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Seilziehen um MCH Group und Art Basel

James Murdoch soll sich zu günstigen Konditionen in die Messebetreiberin einkaufen können. Ein möglicherweise besseres Angebot eines Investors aus Hongkong wurde derweil brüsk abgewiesen. Schweizer Grossaktionär kündigt Opposition an.

Mark Dittli
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Die angeschlagene Messebetreiberin MCH Group durchlebt ein Katastrophenjahr. Die mächtigen Uhrenkonzerne haben der einst prestigeträchtigen Uhren- und Schmuckmesse Baselworld die Unterstützung entzogen. Die Art Basel musste wegen der Covid-19-Pandemie annulliert werden. Noch hofft das Management auf die Art Basel Miami Beach im Dezember, aber auch deren Durchführung wird immer unwahrscheinlicher.

In diesem Umfeld plant der Verwaltungsrat der MCH Group eine Kapitalerhöhung. Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt – er hält 33,5% der Aktien der Gesellschaft – hat vergangene Woche dazu grünes Licht gegeben und entschieden, auf die Ausübung seines Bezugsrechts zu verzichten. Zudem wurde der Regierungsrat des Kantons ermächtigt, ein Darlehen von 30 Mio. Fr. in Aktienkapital zu wandeln. Damit ist der Weg für die Transaktion geebnet.

Murdoch soll auf bis zu 30% kommen

In den vergangenen Monaten hat MCH Group mehrmals kommuniziert, die Kapitalerhöhung würde es ermöglichen, einen «neuen Investor» an Bord zu holen, mit dem aktuell verhandelt werde. Der neue Aktionär solle einen «signifikanten Minderheitsanteil» erhalten. Allerdings blieb die Identität dieses Investors bis anhin geheim.

Wie drei Quellen gegenüber The Market bestätigen, soll es sich dabei tatsächlich um James Murdoch handeln, den 47-jährigen Sohn des australisch-amerikanischen Medienmoguls Rupert Murdoch. Die Wirtschaftszeitung «Finanz und Wirtschaft» hatte am 26. Juni erstmals den Namen Murdoch ins Spiel gebracht. Von MCH Group bleibt bis dato eine offizielle Bestätigung aus.

James Murdoch, 47.

James Murdoch, 47.

Bild: Bloomberg

James Murdoch ist Mitglied des Verwaltungsrates des von seinem Vater aufgebauten Medienkonzerns News Corp. Bis 2019 war er CEO von 21st Century Fox. Nach der Übernahme der Filmstudios durch Disney endete sein dortiger Job.

Gemäss Informationen von The Market soll die von MCH Group vorbereitete Kapitalerhöhung 100 Mio. Fr. umfassen und schon in wenigen Tagen kommuniziert werden. Murdoch soll dabei auf einen Anteil von bis zu 30% kommen. Gemäss Gerüchten könnte der Bezugspreis für die neuen Aktien bei bloss 10 Fr. liegen. Der Schlusskurs am Freitag betrug 17.35 Fr.

Erhält Murdoch die Art Basel zum Spottpreis?

«Kommt diese Transaktion durch, kann sich Murdoch zu einem Spottpreis in die MCH Group einkaufen und sich damit den Zugriff auf die international erfolgreiche Marke Art Basel sichern», sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Zwischen James Murdoch und dem Management von MCH bestehen gemäss Informationen von The Market offenbar schon seit längerer Zeit Verbindungen. Im Verwaltungsrat soll Hans-Kristian Hoejsgaard, der frühere CEO von Oettinger Davidoff, einen Draht zu Murdoch haben. «Offenbar haben sich die MCH-Verantwortlichen schon im letzten Oktober auf Murdoch eingeschossen», sagt eine Person mit Kenntnissen über die interne Entscheidungsfindung. Andere Varianten seien gar nicht mehr ernsthaft geprüft worden.

Die Verbindungen zu Murdoch sind nicht nur deshalb pikant, weil die rechtskonservative Gesinnung von Rupert Murdochs News Corp-Imperium in Basel einiges Stirnrunzeln auslösen dürfte. Sie könnten auch deshalb problematisch sein, weil damit der Einstieg eines anderen, möglicherweise besseren Investors verhindert wird.

Interessent aus Hongkong rüde abserviert

Gemäss Informationen von The Market hat der in Hongkong lebende Milliardär Adrian Cheng Chi-kong schon mindestens zwei Mal über einen Mittelsmann Kontakt zum VR und Management der MCH Group aufgenommen. Er hat Aktien über ein Beteiligungsvehikel namens Joint Proficient Project Company Ltd. gekauft und hält mehr als 3% der Aktien.

Zeigte Interesse an MCH Group und wurde brüsk abgewiesen: Adrian Cheng.

Zeigte Interesse an MCH Group und wurde brüsk abgewiesen: Adrian Cheng.

Bild: New World Group

Cheng wäre demnach zu sehr viel besseren Konditionen zu einer Investition in die Gruppe bereit gewesen, als sie jetzt Murdoch vorgeschlagen wurden. «Aber Cheng wurde von den Baslern beide Male sehr rüde abserviert», sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Adrian Cheng ist Spross einer der reichsten Familien Hongkongs; er ist CEO der kotierten Immobiliengesellschaft New World Development und exekutiver Direktor der Juwelier-Kette Chow Tai Fook, die von seinem Grossvater gegründet wurde und weiterhin im Familienbesitz ist.

Cheng ist überdies fest verankert in der Kunst- und Kulturszene Asiens. Er ist Gründer von K11, einer Plattform, die Museen, Kunstbetriebe und Einkaufszentren verbindet und in Hongkong, Schanghai, Guangzhou, Shenyang und Wuhan präsent ist.

Grossaktionär: «Mit allen Mitteln bekämpfen»

Mindestens eine weitere Investorengruppe hat bereits Interesse bekundet, in die MCH einzusteigen. Die Investitionsgesellschaft XanaduAlpha, hinter der die Unternehmerin und Investorin Annette Schömmel steht, ist interessiert, einen Anteil an der Art Basel zu kaufen. «Wir wollen den wahren Wert der Art Basel heben. Die Marke hat ein grosses Potenzial im entstehenden Kunstsektor», sagt Schömmel.

Der Investor Erhard Lee, der über den Fonds AMG Substanzwerte Schweiz sowie über sein Vermögensverwaltungsgeschäft deutlich mehr als 10% der Aktien kontrolliert, verfolgt die Pläne von Verwaltungsrat und Management mit Kopfschütteln. «Diese Kapitalerhöhung ist gar nicht nötig, sie führt für die Gesellschaft in eine Sackgasse», sagt Lee gegenüber The Market. Und: «Ich werde die Kapitalerhöhung mit allen Mitteln bekämpfen.»

Auf Basis des aktuellen Aktienkurses kommt MCH Group auf eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als 100 Mio. Fr. Damit ist die Gruppe nach Ansicht von The Market signifikant unterbewertet. Unter der Annahme, dass die Art Basel mit ihren Events in Basel, Hongkong und Miami Beach in einem guten Jahr 20 Mio. Fr. Betriebsgewinn erzielt, wäre alleine dieses Standbein rund 200 bis 250 Mio. Fr. wert. Die Immobilien der Gruppe stehen mit 210 Mio. Fr. in der Bilanz; ihr wahrer Wert dürfte aber deutlich höher sein.