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Energieschub für die Asset Allocation von The Market

Vor dreieinhalb Monaten hat The Market sein ETF-Portfolio lanciert. Nun gibt es die erste Anpassung in der Vermögensaufteilung.

Sandro Rosa
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Dank Exchange Traded Funds (ETF) ist es für Investoren einfach wie nie, ihr Vermögen anzulegen. Doch wie sollen sie sich im aktuellen Umfeld positionieren? Die politische Unsicherheit ist hoch, viele Vermögenswerte sind teuer, die Zinsen niedrig und die Notenbanken immer verzweifelter.

Orientierung bietet die Ende September lancierte Anlagestrategie von The Market. Dabei handelt es sich um ein möglichst robustes, gebührenarmes und diversifiziertes ETF-Portfolio, das von privaten Investoren ohne allzu grossen Aufwand umgesetzt werden kann. Seit der Lancierung hat der Wert der Asset Allocation von The Market von 100'000 auf 104'387 Fr. zugenommen, was sich angesichts der hohen Bargeldquote von nahezu 35% sehen lassen kann.

Erfreuliche Portfolioentwicklung

Für die Cash-Position wird eine Rendite von 0% angenommen. Das dürfte der Realität eines typischen Schweizer Privatanlegers ziemlich gut entsprechen, verrechnen die hiesigen Grossbanken Credit Suisse und UBS bei einem Barbestand unter 2 Mio. Fr. doch keine Negativzinsen.

Mit einem Plus von 4,4% hat das Portfolio von The Market auch besser abgeschnitten als der Vergleichsindex Pictet BVG 40, der im selben Zeitraum 2,9% gestiegen ist.

The Market nimmt Abweichungen von der Benchmark zwar explizit in Kauf. Dennoch ist ein mehr oder minder regelmässiger Vergleich sinnvoll, um zu überprüfen, ob die Strategie aufgeht.

Schwellenländer mit starkem Kursgewinn

Seit der letzten Bestandesaufnahme im November haben insbesondere Schwellenländeraktien (in Franken umgerechnet) einen positiven Beitrag zur Wertentwicklung geleistet. Die eher defensiveren Börsenbarometer wie der FTSE 100 (Vereinigtes Königreich), der S&P 500 (Vereinigte Staaten) und der Swiss Performance Index gehörten ebenfalls zu den Zugpferden.

Weniger überzeugend waren indes die zyklischeren Börsen der Eurozone (+1,2%) und Japans (+0,2%), die allerdings immer noch einen Zuwachs ausweisen. Angesichts der überaus freundlichen Marktstimmung und der hohen Risikoneigung der Anleger war der eher hohe Bargeldanteil in den vergangenen Wochen der Performance abträglich.

Performance der Komponenten

Auch seit der Lancierung haben die Schwellenländer klar die Nase vorn. Mit einem Anstieg von 11% seit dem 27. September waren sie zu einem wesentlichen Teil verantwortlich für das erfreuliche Abschneiden des Portfolios. Trotz des jüngsten Kursanstiegs hat sich Gold im Quervergleich bislang unterdurchschnittlich entwickelt.

Die hohe Bargeld- und Goldquote soll jedoch für Stabilität in turbulenteren Zeiten sorgen – die früher oder später kommen werden. Einen Vorgeschmack geliefert haben die jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran, die den Goldpreis in die Höhe schnellen liessen.

Energie fürs Portfolio

Auch der Rohölpreis hat nach oben ausgeschlagen. Das ist ein Grund, weshalb The Market per Stichtag 9. Januar einen Anteil von 3,5% in Energieaktien – zulasten des Bargeldbestands – aufgebaut hat. Trotz der vorläufigen Entspannung ist die Gefahr einer Eskalation im Nahen Osten nicht gebannt. In einem solchen Fall dürften Energiewerte im Depot eine stabilisierende Wirkung entfalten.

Doch auch ohne Verschärfung im US-iranischen Verhältnis könnten höhere Ölpreise drohen. «Ein Ölpreissprung im Jahr 2020 oder 2021 ist ein Risiko, von dem niemand spricht», sagte Value-Investor Marcos Hernández Aguado vom Vermögensverwalter SIA Funds kürzlich im Interview mit The Market. Er kommt zum Schluss, dass trotz der Klimadebatte die Nachfrage nach Rohöl weiterhin zunimmt und ein unterversorgter Markt droht.

Der Marktstratege Christopher Wood kommt zu einem ähnlichen Schluss: «Das Angebot verknappt sich, während die Nachfrage weiter steigt», sagte er Anfang Woche gegenüber The Market.

Günstig bewertet

Ein weiterer Grund für den Kauf ist die Bewertung. Nach über zehn Jahren Börsenhausse ist es mittlerweile ausgesprochen schwierig geworden, günstige Vermögenswerte zu finden. Ölaktien gehören wohl zu den wenigen noch attraktiv bewerteten Segmenten.

Wegen des unaufhaltsamen Trends in Richtung nachhaltigen Investierens werden Titel von Ölunternehmen von institutioneller Seite – aber auch von Privatanlegern – zusehends verschmäht. Zudem litt der Sektor unter den vor der Finanzkrisen geplanten massiven Investitionen. Das Zurückbleiben der Energiewerte hat inzwischen jedoch ein gewaltiges Ausmass angenommen. Während sich der Kurs des MSCI Welt seit Januar 2010 ziemlich genau verdoppelt hat, handelt der MSCI Welt Energie aktuell rund 10% unter seinem damaligen Niveau:

Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis relativ zum Gesamtmarkt oder an der erwarteten Dividendenrendite stechen Energieaktien deshalb positiv hervor. So rechnen die Bankanalysten für den MSCI Welt für dieses Jahr mit einer Dividendenrendite von 2,4% – der Abstand zu den 1,8%, die zehnjährige US-Staatsanleihen abwerfen, ist nicht mehr allzu gross.

Energieaktien locken indes mit einer beinahe doppelt so hohen Rendite von 4,7%. Der Sektor mit der zweithöchsten Rendite – Versorger – liegt einen Prozentpunkt dahinter:

Wie die Analysten von JPMorgan in einem Bericht schreiben, haben die Ölmultis in den vergangenen Jahren zudem deutlich mehr Investitionsdisziplin an den Tag gelegt als in früheren Jahren. Das lasse einen markanten Anstieg beim Cashflow erwarten. Ausserdem seien die Bilanzen heute robuster.

Die neue Vermögensaufteilung

Mit dem Kauf von 115 SPDR MSCI World Energy Ucits ETF zu je 32.83 $, die rund 3,5% des Portfolios entsprechen, und den Preisveränderungen in den vergangenen Wochen haben sich die Gewichte verschoben (siehe Tabelle unten).

Insgesamt hat sich die Aktienquote von 56 auf 60% erhöht, im Gegenzug hat der Anteil an Liquidität von 34,3 auf 30% abgenommen. Gold ist weiterhin mit rund 10% in der Vermögensaufteilung vertreten. Anders als etwa der Pictet-BVG-40-Index, in dem Anleihen 50% ausmachen, verzichtet The Market gänzlich auf festverzinsliche Anlagen. Das Risiko-Rendite-Profil ist bei den gegenwärtigen Zinsen schlicht zu wenig attraktiv.

Quelle: themarket.ch, @NomeDelRosa

Quelle: themarket.ch, @NomeDelRosa

Die Strategie mit ETF umsetzen

Die untenstehende Tabelle liefert eine Auswahl an passenden ETF, mit denen sich die Strategie umsetzen lässt. Bei der Selektion der Anlageprodukte wird unter anderem auf die Verwaltungskosten und die Liquidität des Produkts geachtet. Bei der Nachbildung des zugrundeliegenden Index wird der physischen Replikation in der Regel der Vorzug gegeben. Bei Aktien werden die Währungsrisiken normalerweise nicht abgesichert. Schliesslich soll der ETF an der SIX kotiert sein.

Das Portfolio von The Market

Anlageklasse Index ETF Isin Gesamtkostenquote (Ter) Währung Nachbildung Anzahl Anteile im Portfolio Wert in Fr.
Schweizer Aktien Swiss Performance Index iShares Core SPI® ETF (CH) CH0237935652 0.10% CHF Physisch 118 15’821
Aktien aus der Eurozone MSCI EMU UBS ETF (LU) MSCI EMU UCITS ETF (EUR) A-acc LU0950668870 0.18% EUR Physisch 450 10’745
UK-Aktien FTSE 100 iShares FTSE 100 UCITS ETF GBP (Acc) IE00B53HP851 0.07% GBP Physisch 17 2’687
US-Aktien S&P 500 iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD (Acc) IE00B5BMR087 0.07% USD Physisch 43 13’623
Japanische Aktien MSCI Japan UBS ETF MSCI Japan UCITS ETF (JPY) A-acc LU0950671825 0.35% JPY Physisch 285 5’226
Schwellenländeraktien MSCI Schwellenländer Amundi MSCI Emerging Markets LU1681045453 0.20% USD Synthetisch 2250 11’139
Energieaktien MSCI Welt Energie SPDR MSCI World Energy UCITS ETF IE00BYTRR863 0.30% USD Physisch 115 3’674
Gold LBMA Gold Price UBS ETF (CH) - Gold (USD) A-dis CH0106027193 0.23% USD Physisch 210 10’264
Bargeld 31’207
Total 104387