Analyse

Wie man mit ETF in Schweizer Aktien investiert

Anlegen mit Exchange Traded Funds ist zwar einfach, aber nicht simpel. Schweizer Anleger stehen vor der Qual der Wahl: SMI, SPI, SLI und SMIM sind nur einige der Indizes, auf die es ETF gibt. Welches sind ihre Vor- und Nachteile?

Sandro Rosa
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Noch nie war es für Anleger einfacher, ein diversifiziertes Aktiendepot zusammenzustellen. Man eröffnet ein Wertschriftenkonto bei einer Bank oder einem Online-Broker, und mit wenigen Klicks lässt sich mit Exchange Traded Funds (ETF) in ein ausgewogenes Portfolio investieren. Mit dem Kauf eines ETF auf den Swiss Performance Index (SPI) hat man auf einen Schlag mehr als 200 Aktien im Depot.

ETF sind passiv verwaltete Indexfonds, die an der Börse gehandelt werden. Sie bilden ein Börsenbarometer wie zum Beispiel den SPI, den Swiss Market Index oder den amerikanischen S&P 500 ab und haben keine Laufzeitbeschränkung.

Während der Kauf eines ETF also ein Kinderspiel ist, ist die Auswahl des «richtigen» Aktienindex weniger trivial. Das ist bereits für den einigermassen überschaubaren Schweizer Markt eine Herausforderung: Soll es ein ETF auf den Swiss Market Index (SMI) der zwanzig grössten Schweizer Unternehmen sein? Oder doch besser auf den breiten Swiss Performance Index (SPI)? Des Weiteren stellen sich Fragen zur Behandlung der Dividenden und zu den Kosten.

Kurzum: Vom zugrundeliegenden Index hängt vieles ab. The Market bietet deshalb Hilfe bei der Auswahl.

Swiss Market Index

Der gängigste Schweizer Index ist der Swiss Market Index, der am 30. Juni 1988 ins Leben gerufen wurde. Er bildet die zwanzig grössten und liquidesten Schweizer Titel ab und ist die Basis für viele Finanzprodukte, etwa Fonds oder Derivate. Obwohl der SMI nur zwanzig Titel umfasst, deckt er rund 80% der Gesamtkapitalisierung und des Handelsvolumens des Schweizer Aktienmarkts ab. Bis 2007 galt für den Index ein Maximum von dreissig Werten, das jedoch nie erreicht wurde.

Wer einen ETF auf den SMI erwirbt, muss sich bewusst sein, dass er in eine konzentrierte Auswahl investiert. Die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis machen mehr als die Hälfte des Indexgewichtes aus. Lediglich drei Sektoren – Gesundheit (42%), Basiskonsum (18%) und Finanz (16,5%) – sind für mehr als 75% der Kapitalisierung verantwortlich.

Technologie-, Versorger-, Energie- oder Immobiliengesellschaften sucht man im SMI vergebens. Das hohe Gewicht der Sektoren Gesundheit und Basiskonsum machen das Börsenbarometer überaus defensiv, sprich, im Konjunkturaufschwung bleibt es in der Tendenz hinter anderen Indizes zurück, dafür hält es sich im Abschwung oft besser.

Obschon der SMI der Schweizer Leitindex ist, bieten bloss zwei Anbieter – BlackRock und UBS – ETF auf diesen Index an. Steuerliche Gründe sorgen dafür, dass es nur für Anbieter mit hiesigem Fondsdomizil sinnvoll ist, solche Produkte anzubieten.

Die beiden ETF unterscheiden sich nicht gross. Beide decken dieselben zwanzig Titel ab, replizieren den Index physisch (d.h. sie kaufen jeden Valor im Index), und auch die Fondsgrösse ist mit je rund 2 Mrd. Fr. beträchtlich und nahezu identisch. Allerdings ist das Produkt von UBS mit einer Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) von 0,2% klar günstiger. Auch punkto Performance schneidet es besser ab: Seit Januar 2016 hat der UBS-ETF fast 44% zugelegt, der iShares-ETF von BlackRock nicht ganz 41% (der SMI ist in dieser Zeit 41,1% gestiegen). Im Direktvergleich schneidet das UBS-Produkt also vorteilhafter ab.

Leider gibt es auf den SMI keinen thesaurierenden ETF, der die anfallenden Dividenden sogleich wieder in die jeweiligen Aktien investiert. Das muss die Anlegerin oder der Anleger selbst übernehmen.

Swiss Performance Index

Wem die zwanzig Titel des SMI als zu wenig erscheinen, wirft einen Blick auf den breiten Swiss Performance Index, der mit 218 Titeln nahezu alle an der SIX Swiss Exchange gehandelten Aktien umfasst.

So viele Aktien müssten doch eigentlich eine gute Diversifikation ermöglichen. Leider ist es nicht ganz so einfach, das Problem der hohen Konzentration ist lediglich gemindert. Denn obwohl der SPI mehr als zweihundert Titel enthält, wird auch er von den drei Kolossen dominiert. Nestlé, Roche und Novartis stellen rund 45% der gesamten Marktkapitalisierung im Index. Die übrigen 215 Unternehmen sind für die verbleibenden 55% verantwortlich.

Auch bei den Sektoren herrscht ein Klumpenrisiko. Zwei Branchen – Gesundheit und Basiskonsum – erreichen 55% der gesamten Kapitalisierung. Energiewerte sind im SPI keine vertreten, Technologie macht weniger als 3% aus. Das Barometer ist in der Summe zwar etwas ausgewogener als der SMI, aber der Unterschied ist nicht besonders gross.

Insgesamt gibt es drei an der SIX Swiss Exchange gehandelte ETF auf den SPI. Zu BlackRock (iShares) und UBS gesellt sich der Anbieter Société Générale (Lyxor) mit einem ETF, dessen Produkt den SPI synthetisch nachbildet (vgl. Tabelle weiter unten).

Bei der synthetischen Replikation wird im Gegensatz zur physischen Replikation die Indexperformance mit Finanzderivaten (Swaps) abgebildet, was weniger transparent ist und zusätzliche (Bonitäts-)Risiken birgt, falls eine der Parteien des Swap-Geschäfts in Konkurs geht.

Beim physischen Ansatz werden alle Aktien in einem Index entsprechend ihrer Gewichtung gekauft. Der Vorteil: Voll replizierte ETF unterstehen dem Bundesgesetz über kollektive Kapitalanlagen, womit das ETF-Vermögen bei Insolvenz des ETF-Emittenten geschützt ist. Anleger gehen somit kein Gegenparteirisiko ein. Beim optimierten Ansatz werden aus Kosten- und Liquiditätsüberlegungen die ganz kleinen Titel im Index manchmal weggelassen.

Der Lyxor-ETF auf den SPI ist mit einer TER von 0,4% vergleichsweise teuer und mit einem Fondsvolumen von 20 Mio. Fr. klein. Trotz der eher hohen Kosten schneidet der ETF seit Januar 2016 aber besser ab (+50,9%) als der iShares-ETF (+45,5%). Der SPI hat (exklusive Dividenden) eine Avance von 46,4% erzielt.

Obenaus schwingt allerdings der UBS-ETF mit einer Kursveränderung von 51,4% und ebenfalls relativ geringen laufenden Kosten von 0,15%. Das Fondsvermögen von fast 900 Mio. Fr. ist zwar geringer als beim iShares ETF, kann sich aber sehen lassen und stellt sicher, dass der ETF vom Anbieter nicht geschlossen wird.

Was überrascht, ist die Tatsache, dass keines der drei Produkte auf den SPI die Dividenden thesauriert. Und das, obwohl der SPI ja ein Performance-Index ist, also die Ausschüttungen automatisch reinvestiert. Auch hier gilt also, dass die Käufer die Dividenden selbst wieder investieren müssen. (Thesaurierende ETF werden weiter unten vorgestellt.)

Swiss Leader Index

Da weder der SMI noch der SPI besonders ausgewogen sind, lohnt es sich, einen Blick auf das dritte wichtige Barometer, den Swiss Leader Index (SLI), zu werfen. Dieser wurde im Juli 2007 kreiert (und bis 1999 zurückgerechnet), um das Problem der hohen Konzentration im SMI zu entschärfen. Im SLI sind alle zwanzig SMI-Titel sowie die zehn grössten Schweizer Mid-Caps enthalten. Die vier grössten Titel im Index werden mit jeweils maximal 9% gewichtet («gekappt»), das Indexgewicht aller weiteren Titel wird, wenn notwendig, bei je 4,5% limitiert.

Vergleicht man nun die Klumpenrisiken der wichtigsten Indizes, zeigt sich, dass der SLI ziemlich gut abschneidet. Aktuell kommen Nestlé, Roche und Novartis auf einen Anteil von unter 27% (blaue Balken in der Grafik), die zehn grössten Positionen erreichen 60% (gelbe Balken). Bei allen anderen Indizes liegen die entsprechenden Werte darüber.

Auch auf den SLI gibt es drei an der SIX gehandelte ETF. Alle Produkte bilden den Index physisch nach und schütten die Dividenden aus. Die Verwaltungsgebühr ist beim iShares SLI ETF mit 0,35% am höchsten, bei der gleichzeitig schwächsten Rendite während der vergangenen fünf Jahre. Die ETF von DWS und UBS liegen punkto Performance nahezu gleichauf, wobei die TER bei UBS geringer und das Fondsvolumen um einiges grösser ausfällt. Auch beim SLI vermag das UBS-Produkt demnach zu überzeugen.

MSCI Switzerland und MSCI Switzerland 20/35

Wer sich über die regelmässigen – typischerweise jährlichen – Ausschüttungen freut und sie nicht zu investieren gedenkt, findet unter den bisher vorgestellten ETF sicherlich eine gute Lösung. Anleger, die jedoch langfristig Vermögen bilden möchten, sind mit einem thesaurierenden ETF besser bedient. Auf jeden Fall ist es bequem, wenn die Ausschüttungen jeweils automatisch wieder investiert werden.

Über mehrere Jahre betrachtet ergibt sich mit den reinvestierten Dividenden ein Zinseszinseffekt: Über fünf Jahre betrachtet erreichte ein thesaurierender ETF auf den MSCI Switzerland (blaue Kurve) eine Kursavance von gut 60%, während der ausschüttende ETF (gelb) knapp 50% erreichte:

Wer einen thesaurierenden ETF schätzt, für den eignen sich Produkte auf den MSCI Switzerland. Der Index umfasst vierzig Titel und bildet die Wertentwicklung des Large- und Mid-Cap-Segments des hiesigen Markts ab. Der MSCI Switzerland deckt ca. 85% der um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung in der Schweiz ab.

Die Indexkonzentration liegt zwischen derjenigen des SMI und des SPI. Nestlé, Roche und Novartis machen rund die Hälfte des Index aus, die Sektoren Gesundheit, Basiskonsum und Finanz stellen 75% der Kapitalisierung. Auch bei der Performance seit Januar 2016 liegt der MSCI Switzerland zwischen SMI und SPI.

UBS und Amundi bieten je einen ETF auf den MSCI Switzerland an, wobei der Amundi-ETF thesaurierend ist (wegen der reinvestierten Dividenden ist seine Performance optisch deutlich besser). Das Fondsvolumen ist mit knapp 270 Mio. Fr. nicht sonderlich gross, die Kosten übersteigen diejenigen des UBS-ETF. Gewissen Anlegern dürfte die synthetische Nachbildung ein Dorn im Auge sein.

Für diese Marktteilnehmer gibt es einen passenden ETF auf den MSCI Switzerland 20/35 Index. Das «20/35» besagt, dass das Gewicht des grössten Unternehmens im Index auf 35% und das Gewicht aller anderen Unternehmen auf maximal 20% begrenzt wird. In der Realität sind die beiden Barometer fast identisch: Während der vergangenen zehn Jahre betrug die mittlere annualisierte Rendite des «klassischen» MSCI Switzerland 10,35%, diejenige des MSCI Switzerland 20/35 erreichte 10,4%. Auch andere Risikokennzahlen wie die Volatilität und die Sharpe Ratio liegen sehr eng beieinander.

Der thesaurierende UBS-ETF auf den MSCI Switzerland 20/35 weist eine geringere TER als der synthetisch replizierte Amundi-ETF auf, und das Fondsvolumen ist rund viermal so gross. Die Performance seit Januar 2016 ist ebenfalls leicht besser. Wer also einen thesaurierenden ETF auf Schweizer Large Caps sucht, sollte den UBS-ETF auf den MSCI Switzerland 20/35 in Betracht ziehen.

Small und Mid Caps

Big ist zwar durchaus beautiful, aber kleine Unternehmen entwickeln sich in der langen Frist typischerweise besser als die grossen Konzerne. Kleine und mittelgrosse Unternehmen (Small und Mid Caps) sind im Schnitt allerdings auch riskanter. Als Ergänzung im Portfolio sind sie jedoch eine Überlegung wert. Leider gibt es aktuell (noch) keinen ETF auf Schweizer Small Caps, wie sie etwa im SPI Extra Index – er enthält die SPI-Titel ohne die zwanzig SMI-Titel – abgebildet werden.

Eine Möglichkeit, in kleinere Schweizer Unternehmen zu investieren, bietet der UBS-ETF auf den SPI Mid Index, der achtzig Valoren umfasst. Die grössten drei Positionen – Lindt & Sprüngli, Straumann und Schindler – machen zusammen bloss 18% des Index aus. Die wichtigsten Sektoren sind Industrie (34,5%), Finanz (20%) und Basiskonsum (14,5%). Seit 2016 hat das Barometer rund eine doppelt so hohe Rendite erzielt wie der SMI.

Schliesslich gibt es den SMIM, der die dreissig grössten Mid-Cap-Titel des Schweizer Aktienmarktes enthält, die nicht schon im SMI vertreten sind. Bei diesem Index dominieren ebenfalls die Industrieunternehmen (29,5%), gefolgt von Gesundheit (20,5%) und Finanz (18%). Die drei grössten Positionen sind Lindt & Sprüngli, Sonova und Straumann, die zusammen auf ein Gewicht von ungefähr 24,5% kommen.

BlackRock und UBS bieten wiederum je ein Produkt an. Beide ETF weisen ein ähnliches Volumen auf, replizieren den Index vollständig und schütten die Dividenden aus. Der UBS-ETF hat bei der TER jedoch die Nase vorn und hat in den vergangenen bald sechs Jahren eine klar bessere Performance erzielt.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst

  • Es gibt zwar einige ETF auf Schweizer Aktienindizes, aber viele weisen Klumpenrisiken aus, da die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis dominieren.
  • Gewisse Branchen, wie etwa Energie oder Technologie, sind bei den Large-Caps-Indizes kaum oder überhaupt nicht vertreten.
  • Unter den Large-Caps-Barometern ist der Swiss Leader Index (SLI) der ausgewogenste Index.
  • Weder für den SMI, den SLI oder den SPI (obschon es sich dabei um einen Performance-Index handelt) ist ein thesaurierendes Produkt erhältlich, d.h. die Dividenden werden ausgeschüttet.
  • Wer die Dividenden reinvestiert haben möchte, kann ETF auf den MSCI Switzerland, respektive den MSCI Switzerland 20/35 in Betracht ziehen.
  • Wer über ETF in Schweizer Small Caps investieren möchte, wird enttäuscht. Auf den SPI Extra – er umfasst alle Titel im SPI ausser den zwanzig grössten – gibt es kein entsprechendes Produkt.
  • Für viele Anleger dürfte eine Mischung aus verschiedenen ETF optimal sein: Etwa die Kombination aus einem ETF auf den SMI/SLI/MSCI Switzerland und den SPI Mid/SMIM. Dadurch lässt sich eine bessere Diversifikation und ein besseres Renditeprofil erreichen.