Im Fokus

The Market Asset Allocation
bleibt nicht verschont

Die Börsen hängen in den Seilen, die Nervosität unter den Anlegern ist gewaltig. Zeit für eine Bestandesaufnahme und Anpassung der Asset Allocation von The Market.

Sandro Rosa
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Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie unberechenbar die Märkte sein können. Binnen kurzer Zeit haben die wichtigsten Börsenindizes 30 bis 35% an Wert verloren und die optimistischen Prognosen vieler Marktstrategen zum Jahresbeginn Lügen gestraft. Der Bullenmarkt ist tot – nur wenige Tage nach seinem elften Geburtstag.

Die Ausbreitung des Coronavirus belastet die Stimmung. Je länger und drastischer die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie ausfallen, desto grösser wird der wirtschaftliche Schaden sein. Die Gefahr steigt, dass der Umsatzeinbruch viele Unternehmen in Schwierigkeiten bringt und zu einer Zunahme der Zahlungsausfälle führen wird. Eine globale Rezession ist programmiert – die Frage ist bloss, wie einschneidend sie ausfällt.

Machtloses Fed?

Nicht einmal die jüngste Salve der US-Notenbank Fed scheint zu wirken: Am Wochenende hat der geldpolitische Ausschuss des Fed beschlossen, das Zielband für die Leitzinsen auf 0 bis 0,25% zu senken und für 700 Mrd. $ US-Staatsanleihen und verbriefte Hypothekarpapiere zu erwerben. Um die Versorgung mit Dollar weltweit sicherzustellen, wurden Swap-Linien mit Zentralbanken in anderen Währungsräumen aktiviert.

Doch anders als erhofft haben die Aktienmärkte am Montag weltweit mit satten Abgaben reagiert. Der S&P 500 verzeichnete gar einen seiner heftigsten Tagesverluste überhaupt. 

Performancerückblick

Vom heftigen Sturm wurde auch die Asset Allocation von The Market erfasst. Seit der letzten Bestandesaufnahme im Januar hat das Portfolio 18% an Wert eingebüsst – und damit etwas schlechter abgeschnitten als der Pictet-BVG-40-Vergleichsindex.

Anders als unsere Asset Allocation profitierte der Pictet-Index vom erneuten, massiven Zinsrückgang, der nun auch die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen deutlich unter die 1%-Marke gezogen hat. Noch zum Jahresbeginn lag ihre Rendite knapp unter 2%.

Nach diesem Kursschub – fallen die Zinsen, steigen die Anleihenkurse, und umgekehrt – ergeben Anleihen in einem langfristigen Portfolio noch weniger Sinn. The Market bleibt deshalb dabei und meidet festverzinsliche Anlagen, solange die Zinsen derart niedrig sind und nicht einmal die Teuerungsrate übersteigen.

Enttäuschende Energieaktien

Im Januar hat The Market auf die schon damals gebeutelten Energieaktien gesetzt. Angesichts der (moderaten) Anzeichen einer globalen Konjunkturerholung zum Jahresbeginn und im Lichte der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran schienen die Chancen auf eine Aufholbewegung beim Rohöl – und damit bei den Energietiteln – gut.

Dennoch hat sich die Kurserosion seither nochmals beschleunigt. Nicht zuletzt der überraschende Machtkampf zwischen Russland und Saudi-Arabien, der just dann zu einer Ausweitung der Rohölförderung führte, als das Coronavirus die Nachfrage einbrechen liess, wirkte sich verheerend aus. Innerhalb weniger Tage sackte der Ölpreis rund 30% ab.

Seit Januar hat sich die Notierung des MSCI World Energy ETF in etwa halbiert. Aber auch die übrigen Aktienindizes haben seit der letzten Bestandesaufnahme im Januar zwischen 22,7 (Swiss Performance Index) und rund 37% (FTSE 100) eingebüsst. 

Gold, das in einer ersten Phase der Verunsicherung seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht wurde, gab in den vergangenen Tagen zwar ebenfalls nach. Dennoch sorgte es – gemeinsam mit der hohen Cash-Quote – für eine gewisse Stabilität im Portfolio, sodass dieses weniger an Wert einbüsste als die einzelnen Aktienindizes.

Jetzt kaufen?

So viel zum Rückblick. Doch was sollen Anleger nun tun? Antizyklisch zukaufen, da die «Kanonen donnern»? Angesichts der grossen Unsicherheit scheint ein aggressives Aufstocken riskant. Die Kombination einer Pandemie mit fragilen Märkten ist zutiefst beunruhigend.

Stolze Bewertungen (zumindest vor dem Kurseinbruch) und hohe Schulden, eine rapide Wachstumsabschwächung, Notenbanken, die jetzt schon am Limit operieren, und ein Virus, das auf die Psyche der Menschen drückt, sind ein Cocktail, dessen Konsequenzen kaum absehbar sind. Dass die Bedrohung nicht wahrnehmbar ist, überall auftreten kann und tödlich ist, macht sie besonders heimtückisch.

Die negativen Nachrichten aus der Wirtschaft werden in den kommenden Tagen und Wochen die Schlagzeilen beherrschen – und für Volatilität sorgen. 

Was ebenfalls für ein vorsichtiges Agieren spricht, ist die Beobachtung – die natürlich subjektiv ist –, dass nach wie vor (zu) viele Marktteilnehmer auf der Suche nach einem «guten Einstiegszeitpunkt» sind. Die Buy-the-Dip-Mentalität ist immer noch präsent. Von einer tiefen Abneigung gegen Aktien, wie sie sich nach heftigen Kursstürzen und Bärenmärkten typischerweise einstellt, ist noch wenig zu spüren.

Erste Paniksignale – und Verschiebungen in der Vermögensaufteilung

Andererseits ist die Nervosität gewaltig. Der Volatilitätsindex Vix, der auch als «Angstbarometer» bekannt ist, ist Anfang Woche auf 82,7 geschossen und hat damit den Rekord aus der globalen Finanzkrise übertroffen. Auch das Risk Barometer von The Market signalisiert seit vergangenem Freitag Panik.

Die aktuelle Monatsumfrage von Bank of America Merrill Lynch unter Fondsmanagern zeigt ebenfalls eine enorme Stimmungseintrübung unter den professionellen Anlegern. Das ist in der Regel kein allzu schlechter Zeitpunkt, um taktisch die Risiken etwas zu erhöhen. 

Somit erscheint ein moderater Kauf von Aktien – ihr Anteil in der Asset Allocation hat durch den Kurssturz der vergangenen Wochen ohnehin abgenommen – durchaus vertretbar. The Market stockt deshalb folgende ETF-Positionen auf (siehe auch die Übersichtstabelle unten):

  • Swiss Performance Index: +12 auf neu 130 Anteile
  • MSCI EMU: +150 auf 600 Anteile
  • MSCI Japan: +65 auf 350 Anteile
  • MSCI Schwellenländer: +450 auf 2700 Anteile
  • MSCI Welt Energie: +75 auf 190 Anteile

Damit werden diese Segmente wieder in Richtung der strategischen Ausrichtung geführt. Das sind zudem auch gleich diejenigen Indizes, die in der Korrektur am stärksten gelitten haben und deren Bewertungen gemessen an langfristigen Kennzahlen wie etwa dem zyklisch adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis tendenziell am attraktivsten sind

Im Gegenzug nimmt die Bargeldquote um gerundete 7150 Fr. auf 28% ab. Damit ist immer noch ausreichend trockenes Pulver vorhanden, sollten die Börsenkurse weiter fallen. 

Quelle: themarket.ch, @NomeDelRosa

Quelle: themarket.ch, @NomeDelRosa

Die Strategie mit ETF umsetzen

Die untenstehende Tabelle liefert eine Auswahl an passenden ETF, mit denen sich die Strategie umsetzen lässt. Bei der Selektion der Anlageprodukte wird unter anderem auf die Verwaltungskosten und die Liquidität des Produkts geachtet. Bei der Nachbildung des zugrundeliegenden Index wird der physischen Replikation in der Regel der Vorzug gegeben. Bei Aktien werden die Währungsrisiken normalerweise nicht abgesichert. Schliesslich soll der ETF an der SIX kotiert sein.

Das Portfolio von The Market: März 2020

Anlageklasse Index ETF Isin Gesamtkostenquote (Ter) Währung Nachbildung Anzahl Anteile im Portfolio Wert in Fr.
Schweizer Aktien Swiss Performance Index iShares Core SPI® ETF (CH) CH0237935652 0.10% CHF Physisch 130 13’468
Aktien aus der Eurozone MSCI EMU UBS ETF (LU) MSCI EMU UCITS ETF (EUR) A-acc LU0950668870 0.18% EUR Physisch 600 9’303
UK-Aktien FTSE 100 iShares FTSE 100 UCITS ETF GBP (Acc) IE00B53HP851 0.07% GBP Physisch 17 1’690
US-Aktien S&P 500 iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD (Acc) IE00B5BMR087 0.07% USD Physisch 43 10’245
Japanische Aktien MSCI Japan UBS ETF MSCI Japan UCITS ETF (JPY) A-acc LU0950671825 0.19% JPY Physisch 350 4’554
Schwellenländeraktien MSCI Schwellenländer Amundi MSCI Emerging Markets LU1681045453 0.20% USD Synthetisch 2700 9’489
Energieaktien MSCI Welt Energie SPDR MSCI World Energy UCITS ETF IE00BYTRR863 0.30% USD Physisch 190 2919
Gold LBMA Gold Price UBS ETF (CH) - Gold (USD) A-dis CH0106027193 0.23% USD Physisch 210 9’702
Bargeld 24’058
Total 85’428