Risk Barometer

Die Beruhigungspillen der Notenbanken wirken (noch?) nicht

Seit Freitag haben diverse Zentralbanken und Regierungen radikale Massnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie und ihrer Folgen auf die Wirtschaft ergriffen. Trotzdem hält der Abwärtssog an den Börsen an.

Sandro Rosa
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Nun hat die US-Notenbank also schon die «Bazooka» gezückt. Nur einen Monat, nachdem der S&P 500 sein Rekordhoch geschrieben hat, befindet sich das Fed im Krisenmodus.

Über das Wochenende hat der geldpolitische Ausschuss des Fed beschlossen, das Zielband für die Leitzinsen auf 0 bis 0,25% zu senken und wieder in grossem Stil Wertschriften zu erwerben (quantitative Lockerung, QE). Um schliesslich die Versorgung mit Dollars weltweit sicherzustellen, wurden Swap-Linien mit Zentralbanken in anderen Währungsräumen (etwa mit der Schweizerischen Nationalbank) aktiviert.

Auch andere Notenbanken haben Massnahmen ergriffen

In den kommenden Monaten wird das Fed im Rahmen des QE-Programms Staatsanleihen im Umfang von mindestens 500 Mrd. $ erwerben. Gleichzeitig plant es, für mindestens 200 Mrd. $ verbriefte Hypothekarpapiere zu kaufen. Damit soll das Funktionieren der Anleihenmärkte sichergestellt werden.

Bereits am Freitag hat die chinesische Zentralbank, die People's Bank of China, die Mindestreserveanforderungen für Banken gesenkt. Die Notenbanken in Norwegen und Kanada haben die Leitzinsen herabgesetzt, während die Bank of Japan Staatsanleihen in Milliardenhöhe aufkaufte.

Diverse Regierungen kündigten ebenfalls am Freitag Unterstützungsmassnahmen an. Deutschland will «ohne Beschränkung» Geld für die von der Pandemie betroffenen Unternehmen bereitstellen, während die EU-Kommission «alles Notwendige» zu tun gedenkt, um der Wirtschaft zu helfen.

Brutaler Produktionseinbruch in China

All diese Notfallmassnahen wecken ungute Erinnerungen an die globale Finanzkrise von 2008 – und zeigen auf, wie fragil das Finanzsystem ist. Ob diese Schritte die gewünschte stabilisierende Wirkung erzielen, oder ob sie die Verunsicherung noch mehr anheizen werden?

Die erste Marktreaktion von heute Montag deutet darauf hin, dass Letzteres der Fall zu sein scheint. Es wird zunehmend klar, wie stark die Konjunktur angesichts der drastischen Quarantänemassnahmen vieler Regierungen leidet. Einen Hinweis geben die jüngsten Konjunkturzahlen aus China: So sind die Industrieproduktion im Februar um 13,5% und die Detailhandelsverkäufe um 20,5% eingebrochen, während die Arbeitslosenquote auf 6,2% geschnellt ist.

Eine globale Rezession ist damit so gut wie sicher – und das von The Market vergangene Woche präsentierte pessimistische Szenario wird wahrscheinlicher.

Das Schlimmste überstanden?

Kein Wunder, sitzt den Marktteilnehmern die Angst im Nacken. Das Risk Barometer von The Market verharrt unverändert in der Panikzone. Im Vergleich zum Freitag, als wir ausserplanmässig das Barometer aktualisiert hatten, sind keine grossen Veränderungen zu beobachten. Nach wie vor verharrt das Mass nur knapp über 20.

Das ist normalerweise aus Contrarian-Sicht ein Kaufsignal – doch angesichts der höchst ungewissen Ausgangslage ist fraglich, ob Anleger nun mutig gegen den Strom schwimmen sollen. Die Auswirkungen der Pandemie sind immer noch kaum abzuschätzen; Gewinn-, Konjunktur- und Bewertungskennzahlen sind Makulatur. Von grenzüberschreitender, fiskalpolitischer Koordination ist gegenwärtig nichts zu sehen. Auf welcher Basis soll man da Investitionsentscheide fällen?

In einem Bärenmarkt brechen die Kurse gut und gerne 50% ein – das war nach dem Platzen der Dotcom-Blase (als die Wirtschaft relativ glimpflich davonkam) und auch während der Finanzkrise der Fall. Steht ein solcher Bärenmarkt bevor, müssen sich Anleger auch nach der heftigen Korrektur von 30% auf Verluste von nochmals 30% (0,7 * 0,7 = 0,49) einstellen.

Nur wer das aushalten kann, sollte nun auf eine Erholung spekulieren.