Im Fokus

Conzzeta und Calida: Outdoor vor dem Abschied?

Das Zürcher Konglomerat und der Luzerner Textilhersteller werden sich von ihren Bergsportmarken trennen. Die Frage ist, wann.

Andreas Kälin

Mit Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung der Marke Mammut hat die Conzzeta-Gruppe zuletzt annähernd ein Fünftel des Umsatzes gemacht. In der Calida-Gruppe tragen die Bergsportmarken Millet, Eider und Lafuma gegen einen Viertel zum Umsatz bei.

In beiden Fällen wird der Outdoor-Bereich aber längerfristig keine Zukunft im Gruppenverbund haben. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich Conzzeta wie Calida davon trennen. Die Folgefrage lautet, warum nicht jetzt oder bald?

Verkauf kann Wert freisetzen

Kursverlauf von Conzzeta und Calida deutet auf versteckte Potenziale (alle Serien auf 100 indexiert).
Conzzeta
Calida
SPI ohne Dividenden

In Asien investieren

Eine zentrale Rolle spielen dabei der Vertrieb und die Absatzmärkte. In Europa ist der Outdoor-Markt gemäss dem Branchenverband EOG im Jahr 2018 wertmässig 1% geschrumpft. Das Marktwachstum in diesem Bereich findet ausserhalb Europas statt, vor allem in Asien, wie Conzzeta-Sprecher Michael Stäheli bestätigt.

Wie ein Unternehmensberater betont, müsste Conzzeta mit Mammut besonders in den asiatischen Markt investieren, um sich längerfristig behaupten zu können. Seiner Ansicht nach will oder kann die Gruppe die dafür benötigten Mittel nicht aufbringen, weil der Fokus auf anderen Bereichen wie der Blechbearbeitung und den Chemical Specialties liegt. Dies gilt ungeachtet des Umstands, dass Mammut in Hongkong ein Büro eröffnet hat.

Kritische Grösse

Der Fondsmanager Pierre Cloux kennt Conzzeta wie Calida gut. Der von ihm geführte Swiss Equity Discovery Fund ist an beiden Unternehmen beteiligt. Seiner Ansicht nach braucht es im Outdoor-Markt «eine gewisse Grösse», um über die nötige Vertriebs- und Innovationskraft zu verfügen. Er schätzt, dass dafür ein Jahresumsatz «von mindestens 400 Mio. Fr.» erforderlich ist.

Diese Marke erreichen weder Conzzeta, die letztes Jahr mit Mammut 253 Mio. Fr. umsetzte, noch Calida, die mit ihren drei Bergsportmarken zusammen 117 Mio. Fr. Umsatz erreichte.

Der Fall Conzzeta

Im Fall Conzzeta wird schon seit Jahren über einen Verkauf von Mammut spekuliert. 2016, als die Bergsportmarke in einem Tief steckte, initiierte man für sie ein auf fünf Jahre angelegtes Strategieprogramm. Seither hat es Fortschritte gegeben.

Die am Mittwoch von Conzzeta präsentierten Neunmonatszahlen zeigen nun aber auf, dass Mammut im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von fast 5% hinnehmen musste. Der Bereich litt unter Liefer- und Produktproblemen, auch weil er von Lieferanten fehlerhafte Stoffe erhalten hatte.

Abstimmungsprobleme

Dazu gab es hausgemachte Abstimmungsprobleme bei Mammut: Mit der Kollektionserneuerung hat sich die Komplexität erhöht, und die Produkte waren nicht immer wie gewünscht am Verkaufspunkt verfügbar.

Laut Conzzeta-Sprecher Stäheli ist man die Probleme angegangen, und im vierten Quartal sollte es wieder besser laufen. Bei Mammut gehe es darum, das fünfjährige Strategieprogramm umzusetzen, um ab 2021 die Früchte davon zu ernten.

Mammut nicht Teil der DNA

Für Fondsmanager Cloux ist klar, dass die Outdoor-Marke Mammut nicht zur DNA der sonst industriell ausgerichteten Conzzeta-Gruppe passt. An einen baldigen Verkauf glaubt er jedoch nicht: «Zuerst muss Mammut eine vernünftige Marge erreichen.»

Conzzeta verfolgt das Ziel, konzernweit und in jedem Segment eine Betriebsgewinnmarge von 8 bis 10% zu erzielen. Mammut schaffte im vergangenen Jahr einen Wert von 2,1%.

Besser bald statt zuwarten

Der erwähnte Unternehmensberater geht ungeachtet dessen davon aus, dass Mammut in den nächsten Monaten verkauft wird, aus mehreren Gründen. Er glaubt zum einen, dass Conzzeta eine Bereinigung des Portfolios vorantreiben muss, und zum anderen, dass die Zeit dabei nicht für, sondern gegen das Unternehmen arbeitet.

Denn nach einer Eintrübung des Umfelds für Mammut – angesichts der Diskussionen um die globale Wirtschaftsabschwächung eine reale Gefahr – müsste das Management zu lange warten, bis sich erneut eine gute Verkaufsgelegenheit bietet. Zurzeit seien die Bewertungen noch in Ordnung, sprich: Es liesse sich für Mammut ein vernünftiger Preis erzielen.

Der Fall Calida

Bei Calida ist eine baldige Loslösung des Outdoor-Bereichs wahrscheinlich geworden. Die Gruppe besteht zurzeit aus fünf Segmenten: Das sind Calida (Wäsche), Aubade (Lingerie), die Millet Mountain Group mit den drei Bergsportmarken, Lafuma Mobilier (Outdoormöbel) sowie die Surf- und Lifestyle-Marke Oxbow.

Schon Anfang März, an der Jahresabschlusskonferenz, betonte Gruppenchef Reiner Pichler: «Fokussierung ist das wichtigste Thema der Zukunft, um ein Unternehmen erfolgreich zu entwickeln.»

CEO spricht Klartext

Ende August, im Interview mit «Finanz und Wirtschaft», äusserte sich Pichler noch eindeutiger. Er sagte, «wir werden Teile des Unternehmens verkaufen», und stellt eine Bereinigung im Bereich Outdoor und Surfing in Aussicht. Sprich, die Millet Mountain Group und die Marke Oxbow stehen zum Verkauf.

Offen zeigt sich Pichler für Akquisitionen im Wäschebereich.

Das passt zu den Vorstellungen der aktivistischen Beteiligungsgesellschaft Veraison, die gut 16% an der Calida-Gruppe hält und eine Fokussierung auf das Kerngeschäft mit Unterwäsche mit den Marken Calida und Aubade fordert. Wichtiger ist letztlich die Meinung der Familie Kellenberger, die über 34% des Aktienkapitals kontrolliert: Es ist anzunehmen, dass CEO Pichler sich ohne Rückhalt durch den Verwaltungsrat und damit auch die Familie Kellenberger kaum so deutlich über Verkaufsabsichten äussern würde.

Gut für die Aktionäre

Die Idee hinter einer Abspaltung der Outdoor-Bereiche ist, dass dadurch der Wert der einzelnen Teile besser sichtbar wird und die Konzentration der Mittel den verbleibenden Gruppenteilen zugute kommt.

Zu erwarten ist, dass ein Verkauf der Bergsportmarken sich unmittelbar positiv auf die Aktienkurse von Conzzeta und Calida auswirken wird.