Analyse

Wie Anleger erfolgreich ein Vermögen aufbauen können

Angesichts des herrschenden Anlagenotstands fragen sich viele Investoren, wie sie ein Vermögen aufbauen oder ihr Geld anlegen sollen. The Market beleuchtet die wichtigsten Schritte für eine erfolgreiche Investmentstrategie.

Gregor Mast
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«Ich erbe bald und frage mich, wie ich das Geld anlegen soll.» Oder: «Wie kann ich über die Zeit ein Vermögen aufbauen?» – Das sind derzeit die wohl meistgestellten Fragen an die Redaktion von The Market.

Grund genug, den wichtigsten Weichenstellungen für erfolgreiches Anlegen nachzugehen. Die folgenden Ausführungen richten sich sowohl an Anleger, die einen bestimmten Betrag in Aussicht haben, als auch an solche, die mit regelmässigen kleineren Beträgen Vermögen aufbauen wollen.

Behandelt werden die folgenden Themen:

  1. Die richtige Aktienquote
  2. Rebalancing – ein einfaches Erfolgsrezept
  3. Aktive oder passive Anlagen
  4. Warum nicht beides: der Core-Satellite-Ansatz
  5. Fremdwährungen absichern oder nicht
  6. Ausschüttend oder thesaurierend
  7. Ein konkreter Vorschlag: die Asset Allocation von The Market

1. Die richtige Aktienquote

Es ist der Klassiker im Beratungsgespräch, und viele Anleger mögen die Frage nach den Renditeerwartungen sowie der Risikofähigkeit und -bereitschaft vielleicht nicht mehr hören. Sie dient der Definition der Anlagestrategie, mit der das Gewicht der Anlageklassen – Aktien, Anleihen, Gold, alternative Anlagen wie Private Equity, Immobilien oder Rohstoffe – festgelegt wird. Gerade jetzt ist sie besonders wichtig, weil die jahrelange Hausse den Blick auf die eigene Risikobereitschaft trüben kann.

Aktien sind ein unverzichtbarer Bestandteil jedes Portfolios, weil nur sie eine Teilnahme am Wachstum der Wirtschaft ermöglichen. Historisch schneiden sie denn auch deutlich besser ab als Anleihen oder Gold.

Die bessere Rendite wird jedoch mit höheren Kursschwankungen «erkauft». Und genau da liegt derzeit ein Problem: Viele Anleger dürften inzwischen verlernt haben, mit einer richtigen Baisse umzugehen. Zwar kam es seit der Finanzkrise immer wieder zu grösseren Kursstürzen. Dank der präzedenzlosen Geld- und neu auch Fiskalpolitik wurden sie jeweils aber schnell ausgebügelt. Deshalb fällt es derzeit leicht, sich selbst eine hohe Aktienquote einzugestehen und dabei womöglich die eigene Risikobereitschaft zu überschätzen.

Eine richtige Baisse stellt nicht nur die Geduld der Anleger auf die Probe, sondern führt oft zu regelrechter Panik, weil die Kurse in der schlimmsten Phase scheinbar ins Bodenlose fallen. Nach dem Motto «Rette sich, wer kann» werfen Anleger ihre Positionen dann zum dümmsten Zeitpunkt auf den Markt und realisieren so happige Verluste. Ähnliches gilt mit umgekehrten Vorzeichen nach einer langen Hausse. Das schlechte Timing ist der Grund, weshalb Privatanleger in der Regel deutlich schlechter abschneiden als die Vergleichsindizes:

Es gilt also, ehrlich mit sich selbst zu sein. Wer weiss, dass seine Nerven nach grösseren Verlusten zu flattern beginnen, sollte das bei der Bestimmung der Aktienquote berücksichtigen. Wer das Platzen der Technologieblase oder die Finanzkrise mitgemacht hat, kann seine Risikobereitschaft am Verhalten während einer Baisse bemessen.

Gerade diese beiden Episoden zeigen aber auch, dass es sich lohnt, an der einmal definierten Anlagestrategie festzuhalten. So haben Aktien die Verluste über die Zeit stets wettgemacht. Am US-Aktienmarkt resultierten seit 1800 in drei Viertel aller möglichen Einstiegszeitpunkte spätestens nach rund acht Jahren ein Gewinn. Beim schlimmstmöglichen Kaufzeitpunkt vor Ausbruch der Grossen Depression von 1929 dauerte es zwanzig Jahre, bis die Verluste aufgeholt wurden:

Quelle: Taunus Trust

Weil diese Kursschwankungen nicht prognostizierbar sind, darf Geld, das für eine grössere Anschaffung gebraucht wird, nicht im Aktienmarkt angelegt werden.

Grundsätzlich gilt: je länger der Anlagehorizont und je stärker die Nerven, desto höher darf die Aktienquote sein.

2. Rebalancing – ein einfaches Erfolgsrezept

«Der beste Kaufzeitpunkt für Aktien ist, wenn die Zeitungen voll sind mit schlechten Nachrichten», pflegt der deutsche Fondsmanager Peter E. Huber zu sagen. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan, braucht es doch enorme Überwindung, gegen den Strom zu schwimmen. Abhilfe schaffen kann ein regelmässiges Rebalancing – ein einfaches Rezept, das Wunder wirkt.

Wie eine Auswertung des Vermögensverwalters Taunus Trust zeigt, hat ein Portfolio, das je zur Hälfte in deutsche Anleihen und Aktien investiert war und bei dem regelmässig – in diesem Fall jährlich – das ursprüngliche 50-50-Gewicht wiederhergestellt wurde, sowohl den Dax als auch Bundesanleihen geschlagen (vgl. Grafik, REX steht für einen Index auf Bunds). Dieser Prozess wird im Jargon als Rebalancing bezeichnet.

Quelle: Taunus Trust

Der Grund ist einleuchtend: Mit dem Rebalancing wird automatisch antizyklisch investiert. Die gut laufende Anlage wird also in die Stärke abgebaut und in die hinterherhinkende Anlage umgeschichtet. Damit wird Warren Buffetts Bonmot «sei gierig, wenn andere ängstlich sind, und ängstlich, wenn andere gierig sind» beispielhaft umgesetzt.

Konkret: Korrigieren Aktien um 20%, während Anleihen 10% gewinnen, verbleiben in einem Depot von 100'000 Fr. am Ende der Periode – das kann je nach Depotgrösse und Marktverwerfung monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich sein – 40'000 Fr. in Aktien und 55'000 Fr. in Anleihen. Um das 50-50-Gewicht wieder herzustellen, müssen für 7500 Fr. Anleihen verkauft und in Aktien umgeschichtet werden.

Ein ähnliches Prinzip spricht für den Fondssparplan, den viele Banken anbieten und bei dem regelmässig – meist monatlich – ein bestimmter, (auch kleiner) Betrag einbezahlt und in die zuvor festgelegte Auswahl an Fonds investiert wird. Auch hier kauft der Anleger mit dem fixen Betrag mehr Fondsanteile, wenn der Kurs sinkt, und weniger, wenn er steigt.

3. Aktive oder passive Anlagen

Passive Produkte wie börsenkotierte Fonds (ETF) bilden einen Vergleichsindex ab und sind deutlich günstiger als aktiv bewirtschaftete Produkte, bei denen der Fondsmanager versucht, durch Titel-, Sektor- und Länderschwerpunkte seinen Vergleichsindex zu schlagen. Doch genau das gelingt oft nicht.

Aus diesem Grund haben passive Anlagen einen gewaltigen Boom erfahren, der ein neues Problem geschaffen hat, weil die Bewertung und das Gewicht der in den Indizes stark vertretenen Aktien noch höher getrieben wurde. So machen die unter dem Kürzel FANGMAN (Facebook, Apple, Netflix, Google, Microsoft, Amazon, Nvidia) bekannten Titel derzeit fast 23% des US-Leitindex S&P 500 aus.

Eine solch hohe Konzentration kommt selten vor und war - zumindest bisher - nie nachhaltig. Das ergibt Chancen für aktive Manager, die deutlich vom Vergleichsindex abweichen, wie das bspw. viele Value-Manager tun. Auch illiquidere Segmente wie Mid und Small Caps sprechen für aktives Management, weil sie nur von wenigen Analysten oder gar nicht verfolgt werden und ein gut vernetzter Fondsmanager einen Informationsvorsprung haben kann.

4. Warum nicht beides: der Core-Satellite-Ansatz

Deshalb kann es sich gerade für Schweizer Anleger lohnen, die Quote für den Heimmarkt mit einem ETF auf den SMI als Kernanlage abzudecken und mit einem aktiv geführten Fonds für Small und Mid Caps zu ergänzen. Dieser Ansatz nennt sich Core Satellite. Er ermöglicht, das hohe Gewicht von Nestlé, Roche und Novartis im SMI zu brechen.

Das Vorgehen ist auch bei einer Investition in den weltweiten Aktienmarkt sinnvoll. Wer heute einen ETF auf den Weltindex MSCI World kauft, fährt automatisch ein hohes Gewicht in den zuvor erwähnten US-Technologiewerten. Sollte sich der Zinsanstieg fortsetzen, könnten viele dieser stattlich bewerteten Valoren vor weniger erspriesslichen Zeiten stehen. Es kann sich deshalb lohnen, den ETF auf den Weltaktienmarkt mit einem Produkt auf Schwellenländer oder Japan oder mit einem aktiv gemanagten Value-Fonds zu ergänzen.

Eine weitere Spielart des Core-Satellite-Ansatzes ist das Mischen von passiven Anlagen und Einzeltiteln. Ist ihr Anteil nicht zu hoch, können das durchaus spekulative Positionen sein, mit denen auf den raschen Kursgewinn gesetzt oder gehofft wird. Der Anteil darf aber nur so hoch sein, dass ein happiger Verlust problemlos weggesteckt werden kann.

Die Finger lassen sollten Anleger von den vielen aktiven Fonds, die benchmarknah investieren. Diese haben wegen der höheren Gebühren kaum eine Chance, den Vergleichsindex zu schlagen.

Worauf bei der Auswahl von ETF zu achten ist, hat The Market hier beschrieben.

5. Währung absichern oder nicht

Es ist eine Krux für Schweizer Anlegerinnen und Anleger, dass sie beim Gang über die Grenze in der Regel mit einer schwächer werdenden Währung konfrontiert werden. So notierte der Dollar zur Jahrtausendwende noch bei 1.83 Fr. – heute sind es 93 Rappen. Und der Euro handelte bei seiner Einführung im Januar 1999 bei 1.60 Fr. Heute kostet er 1.10 Fr.

Dennoch ist umstritten, ob sich das Absichern lohnt. Gerade internationale Unternehmen sorgen meist für ein natürliches Hedging, indem Erlös und Kosten möglichst in der gleichen Währung anfallen. Zudem ist der Schweizer Beitrag bei den Multis meist verschwindend klein – man denke etwa an Nestlé oder Roche. Zudem machen Währungsschwankungen bei Aktien einen geringeren Anteil am Gesamtrisiko aus als bei Anleihen, die naturgemäss weniger volatil sind.

Die These, dass sich absichern nicht lohnt, wird vom Vergleich zwischen einem in Dollar denominierten ETF auf den S&P 500 und der in Franken abgesicherten Tranche gestützt. Diese hat die Dollar-Tranche einzig über ein und zwei Jahre leicht geschlagen, wie die Grafik unten zeigt. Über alle anderen Zeiträume – drei und sechs Monate; drei, fünf und acht Jahre – schnitt sie schlechter ab. Allerdings hat sich der Dollar zum Franken in den letzten Jahren auch nicht markant abgewertet.

Von den vier in Franken abgesicherten ETF aus der iShares-Familie (auf den MSCI World, den S&P 500, den MSCI EMU und den MSCI Japan) fiel der Unterschied zwischen gesicherter und unbesicherter Tranche beim Produkt auf den MSCI Japan am grössten aus. Zwischen Ende 2012 und heute hat sich die in Franken abgesicherte Tranche um 120% verteuert, während der MSCI Japan – ebenfalls in Franken – 80% zugelegt hat.

Der Yen hat sich in dieser Zeit von 1.05 Fr. für 100 Yen auf 85 Rappen abgewertet, und die Zinsdifferenz am kurzen Ende war die ganze Zeit niedrig. Das ist deshalb wichtig, weil die Absicherungskosten der Zinsdifferenz entsprechen: Je grösser der Unterschied, desto teurer wird das Absichern der höher verzinsten Währung.

Für Yen und Franken war die Differenz nie gross, aber bereits ein Unterschied von 2 Prozentpunkten, wie er zwischen Franken und Dollar immer wieder aufgetreten ist, kumuliert sich über zehn Jahre auf 20%. Dazu kommen höhere Verwaltungskosten des ETF. Bei einer stattlichen Zinsdifferenz muss sich die Währung also deutlich abwerten, damit sich die Absicherung lohnt.

Ist die Zinsdifferenz vernachlässigbar – so wie derzeit in vielen Hauptwährungen – und die Sicht auf die ausländische Valuta eindeutig negativ, kann sich die abgesicherte Tranche lohnen, sofern denn eine erhältlich ist.

6. Ausschüttend oder thesaurierend

Von vielen Fonds existieren Tranchen, die die anfallenden Dividenden ausschütten oder gleich wieder reinvestieren, im Jargon thesaurieren genannt. Wer für seinen Lebensunterhalt nicht auf einen stetigen Cashflow aus dem Vermögen angewiesen ist, sollte thesaurierende Fonds vorziehen. Gerade über längere Zeit zeigen sich ihre Vorteile deutlich. So trat zum Beispiel ein ETF auf den Euro Stoxx 50 über die letzten zehn Jahre an Ort, während er sich mit Wiederanlage der Dividenden verdoppelte.

Für Anleger, die ein Vermögen aufbauen wollen, sind thesaurierende Fonds also Pflicht. Wer hingegen auf regelmässige Erträge angewiesen ist, weil zum Beispiel das Kapital aus der Pensionskasse bezogen wurde, wählt die ausschüttende Tranche oder mischt dividendenstarke Einzeltitel bei, wie sie im The Market Dividend Portfolio vertreten sind.

7. Ein konkreter Vorschlag: die Asset Allocation von The Market

The Market führt seit September 2019 ein aktives Asset-Allocation-Portfolio. Es richtet sich am in der Schweiz besonders beliebten gemischten Mandat aus. Bei dieser auch als «balanced» bezeichneten Variante besteht die Anlagestrategie je zur Hälfte aus Aktien und Anleihen.

Kollege Sandro Rosa weicht bewusst von dieser Grundstrategie ab. So hält er angesichts des Niedrigstzinsumfeldes keine Anleihen, sondern Cash und Gold. Die Bargeldquote gibt ihm trockenes Pulver, um bei einem grösseren Kurssturz die Aktienquote aufstocken zu können. Gold dient derweil als Absicherung gegen mögliche Krisen und die Folgen einer noch extremeren Geldpolitik. Diese Abweichungen werden als taktische Allokation bezeichnet und sollen helfen, besser abzuschneiden als das typische gemischte Mandat.

Das Portfolio wird mit ETF umgesetzt. Privatanleger können es deshalb einfach replizieren.

Doch lohnt sich der Einstieg nach der starken Avance der Aktienmärkte derzeit noch? «Wer noch nicht investiert ist, sollte Anfangspositionen aufbauen und dann schrittweise möglichst in Schwächephasen zukaufen», schreibt Peter Huber in seinem aktuellen Gastbeitrag auf The Market. Am besten setzen sich Anleger auch für diesen Fall schon vorgängig klare Regeln, die dann in der Korrektur auch befolgt werden müssen.