Analyse

Wie man mit ETF in Rohstoffe investiert

Die Preise für Erdöl, Nickel und Weizen schiessen in die Höhe – das weckt das Interesse der Anleger. The Market wirft deshalb einen Blick auf Rohstoff-ETF.

Sandro Rosa
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Der Rohölpreis der Sorte Brent handelt über 120 $ pro Fass, die Notierungen für Weizen erreichten zeitweise 14 $ pro Scheffel und auch Gold scheiterte nur knapp an seinem alten Rekordhoch von 2063.50 $ pro Feinunze.

Kein Wunder, sind sie plötzlich wieder heiss gefragt: Investments in Rohstoffe. Doch wie können Anleger überhaupt in Commodities investieren? Lohnt sich das überhaupt? Und was gilt es zu beachten?

Ein Crashkurs über den Rohstoffmarkt

Neben Aktien, Anleihen und Immobilien gehören Rohstoffe zu den wichtigsten Anlageklassen. Sie lassen sich in die folgenden Hauptkategorien aufgliedern:

  • Agrarrohstoffe (Kaffee, Sojabohnen, Tabak, Weizen, etc.)
  • Edelmetalle (Gold, Palladium, Platin, Silber)
  • Energie (Erdgas, Erdöl, Kohle, etc.)
  • Industriemetalle (Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink, etc.)

Wer in Rohstoffe investiert, muss wissen, dass es zwei Märkte gibt: den Spot- und den Futuresmarkt (auf Deutsch Kassa- und Terminmarkt). Am Spotmarkt werden die Kaffeebohnen, das Rohöl oder das Kupfer direkt ausgetauscht – zumeist zwischen den Produzenten und den Unternehmen, die die Rohstoffe weiter verarbeiten. Finanzinvestoren und Privatanleger sind in der Regel nicht an der physischen Lieferung interessiert.

Wer möchte schon 500 Rinderhälften oder 7 Tonnen Weizen in Empfang nehmen, einzig um an ihrer Preisentwicklung teilzuhaben? Zumal Transport, Lagerung und Versicherung die Rendite auffressen würden. Finanzinvestoren bewegen sich deshalb primär am Futuresmarkt, wo natürlich auch Produzenten und Abnehmer aktiv sind.

Was sind Futures?

Aber was sind Futures (Warenterminkontrakte) überhaupt? Das sind standardisierte Finanzkontrakte, die die Parteien dazu verpflichten, eine Ware zu einem im Voraus festgelegten Datum und Preis und an einem bestimmten Ort in der Zukunft zu handeln. Der Käufer muss die dem Kontrakt zugrunde liegende Ware zum vereinbarten Preis kaufen und der Verkäufer muss sie verkaufen, unabhängig vom dann geltenden Marktpreis. Der Abschluss eines Geschäfts und die Lieferung sowie die Bezahlung fallen zeitlich auseinander.

Die Warenterminbörse, an der gehandelt wird, legt die Regeln fest und sorgt für einen reibungslosen Ablauf (wobei die London Metal Exchange gerade Negativschlagzeilen schreibt, weil sie Trades in Nickel-Futures storniert hat).

Ein konkretes Beispiel: Angenommen, ein Bauer möchte den Preis für seine Ernte absichern. Dann kann er heute Weizenfutures für den Monat September zu 10.53 $ pro Scheffel verkaufen. Der Bauer kann sich dadurch dagegen absichern, dass die Preise wegen einer Rekordernte in den Keller rasseln. Der Käufer kann sich im Gegenzug gegen einen Preisschub schützen und sicherstellen, dass er genügend Rohmaterialien erhält. Notiert der Weizenpreis im Herbst bei 9 $, hat der Bauer ein gutes Geschäft gemacht, klettern die Preise auf 11.90 $, behält der Abnehmer das bessere Ende für sich. Beide Parteien gewinnen aber Planungssicherheit.

Die Mechanik eines auf Rohstoff-Futures basierenden ETF ist vergleichbar. In diesem Fall ist der Privatanleger, der einen solchen ETF kauft, der Rohstoffabnehmer, der einen steigenden Preis erwartet.

Die meisten ETF setzen auf Futures

Da es zwei Rohstoffmärkte gibt, lassen sich grundsätzlich auch zwei Arten von Rohstoff-ETF unterscheiden: Physische und solche, die auf Futures basieren. Physische ETF lagern den Rohstoff an einem geeigneten und sicheren Ort, und jeder Anteil repräsentiert einen bestimmten Prozentsatz der Ware. Physische Rohstoff-ETF gibt es derzeit nur für Edelmetalle – Gold, Silber, Platin und Palladium – einzeln oder als Kombination.

Die Mehrheit der Rohstoff-ETF hält die von ihnen abgebildeten Commodities jedoch nicht in einem Warenlager, sondern geht Positionen am Terminmarkt ein, um so die Preisentwicklung der Commodities abzubilden.

Dazu investiert ein ETF zumeist in relativ kurzfristige Kontrakte – um möglichst nahe beim Spot-Preis zu bleiben (es gibt allerdings auch Ansätze, wo das Exposure über Futures verschiedener Laufzeiten optimiert wird). Um eine physische Lieferung der Ware zu vermeiden, verkauft der ETF die Futures jeweils kurz vor Fälligkeit wieder und schichtet dann in den nächsten Kontrakt um – er «rollt» in einen neuen Future. Dieser kann teurer oder günstiger sein als die verkauften Kontrakte. Das hängt vom Verlauf der Futureskurve ab, also davon, wie sich der Preis für künftige Lieferungen über die Zeit verändert.

Enttäuschende Rendite

Diese Mechanik beeinflusst die Rendite, was zur Folge hat, dass die Preisentwicklung des physischen Rohstoffs und des entsprechenden ETF unterschiedlich verlaufen kann. Herrscht heute eine sehr grosse Nachfrage nach Weizen, sind kurzfristige Futures teurer als langfristige. Das Rollen ist vorteilhaft, weil die neuen Futures günstiger sind als die alten. Ein solche Situation einer fallenden Futures-Kurve wird im Jargon «Backwardation» genannt. Steigt die Futures-Kurve hingegen an («Contango»), schmälert das Rollen in teurere Kontrakte die Rendite.

Ebenfalls einen Renditebeitrag leistet der Geldmarkt. Denn wer einen Future kauft, muss einen Teil des Kaufpreises als Sicherheit (Margin) hinterlegen. Sie wird verzinst und erhöht somit den Ertrag. Im aktuellen Umfeld ist diese Ertragskomponente jedoch gering. Insgesamt lässt sich die Rendite bei einer Investition mit Futures wie folgt aufteilen:

  • Gesamtrendite = Preisveränderungen am Spotmarkt + Roll Return + Zinseinnahmen am Geldmarkt

Man sieht also: Da die Rohstoff-ETF nicht am Spot- sondern am Futuresmarkt agieren, ergibt sich mitunter eine abweichende Rendite zwischen dem Anlageprodukt und dem zugrundeliegenden Rohstoff. In der Vergangenheit fiel insbesondere der «Roll Return» oft negativ aus. Auch das Zinsniveau hat einen Einfluss auf die Rendite. Es kann also durchaus vorkommen, dass der Preis eines Rohstoffes steigt, der entsprechende ETF dennoch an Wert einbüsst – und umgekehrt.

Was Anleger erstaunen mag, ist die Beobachtung, dass Investitionen in Rohstoffe – trotz wiederkehrender Sorgen um Knappheiten – langfristig eine Enttäuschung waren. Das zeigt der deutsche Vermögensverwalter Gerd Kommer auf: «Der dem Produktionswert nach bedeutendste Rohstoff Erdöl wies in den Jahren von 1900 bis 2019 eine reale Rendite von 1,24% p.a. in Dollar auf vor Kosten», schreibt er seinem Blog.

Im Zeitraum von 1970 bis 2020 hat der Standard and Poor’s Goldman Sachs Commodity Index Total Return bloss eine mittlere reale Rendite von 2% erzielt – bei einer Volatilität von 20%. Zum Vergleich: Der Weltaktienindex von MSCI hat eine durchschnittliche Rendite nach Abzug der Inflation von deutlich höheren 5,6% bei einer Volatilität von 15% abgeworfen. Allerdings gab es immer wieder Phasen, in denen Rohstoffe stark abschnitten.

Nicht auf einzelne Rohstoffe setzen

Angesichts der enormen Preisschwankungen ist es für Privatanleger in der Regel nicht ratsam, auf einzelne Rohstoffe – mit Ausnahme vielleicht von Edelmetallen – zu setzen. An der SIX Swiss Exchange gibt es auch nur ein solches Produkt, und zwar auf Rohöl. Etwas weniger riskant sind ETF auf breite Rohstoffindizes, die eine Auswahl an Commodities umfassen. Zu den wichtigsten Barometern zählen:

  • Bloomberg Commodity Index
  • Deutsche Bank Liquid Commodity Index
  • Rogers International Commodity Index
  • Reuters Jefferies CRB Index
  • S&P Goldmann Sachs Commodities Index (S&P GSCI)

Diese Indizes unterscheiden sich in der Anzahl der enthaltenen Rohstoffe, ihrer Gewichtung, der Methode, wie die Futures gerollt werden und dem Rebalancing. Anders als z.B. bei Aktien gibt es keine anerkannte Vorgehensweise, wie die verschiedenen Commodities in einem repräsentativen Index gewichtet werden sollen.

Aus diesem Grund divergieren die erwähnten Indizes zum Teil beträchtlich. Ein Blick auf ihre Entwicklung verdeutlicht zudem die grossen Schwankungen. Zwei der fünf Barometer – der Bloomberg Commodity Index und der S&P GSCI – notieren im Vergleich zum 1. Januar 2010 immer noch im Minus.

Rohstoff-Investments erfordern also starke Nerven und sollten in einem ausgewogenen Portfolio in der Regel höchstens ein Gewicht von 5 bis 10% haben.

Wie in Rohstoffe investieren?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, in Rohstoffe zu investieren: direkt über die erwähnten Rohstoff-ETF oder indirekt über Unternehmen, die Rohstoffe fördern oder handeln.

Anders als die meisten Rohstoff-ETF investieren Edelmetall-Fonds direkt in Gold, Silber, etc. und lagern die Rohstoffe. An der SIX gibt es für Gold diverse Produkte in verschiedenen Währungen (aufgeführt wurden diejenigen in Dollar):

An der SIX kotierte Gold-ETF:

  • iShares Gold ETF (CH) (Ticker: CSGOLD SE, ISIN: CH0104136236, TER: 0,19%)
  • Raiffeisen ETF - Solid Gold A-Klasse USD (Ticker: RGLDS SE, ISIN: CH0134034930, TER: 0,4%)
  • UBS ETF (CH) - Gold (USD) A-dis (Ticker: AUUSIC SE, ISIN: CH0106027193, TER: 0,23%)
  • ZKB Gold ETF (Ticker: ZGLD SE, ISIN: CH0139101593, TER: 0,48%)

Für Silber sind ebenfalls diverse ETF verfügbar:

An der SIX kotierte Silber-ETF:

  • UBS ETF (CH) - Silver (USD) A-dis (Ticker: SVUSA SE, ISIN: CH0118929048, TER: 0,45%)
  • ZKB Silver ETF - A (USD) (Ticker: ZSILUS SE, ISIN: CH0183136008, TER: 0,6%)
  • Swisscanto ETF Precious Metal Physical Silver (USD) A (Ticker: JBSIUA SE, ISIN: CH0106405845, TER: 0,6%)

UBS und ZKB (sowie die zur ZKB gehörende Swisscanto) bieten zudem ETF auf Platin und Palladium an.

ETF auf breite Rohstoff-Indizes

Die Mehrheit der an der SIX Swiss Exchange gehandelten Rohstoff-ETF decken den Bloomberg Commodity Index ab. Dieser bildet 23 Rohstoffe ab und besteht zu knapp 31,5% aus Energie, knapp 29,5% aus Nahrungsmitteln, zu 19% aus Edelmetallen, 15% aus Industriemetallen und zu 5% aus Nutztierprodukten.

Das Produkt mit dem grössten Handelsvolumen ist der

  • UBS Fund Solutions Bloomberg Commodity Index SF UCITS (CHF hedged) (Ticker: DCCHAS SW, ISIN: IE00B598DX38, TER: 0,19%).

Auf den Rogers International Commodity Index gibt es bloss ein an der SIX kotiertes Produkt. Der Index umfasst 38 Rohstoffe und besteht zu rund 40,5% aus Energie, knapp 24,5% aus Metallen (fast 9% sind Edelmetalle), zu 19,5% aus Weizen, zu 9,5% aus «exotischen Rohstoffen», 3% aus Nutztierprodukten und 3% Übrigem.

  • Market Access Rogers International Commodity Index UCITS ETF (Ticker: MRIC SE, ISIN: LU0249326488, TER: 0,6%)

Ein weiterer Misch-Index, der oft für ETF verwendet wird, ist der Thomson Reuters/CoreCommodity CRB Index. An der SIX ist ebenfalls bloss ein Fonds (von Lyxor) auf diesen Index erhältlich. Er umfasst 19 Rohstoffe und besteht zu rund 41,5% aus Energie, knapp 33% aus Agrarrohstoffen, zu 12,3% aus Industriemetallen, zu 7% Nutzvieh und zu 6,5% aus Edelmetallen.

  • Lyxor Commodities Refinitiv/CoreCommodity CRB TR UCITS ETF (Ticker: CRB SE, ISIN: LU1829218749, TER: 0.35%)

Darüber hinaus sind an der SIX eine ganze Reihe weiterer Rohstoff-ETF kotiert, die spezifische Kategorien ausschliessen (z.B. ex-Agriculture, ex-Energy) und so den restlichen Kategorien ein höheres Gewicht geben. Sie finden die Auswahl hier unter der Anlageklasse «Commodities».

Für Anleger, die einen reinen ETF auf Agrargüter suchen, bietet sich der folgende, in New York gehandelte, Fonds an:

  • Invesco DB Agriculture Fund (Ticker: DBA, ISIN: US46140H1068, TER: 0,93%)

Leider ist an der SIX kein ETF auf Agrarrohstoffe kotiert. Ein Produkt mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Agrarrohstofen ist der Lyxor Commodities Refinitiv/CoreCommodity CRB Ex-Energy. Dieser Index schliesst Energie aus und erreicht somit einen Anteil von 56% in Agrarrohstoffen, 21% in Industriemetallen, 12% in Nutzvieh und 11% in Edelmetallen.

  • Lyxor Commodities Refinitiv/CoreCommodity CRB EX-Energy TR UCITS ETF - Acc (Ticker: LYCRN SE, ISIN: LU1829218582, TER: 0,35%)

Indirekte Investments über Rohstoffaktien

Als Alternative zu direkten Investments bieten sich Investitionen in Rohstoffunternehmen wie Energie- und Bergbaukonzerne an. ETF auf Aktien solcher Unternehmen bergen indes die üblichen Aktienrisiken und nicht selten auch politische Risiken und können mitunter noch stärker schwanken als die Rohstoffpreise.

Bezüglich ETF auf Aktien von Rohstoffkonzernen ist die Auswahl an der SIX leider etwas dürftig. Es gibt mehrere ETF auf den MSCI World Materials Sektor. Dieser Index enthält nebst den Minenkonzernen (BHP, Rio Tinto, Anglo American) aber auch Chemieunternehmen wie BASF, Linde oder Air Liquide und Zementhersteller wie Holcim. Ein Beispiel dafür wäre der:

  • Lyxor MSCI World Materials TR UCITS ETF (Ticker: MATG LN, ISIN: LU0533034046, TER: 0,3%).

Wer im Grundstoff-Sektor hauptsächlich das Segment «Metals & Mining» (also ohne Chemie) abdecken möchten, dem bietet sich der

  • VanEck Vectors Global Mining UCITS ETF (Ticker: GDIG SE, ISIN: IE00BDFBTQ78, TER: 0,5%) an.

Die grössten Positionen sind Vale, Rio Tinto, BHP, Freeport-McMoRan und Glencore. Dieser ETF ist auch an der SIX kotiert.

Eine Alternative ist der in New York gehandelte

  • iShares MSCI Global Metals & Mining Producers ETF (Ticker: PICK US, ISIN: US46434G8481, TER: 0,39%).

Die grössten Positionen darin sind BHP, Rio Tinto, Vale, Anglo American, Freeport-McMoRan, Glencore und Fortescue Metals.

Für Agrarrohstoffe bietet sich beispielsweise der ebenfalls an der New Yorker Börse gelistete

  • iShares MSCI Global Agriculture Producers ETF (Ticker: VEGI US, ISIN: US4642863504, TER: 0,39%) an.

Die grössten Positionen sind Deere (19,7%), Nutrien (9,2%), Archer Daniels Midland (7,7%), Corteva (6,7%) und Mosaic (3,7%).

Wer schliesslich in Energiekonzerne investieren möchte, hat an der SIX unter anderem folgende Auswahl:

  • iShares MSCI World Energy Sector ETF (Ticker: WENS SW, ISIN: IE00BJ5JP105, TER: 0,25%)
  • Lyxor STOXX Europe 600 Oil & Gas UCITS ETF (Ticker: OILG SW, ISIN: LU2082998167, TER: 0,3%)
  • iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF USD (Ticker: IUES SW, ISIN: IE00B42NKQ00, TER: 0,15%).

Quelle: @NomeDelRosa

Grafik des Monats: Die grössten ETF der Welt

Big is Beautiful – zumindest scheint das für ETF zu gelten. In einem Markt, in dem sich Anbieter primär über den Preis hervorheben können, ist Grösse ein entscheidender Vorteil. Den meisten Anlegern ist es nämlich herzlich egal, ob ein ETF, der einen Index wie den S&P 500 oder den Swiss Market Index abbildet, von BlackRock, UBS oder Vanguard angeboten wird.

Einer der wichtigsten Faktoren ist der Preis, etwa gemessen an einer niedrigen Total Expense Ratio (TER). Und je grösser ein Fonds, desto besser kann er die anfallenden Kosten für Vertrieb, Lizenzgebühren, Marketing, etc. verteilen, sprich, desto günstiger kann er seine ETF anbieten. Kein Wunder also, werden die ETF zusehends grösser.

Und ebenfalls kein Wunder, sind unter den weltgrössten ETF ausschliesslich Standardfonds zu finden, die einen bekannten Index nachbilden – und deshalb wenig Raum für Differenzierung lassen. Gemäss einer Zusammenstellung des US-Informationsanbieters ETF Database bilden drei der vier grössten ETF den amerikanischen Leitindex S&P 500 ab. Auf Platz fünf folgt ein Fonds von Invesco auf den Nasdaq 100. Der grösste Anleihen-ETF schafft es auf Platz neun.

Der weltgrösste ETF verwaltet mittlerweile ein Vermögen von rund 400 Mrd. $ – zum Vergleich: Nestlé, das schwerste Schweizer Unternehmen, kommt auf eine Marktkapitalisierung von gegen 365 Mrd. $. Das verwaltete Vermögen eines ETF wird berechnet, indem die im Umlauf befindlichen Anteile mit dem Marktpreis pro Anteil multipliziert werden. Der zweitplatzierte ETF erreicht immer noch ein Vermögen von mehr als 300 Mrd. $, gefolgt von zwei Fonds, die ein Gewicht von je rund 280 Mrd. $ auf die Waage bringen.


Quelle: @NomeDelRosa

Auf dem Radar: ETF for Dummies

Für Börsenneulinge (und nicht selten auch für erfahrenere Marktteilnehmer) kann es eine Herausforderung sein, sich im ETF-Dschungel zurecht zu finden. Aus einem Nischensegment ist über die Jahre eine Industrie geworden. ETF gibt es mittlerweile zu Tausenden, und sie decken jedes erdenkliche Segment ab. Ob peruanische Aktien, hochverzinsliche Bonds, Silber, chinesische Staatsanleihen oder Aktien von Unternehmen, die auf Diversity in der Belegschaft setzen: Für (nahezu) alles gibt es einen passenden ETF.

Doch wie sinnvoll sind diese Produkte? Worauf sollte bei der Auswahl geachtet werden? Und was sind ETF überhaupt? Antworten auf diese Fragen und eine gute Einführung ins Thema liefert das Buch «Exchange-Traded Funds for Dummies» von Russell Wild, das soeben in der dritten Auflage erschienen ist. Eine deutsche Übersetzung unter dem Titel «Investieren in ETFs für Dummies» ist für den Januar 2023 vorgesehen.

Unterhaltsam, aber dennoch umfassend

Russell Wild schreibt witzig, prägnant und unterhaltsam und flicht amüsante Anekdoten in seinen Text ein. Die lockere Präsentation des Themas soll indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei diesem Buch um eine seriöse Betrachtung von Exchange Traded Funds handelt, die alle relevanten Facetten beleuchtet.

Es werden die grossen Anbieter wie Vanguard, State Street und BlackRock (iShares) vorgestellt, man erfährt, wann die ersten Produkte lanciert wurden und wie sich der Markt in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Wild gibt auch eine (kurz gehaltene) Einführung in die Grundlagen der Finanzwirtschaft und erklärt Begriffe wie Korrelation, Standardabweichung und sogar die weniger bekannte Sortino Ratio. Natürlich kratzt er hier an der Oberfläche, unerfahrene Anleger dürften dieses Kapitel dennoch schätzen.

Beginnend mit Aktien stellt Wild alle wichtigen Vermögensklassen wie Anleihen, Rohstoffe, Immobilien, etc. vor und erklärt, was bei entsprechenden ETF beachtet werden sollte. Für die meisten Leser dürfte das Kapitel 21 von besonderem Interesse sein. Darin macht der Autor Vorschläge, wie mit ETF ein vernünftiges und ausgewogenes Portfolio zusammengestellt werden kann (Sie mögen uns die Eigenwerbung verzeihen, aber auch The Market führt seit 2019 erfolgreich ein solches Portfolio, das neu bequem als Zertifikat gekauft werden kann).

Schliesslich wirft er auch einen Blick auf den neuen Trend aktiver ETF, der nicht mehr allzu viel mit der ursprünglichen Idee des passiven Anlegens zu tun hat. Vielmehr ist der Kostendruck bei klassischen Fonds so gross geworden, dass die Anbieter vermehrt in profitablere, spezialisierte Gebiete vordringen. Das ist jedoch selten im Sinne der Anleger.

Finger weg von «heissen» ETF

Wild ist zwar ein erklärter Fan von ETF, aber er ist kein Marktschreier. Seine Tipps sind vernünftig. Er warnt vor neumodischen Produkten, die typischerweise immer dann auf den Markt kommen, wenn das Thema «heiss» ist – und die Preise hoch (The Market hat vor einem Monat eine Studie zu diesem Thema vorgestellt). Er empfiehlt eine ausreichende Diversifikation, rät von komplizierten und teuren ETF ab und betont immer wieder, wie wichtig es ist, die Kosten niedrig zu halten. Und nein, wer über Nacht reich werden will, kommt bei diesem Buch nicht auf seine Kosten.

Ein Wermutstropfen aus Schweizer Sicht ist die US-zentrische Optik des Autors. Ausländische Märkte werden oft einfach als «Rest der Welt» zusammengefasst und eher stiefmütterlich behandelt. Auch mögliche Steuerfolgen für amerikanische Anleger beim Investieren in Gold-ETF sind für hiesige Leser nur mässig spannend. Insgesamt ist die Lektüre dennoch empfehlenswert.

«Exchange-Traded Funds for Dummies», Russell Wild | John Wiley & Sons | 3. Auflage, Januar 2022 |‎ 448 Seiten | ISBN-13: 978-1119828839


Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Interesse!

Mit den besten Grüssen,

Sandro Rosa


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