Risk Barometer

Das Risk Barometer mahnt zu Vorsicht

Zum Jahresende herrschte unter Anlegern eine überaus optimistische Stimmung – just als die Gefahr einer Eskalation zwischen den USA und dem Iran stark zugenommen hat. Das bedeutet Ungemach für die Börsen. 

Sandro Rosa

Auf den freundlichen Jahresausklang an den Börsen folgt die Ernüchterung. Die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die besonders mit der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani in der Nacht zum Freitag einen neuen Höhepunkt erfahren haben, sorgen unter Anlegern für Beunruhigung. 

Dieser Stimmungsumschwung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. «Euphorie herrscht noch keine, was einen freundlichen Jahresausklang erwarten lässt», schrieb The Market noch vor Weihnachten. Der freundliche Jahresausklang hat sich eingestellt – und die Stimmungsindikatoren haben per Ende letzter Woche prompt nach oben ausgeschlagen.

Das The Market Risk Barometer notiert aktuell marginal unter 70 und ist damit praktisch zurück in der Gefahrenzone. (Zur Erinnerung: Die Skala des aus neun Indikatoren zusammengesetzten Stimmungsbarometers reicht von 0 bis 100, der langfristige Mittelwert liegt bei 50.) Im vergangenen Jahr notierte das Risikomass nur zwei Mal höher. 

Von den Einzelindikatoren, die ins Barometer einfliessen, haben sich bloss die Volatilitätsindizes etwas verschlechtert, sprich sie sind gestiegen. Die anderen sieben Inputs deuten auf einen gestiegenen Risikoappetit hin.

Bestätigt wird der Befund vom Morgan-Stanley-Aktienstrategen Graham Secker, der warnt, die Märkte hätten ein überkauftes Niveau erreicht – sie seien in kurzer Zeit allzu stark gestiegen. Gleichzeitig seien die Anleger zu optimistisch geworden.

«Die starke Börsenrally im vierten Quartal hat nicht nur die Bewertungen in die Höhe getrieben, auch einige Positionierungsdaten sehen mittlerweile ziemlich gedehnt aus», schreibt er. Secker verweist auf die Positionierungsdaten bei S&P 500 Futures, die – in Dollar gemessen – Ende Dezember ein neues Rekordhoch erreicht haben. Investoren wetten also kräftig auf weiter steigende Märkte.

Quelle: Morgan Stanley

Quelle: Morgan Stanley

Hohe Bewertungen, sportliche Positionierungsdaten und übermütige Anleger bei stark steigenden geopolitischen Spannungen sind eine gefährliche Mischung. 

Damit sind die Aktienmärkte besonders anfällig für eine Korrektur.