Im Fokus

DKSH-CEO ist auf dem Prüfstand

Stefan Butz hat die ersten Machtkämpfe überstanden – ist jetzt aber in der Bringschuld.

Andreas Kälin

Das Konsumentenvertrauen in Thailand hat weiter abgenommen. Der von der Universität der thailändischen Handelskammer ermittelte Index ist im Juni von 77,7 auf 76,4 gesunken, ein 21-Monate-Tief.

Das sind schlechte Nachrichten für DKSH, die schwergewichtig in Asien Marktexpansionsdienstleistungen anbietet und am Dienstag den Halbjahresbericht präsentieren wird. DKSH machte im letzten Jahr fast 32% des Umsatzes allein in Thailand, einen Grossteil davon in der Geschäftseinheit Konsumgüter.

Schwierige Endmärkte

Herausfordernde Endmärkte in Thailand bildeten einen wichtigen Grund, weshalb Analyst Andy Grobler von Credit Suisse die Titel am 14. Juni von «Neutral» auf «Underperform» zurückgestuft hatte. An jenem Tag sank der Aktienkurs von DKSH um 10% – er fiel bis auf 55.50 Fr., was ein Fünfjahrestief markierte.

Das zu Monatsbeginn publizierte thailändische Konsumentenvertrauen kommt Stefan Butz nicht entgegen. Der Deutsche hatte am 23. März 2017 das Amt als DKSH-CEO von Jörg Wolle übernommen, der auf den Stuhl des Verwaltungsratspräsidenten rückte.

Aktien und Butz unter Druck

Butz steht unter erhöhtem Druck. Seit seinem Amtsantritt als CEO haben die DKSH-Valoren 29% verloren, während der breite Markt 15% zugelegt hat.

DKSH seit dem Amtsantritt von CEO Stefan Butz

DKSH
SPI ohne Dividenden, angeglichen

Zudem war Butz' Anfangszeit von personellen Turbulenzen begleitet. Er war damals einer von vier Kandidaten, die für das Amt als DKSH-CEO in Frage kamen. Sein Vorgänger Wolle wählte Butz mit aus und führte ihn dann bei den Kunden des Dienstleistungsunternehmens und in die Schweizer Wirtschaftsszene ein.

Das Glück von Butz

Schnell muss es zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden gekommen sein. Das Glück von Butz war, dass er Verwaltungsrat Andreas Keller auf seine Seite ziehen konnte: Dieser ist vor allem auch VR-Präsident der Diethelm Keller Holding, der mit einem Anteil von 45% bestimmenden Aktionärin von DKSH.

Andreas Keller war stets etwas im Schatten seines Cousins Adrian, der als langjähriger VR-Präsident von DKSH mit dem langjährigen CEO Wolle nach aussen für den Wandel des Konzerns stand – von einem angestaubten Handelshaus zu einem dynamischen Dienstleister, der andere Unternehmen in der Marktexpansion in Asien unterstützt.

Zwei Kritiker weg

Am Schluss war die Konstellation im Aktionariat so, dass Jörg Wolle im Oktober 2018 seinen Rücktritt als VR-Präsident ankündigte – nach nur zwei Jahren in diesem Amt verliess er den Verwaltungsrat auf die GV im März, gleichzeitig mit drei weiteren Mitgliedern, darunter Robert Peugeot, der via FFP 5,9% an DKSH hielt. Der Franzose warf sein Aktienpaket kurz darauf mit einem Abschlag von etwa 8% zum Börsenkurs auf den Markt.

Im Oktober war Butz bereits eine andere Kritikerin losgeworden, Martina Ludescher. Sie hatte per Anfang 2017 die Führung der damals schon restrukturierungsbedürftigen Geschäftseinheit Konsumgüter übernommen. Ende 2018 musste sie gehen. Butz liess durchblicken, dass er sie für den enttäuschenden Geschäftsverlauf der Konsumgütereinheit verantwortlich machte. Eine andere Interpretation der Ereignisse ist, dass die selbstbewusste Managerin vor deutlicher Kritik an CEO Butz nicht zurückscheute.

Die Kritik bleibt

Butz ist seine härtesten Kritiker losgeworden – aber die Kritik nicht. Ein Punkt betrifft den Wohnort. Fest abgemacht wurde bei seiner Anstellung, dass er mit seiner Familie von München nach Zürich umzieht. Pro forma hat er einen Wohnsitz nahe Zürich, in Feusisberg. Seine Familie lebt aber noch in München, wohin es ihn immer wieder zieht. Diese zwiespältige Situation wird ihm als fehlendes Engagement und mangelndes Bekenntnis zu DKSH ausgelegt.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft seine Reisetätigkeit. DKSH erzielt fast den ganzen Umsatz in Asien. Butz' Vorgänger Wolle verbrachte wohl die Hälfte seiner Zeit in dieser Region, um den Kunden nahe zu sein und ein Verständnis für die Märkte und die Kulturen zu haben. Butz soll nach seiner Einführungszeit weit weniger auf Reisen gewesen sein als Wolle – und auch weniger als ursprünglich in Aussicht gestellt.

Ein Konzernsprecher sagt dazu, dass Butz als CEO «einen grossen Teil seiner Zeit geschäftlich auf Reisen ist». So habe er im Juni eine Woche in Thailand und eine weitere Woche in Vietnam und Hongkong verbracht.

Bald weniger Reisen?

Eine Erklärung dafür, dass Butz zurzeit mehr auf Reisen ist als im vergangenen Jahr, kann eine personelle Umstrukturierung bieten: Nach dem im November angekündigten Abgang von Ludescher hat Butz vorübergehend auch die direkte Verantwortung für die Konsumgütereinheit übernommen – was erfordert, dass er viel Zeit vor Ort in Asien verbringt.

Im August übergibt er das Zepter für die Problemeinheit an Terry Seremetis, der lange für Mars Wrigley als Manager in Südostasien und Indien tätig war. Der Australier wird in Bangkok stationiert sein und von dort versuchen, das Konsumgütergeschäft auf Kurs zu bringen.

«Selbstzufrieden geworden»

Zudem heisst es, Butz sei wenig kommunikativ. Nach aussen gibt er sich jedenfalls nicht mitteilungsfreudig. Nach mehr als zwei Jahren im Amt als CEO hat er noch keinem Medium ein Interview gewährt –  über das er mit eigenen Worten nach aussen hätte erläutern können, wohin die Reise mit DKSH gehen soll.

Erschienen ist zuletzt in der «Neuen Zürcher Zeitung» ein Artikel mit Aussagen von ihm, in dem er seine Sicht zur Konsumgütereinheit darlegt. Butz erwähnte in diesem Zusammenhang «hausgemachte Probleme» und sprach davon, DKSH sei «zu selbstzufrieden geworden».

Fokus auf Dienstag

Nun könnte es für Butz selbst heissen, seine Komfortzone zu verlassen. Die Haupteigner haben bisher zu ihm gehalten – er wiederum hat ihnen noch kein Glück gebracht, angesichts eines Aktienkurses, der sich in seiner Amtszeit um 44 Prozentpunkte schlechter als der Markt entwickelt hat.

Der Wirtschaftsverlauf in Asien, speziell in Thailand, begünstigt den Dienstleister nicht. Es ist durchaus möglich, dass DKSH am Dienstag ein Halbjahresergebnis und einen Ausblick präsentieren wird, die niemanden wirklich zufriedenstellen können.

Zuversicht allein reicht nicht

Hinter widrigen äusseren Umständen wird sich CEO Butz nicht lange verstecken können. Noch immer gilt das Mantra, dass das Unternehmen langfristig «zuversichtlich für die Entwicklung in Thailand und Asien ist», wie ein Sprecher es formuliert.

Als Butz das CEO-Amt antrat, hatte DKSH für 2016 eben einen Gewinn von 213 Mio. Fr. ausgewiesen. Zwei Jahre später waren es 260 Mio. Fr., dank eines ausserordentlichen Verkaufserfolgs von 75 Mio. Fr. Für 2019 erwarten die Analysten einen Gewinn von noch 201 Mio. Fr. – irgendwann muss sich die grundsätzliche Zuversicht in deutlich höheren Gewinnen und Aktienkursen niederschlagen. Sonst wird CEO Butz die Kritik nicht los.