Risk Barometer

Die Marktstimmung hellt sich
weiter auf

Im Gleichschritt mit den steigenden Börsen hat sich das Risk Barometer von The Market weiter erholt. Droht nun angesichts des Sprungs beim Ölpreis die kalte Dusche?

Sandro Rosa

Nach einer freundlichen Börsenwoche hat sich die Stimmung am Markt merklich aufgehellt – just als die Attacke auf Saudi-Arabiens Ölinfrastruktur für Nervosität sorgt. Der Weltaktienindex von MSCI hat im Wochenvergleich rund 1,25% zugelegt, der Schwellenländerindex ist gar 1,85% avanciert, während der defensive Swiss Market Index als einer der wenigen ein leichtes Minus (–0,25%) einstecken musste.

Am vergangenen Montag notierte unser Indikator auf knapp über 50 im neutralen Bereich. Nun hat er weiter an Terrain zugelegt und liegt inzwischen bei 56 Punkten. Das ist der höchste Wert seit Ende Juli. Die Stimmung im Markt ist damit zwar noch keineswegs euphorisch, aber doch verhalten positiv.

Die Erholung war jedenfalls eindrücklich: Noch vor zwei Wochen verharrte das Barometer bei weniger als 40 Punkten. Zur Erinnerung: Die Skala reicht von 0 bis 100, der langfristige Mittelwert liegt bei 50. 

Ein wichtiges Element im Anstieg des Risk Barometers waren die von der American Association of Individual Investors befragten Anleger: Erstmals seit Anfang August überwiegen die Kleinanleger, die optimistisch für die Börsenentwicklung in den kommenden sechs Monaten sind (33%), gegenüber dem Lager der Pessimisten (31%). Knapp 36% der US-Kleinanleger erwarten einen richtungslosen Markt.

Starke Zykliker

Noch wichtiger war die Erholung bei den zyklischen Aktien. Ihr Geschäftsverlauf ist viel stärker von der Konjunkturentwicklung abhängig als derjenige defensiver Unternehmen. Zykliker findet man typischerweise in Branchen wie Industrie (ABB), Grundstoffe (LafargeHolcim) oder zyklischer Konsum (BMW, Swatch). Klassische defensive Titel sind in den Sektoren Gesundheit (Roche), Basiskonsum (Nestlé), Telecom (Swisscom) und Versorger (Alpig) zu finden. Die eindrückliche Erholung bei den Zyklikern – aber auch bei den Schwellenländerbörsen – ist ein deutliches Signal für den zunehmenden Risikoappetit der Börsianer.

Ob die gute Stimmung anhält, ist jedoch alles andere als gewiss. Die Drohnenattacke auf die Erdölinfrastruktur in Saudi-Arabien hat zu einem temporären Förderausfall von geschätzten 5,7 Mio. Fass pro Tag oder mehr als der Hälfte der gesamten Produktion des Landes geführt. Das entspricht gegen 5% der globalen Produktion.

Sprung beim Ölpreis als Gefahr

Der Ölpreis hat sofort reagiert: Der Preis für ein Fass der Sorte Brent ist von 60 auf 65 $ in die Höhe geschnellt. WTI hat sich von 55 auf 59 $ verteuert. In Anbetracht der sich ohnehin verlangsamenden Weltwirtschaft kommt ein steigender Ölpreis zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Aber wer weiss: Vielleicht liefert gerade diese neue Unsicherheit der US-Notenbank Fed den nötigen Vorwand, um die Zinsen am Mittwoch um 50 Basispunkte zu senken. Das wiederum dürfte den Risikoappetit der Börsianer beflügeln.