Risk Barometer

Geschüttelt, aber nicht gerührt

Das Risikobarometer von The Market signalisiert Vorsicht unter den Anlegern. Panik ist noch keine auszumachen, weshalb ein Einstieg aus Contrarian-Sicht verfrüht scheint.  

Sandro Rosa

Die Fieberkurve steigt. Am Freitag hat China kurz vor der Eröffnungsrede von Fed-Chef Jerome Powell am jährlichen Jackson-Hole-Treffen Strafzölle von 5 bis 10% auf Importe aus den USA im Umfang von 75 Mrd. $ angekündigt.

US-Präsident Donald Trump reagierte umgehend mit einer Erhöhung der Zölle auf chinesische Produkte. Zudem hat er amerikanische Unternehmen in einem Tweet «angewiesen, sofort nach einer Alternative zu China zu suchen, inklusive die Unternehmen zurück nach Hause zu bringen und die Produkte wieder in den USA zu produzieren».

Damit hat der US-chinesische Handelskrieg innert kurzer Zeit eine neue Eskalationsstufe genommen. Eine baldige Einigung im Konflikt scheint zunehmend unrealistisch.

Die Anleger haben entsprechend verunsichert reagiert. Nach anfänglichen Kursavancen auf Powells milde Worte folgten nach den Nachrichten aus Peking kräftige Abgaben. Der amerikanische Leitindex S&P 500 schloss am Freitag 2,6% tiefer, der technologielastige Nasdaq Composite gab sogar 3% nach.

Dass die Nervosität unter den Börsianern zugenommen hat, verdeutlicht auch das Risikobarometer von The Market. Der Indikator berücksichtigt Umfrageresultate und Marktdaten – unter anderem Optionspreise, die das Bedürfnis nach Absicherung spiegeln, oder Zinsaufschläge auf Anleihen von weniger soliden Schuldnern – und fasst sie in einer Kennzahl zusammen. Diese zeigt auf, wie optimistisch oder pessimistisch die Marktteilnehmer sind.

Quelle: AAII, Bloomberg, CFTC, themarket.ch

Quelle: AAII, Bloomberg, CFTC, themarket.ch

Aktuell notiert das Risikobarometer bei 39 – auf einer Skala von 0 bis 100 mit einem langfristigen Mittelwert von 50. Die Anleger sind mittlerweile also zwar vorsichtig geworden – aber sie sind immer noch weniger pessimistisch als zum Jahresanfang und deutlich optimistischer als etwa Anfang 2016 oder im Herbst 2015, als gute Einstiegsgelegenheiten lockten.

Für eine Wette auf eine Erholung an den Börsen scheinen die Anleger noch zu wenig pessimistisch – zumal sich der Handelskrieg zuspitzt und sich die konjunkturelle Grosswetterlage weiter eintrübt.

In Kombination mit noch immer eher teuren Aktien und zu optimistischen Gewinnschätzungen braucht es wohl eine viel kräftigere Eintrübung der Stimmung – und eine grösser Börsenkorrektur –, bevor es sich lohnt, auf Schnäppchenjagd zu gehen.