängst Ideen für Investments präsentiert. Als einfachster Weg bietet sich der SPDR MSCI World Energy UCITS ETF 📈 an. Wer speziell an amerikanischen Unternehmen interessiert ist, dem offerieren der Energy Select Sector SPDR ETF 📈 und der SPDR S&P Oil & Gas Exploration & Production ETF 📈 zwei praktikable Anlagemöglichkeiten.

Unter den Einzeltiteln empfehlen wir Chevron 📈. Der Konzern ist unter den integrierten Energiekonzernen zusammen mit Total am besten aufgestellt. Er hat die Krise genutzt, um seine Position durch die Akquisition von Noble Energy auszubauen. Dank der soliden Bilanz ist die feudale Ausschüttungspolitik (Dividendenrendite: 5,6%) auch bei erneutem Druck auf den Ölpreis nicht gefährdet.

Unter den unabhängigen US-Förderern gehören ConocoPhillips 📈 und EOG Resources 📈 zu den Titeln mit der höchsten Qualität. Viel Aufholpotenzial steckt ausserdem in den Valoren von Shell, die in unserem Best Ideas Portfolio 📈 vertreten sind.

Kennzahlen

Land Börsenwert Wachstum Ebit-Marge Verschuldungsgrad KGV 2021 Rendite
Exxon Mobil USA 214 –29 –15,9 4 23,8 6,9
Chevron USA 178 –32,5 –7,4 2,2 26,6 5,6
Royal Dutch Shell Niederlande 144 –47,7 1,1 2,7 14,4 3,5
Total Frankreich 111 –32,1 3,7 1,5 12,9 3,4
BP Grossbritannien 73 –35,1 –5,7 3,5 12,1 5,8
ConocoPhillips USA 64 –42,4 –8,4 1,6 32 3,6
Eni Italien 38 –33,6 –0,3 2,1 27,9 6,2
EOG Resources USA 36 –34,2 –1,4 0,5 23 2,5
Suncor Energy Kanada 27 –35,7 –22,9 10,2 21 3,7
Occidental Petroleum USA 24 3,8 –38,8 4,7 - 0,2

Edelmetalle: glänzende Perspektiven

Bild: Zbynek Burival/Unsplash

Mindestens so vielversprechend ist die Ausgangslage für Investments in Edelmetalle. In den vergangenen Wochen standen vor allem Silber und Platin im Rampenlicht. Beide profitieren davon, dass sich die Aussichten für die Wirtschaft aufhellen. In Platin spielt zudem Fantasie mit Blick auf umweltschonende Technologien wie Wasserstoff als Energieträger.

Gold, das mit Abstand grösste Segment im Markt für Edelmetalle, kommt seit einigen Monaten hingegen nicht mehr voran. Nach einer fulminanten Rally markierte der Preis Anfang August mit 2070 $ pro Unze ein neues Allzeithoch. Seither hat er sich um gut 10% ermässigt und hält sich knapp über 1800 $.

Dass der Auftrieb momentan etwas fehlt, hat wohl mit verschiedenen Faktoren zu tun. Erstens hat sich der Dollar temporär gefestigt, was den Goldpreis belastet. Hinzu kommt zweitens, dass Zentralbanken weniger Gold erwerben. Die Türkei, lange einer der grössten Käufer, ist aufgrund der lädierten Staatsfinanzen sogar zum Verkäufer geworden.

Insgesamt haben Notenbanken im dritten Quartal netto knapp 7 Tonnen Gold veräussert. Letztmals kam das im Schlussquartal 2010 vor:

Nachfrage nach Gold

in Tonnen
Zentralbanken
Industrie
Finanzinvestitionen
Schmuck

Drittens sind Investoren generell weniger risikoavers als im ersten Halbjahr 2020. Damit ist Gold als sicherer Hafen weniger gefragt. Das gilt ebenso im Hinblick auf die Realzinsen. Sie sind zwar nach wie vor negativ, haben zuletzt aber etwas fester tendiert. Das macht das Halten von Gold als Finanzinvestment relativ zu anderen Anlagen weniger attraktiv.

Das lässt sich gut am Fluss der Investorengelder beobachten, die weltweit in Gold-ETF strömen. Gemäss Daten des World Gold Council hat der Zufluss seit August merklich nachgelassen und war im November und Dezember negativ:

Monatliche Goldtransaktionen von ETF

in Tonnen
Nordamerika
Europa
Asien
Übrige Regionen

Diese Konstellation mag noch etwas andauern. Langfristig orientierten Investoren eröffnet die Korrektur Chancen. Grössere Goldvorkommen werden kaum noch entdeckt und wenn, dauert ihre Erschliessung mehr als ein Jahrzehnt. In einem Umfeld, in dem Zentralbanken im Rekordtempo Geld drucken, Staaten sich immer massiver verschulden, der Dollar weiter an Wert verliert und die Inflation möglicherweise anzieht, erscheinen wenige Investments so vielversprechend wie Gold.

Bodenschätze an der Börse

Ausser Direktinvestitionen in Edelmetalle bieten sich zum Beispiel der UBS Gold ETF 📈 oder der ZKB Silver ETF AA 📈 an. Noch mehr Potenzial bergen unserer Ansicht nach Aktien von Minenkonzernen wie Newmont, Barrick Gold, Agnico Eagle Mines oder Pan American Silver. Während der Goldpreis seit dem Tief vom Dezember 2015 mehr als 70% avanciert ist, hinken die knapp sechzig Minentitel im VanEck Vectors Gold Miners ETF weit hinterher:

Goldpreis und Goldaktien

Performance seit Anfang 2007, in %
Goldpreis
VanEck Vectors Gold Miners ETF

«Goldaktien sind zu einem grossen Abschlag bewertet, haben fundamental aber ausgezeichnete Aussichten», sagt Heinz Isler, Berater institutioneller Investoren in Genf. «Alles stimmt für die Branche», denkt der Rohstoffspezialist mit mehr als fünfzig Jahren internationaler Erfahrung: «Festere Margen, ein wachsender freier Cashflow, sinkende Schulden, steigende Dividenden, die im Vergleich zu Anleihen und anderen Sektoren an Attraktivität gewinnen, sowie technologischer Fortschritt durch die zunehmende Automatisierung der Minen stimmen zuversichtlich.»

Wie hochprofitabel die meisten Konzerne wirtschaften, wird sich diese Woche zeigen, wenn die Marktführer Newmont und Barrick mit den Resultaten zum vierten Quartal aufwarten.

Ihre operativen Margen dürften ähnlich formidabel ausfallen, wie bei der letzten Berichtssaison im Herbst. Bei einem realisierten Goldpreis von durchschnittlich gut 1900 $ pro Unze konnten die grössten Förderer die Gesamtproduktionskosten (All-In Sustaining Costs) im dritten Quartal auf rund 1000 $ halten. Entsprechend rentabel ist der Betrieb ihrer Minen:

Goldpreis vs. Produktionskosten

Werte für das Q3 2020, in $/Unze
Durchschnittlicher realisierter Goldpreis
All-in Sustaining Cost

Obschon die Branche viel effizienter wirtschaftet als früher und aktionärsfreundlicher denkt, sind die meisten Konzerne historisch günstig bewertet. Wie Analysten von Scotiabank vorrechnen, handeln alle Unternehmen zu einem deutlichen Abschlag gegenüber dem historischen Mittelwert, wenn man den aktuellen Goldpreis als Grundlage zur Bewertung ihrer Assets nimmt:

Prämie/Abschlag zum Goldpreis

in %
Historischer Durchschnitt
Aktuelle Bewertung

Seit dem Hoch von Anfang August haben die Aktien bedeutender Gold- und Silberproduzenten rund 20% korrigiert. Mit dem VanEck Vectors Gold Miners ETF 📈 können Anleger in eine breite Auswahl an grösseren Unternehmen investieren. Wer etwas aggressiver vorgehen will, setzt auf den VanEck Vectors Junior Gold Miners ETF 📈, der kleinere Gesellschaften mit einem ausgeprägteren Risikoprofil umfasst:

Minenaktien

Performance seit Anfang 2020, in %
Newmont
Barrick Gold
Agnico Eagle Mines
Pan American Silver
VanEck Vectors Gold Miners ETF

Unter den Einzeltiteln gegeben wir Newmont 📈 und Agnico Eagle Mines 📈 den Vorzug. Beide Konzerne ragen durch operative Exzellenz und die Qualität ihrer Förderstandorte hervor. Agnico Eagle Mines hat Ende letzter Woche Rekordzahlen zum vierten Quartal präsentiert: Die operative Marge auf Stufe Ebit dehnte sich im Vergleich zur Vorjahresperiode von knapp 23 auf gut 36% aus. Der Umsatz wuchs 23%, was die Erwartungen um Haaresbreite verfehlte. Die Titel wurden dafür 6% abgestraft, was eine günstige Gelegenheit für Engagements bietet.

Ansprechende Perspektiven ergeben sich ebenso für Barrick Gold 📈. Unter den Silberförderern setzt Pan American Silver 📈 den Qualitätsstandard. Der vom Schweizer Michael Steinmann geführte Konzern arbeitet an einer Reihe spannender Projekte mit grossem Wachstumspotenzial. Dazu zählt die Escobal-Mine im Süden Guatemalas, eines der weltgrössten Silbervorkommen. Wie die meisten Silberförderer erwirtschaftet Pan American den überwiegenden Anteil des Umsatzes mit der Goldproduktion, der Kurs reagiert aber primär auf Veränderungen des Silberpreises.

Kennzahlen

Land Börsenwert Wachstum Ebit-Marge Verschuldungsgrad ROIC KGV 2021 Rendite
Newmont USA 48 25,6 25,7 0,2 5,9 14,1 2,7
Barrick Gold Kanada 39 39,6 38,4 0,1 8,3 15,8 1,1
Franco-Nevada Kanada 23 32,7 28,2 - 3,3 40,2 0,8
Agnico Eagle Mines Kanada 16 25,8 29,7 0,8 8,1 17,9 2
Fresnillo Mexiko 10 9,1 15,3 0,4 5,2 22,4 1
Kirkland Lake Gold Kanada 10 74,8 53,8 - 22,2 10 2
Kinross Gold Kanada 9 20,5 42,4 0,4 14,1 9,1 1,6
Pan American Silver Kanada 7 17,2 13,1 - 4 18,6 0,9
First Majestic Silver Kanada 4 0,5 2,5 - 0,6 41,6 -
Hecla Mining USA 3 24,5 6,9 1,7 1,4 23,2 0,2