Im Fokus

Glänzende Perspektiven für Goldaktien

Gold zeigt endlich Lebenszeichen. Zieht der Preis des Edelmetalls weiter an, werden Aktien von Minenkonzernen überproportional profitieren. Diese Titel bergen Kurspotenzial.

Christoph Gisiger

Im Goldsektor wächst die Zuversicht. Der Goldpreis ist seit Anfang Jahr mehr als 8% vorgerückt und hat im Juni die technisch wichtige Widerstandsmarke von 1350 $ pro Unze durchbrochen. Die Chancen stehen damit gut, dass ein nachhaltiger Aufwärtstrend eingesetzt hat.

Der Reiz von Gold basiert auf diversen Faktoren, wie The Market im April ausführlich dargestellt hat. Ein Hauptgrund ist die Geldpolitik. In den USA hat das Federal Reserve die Normalisierung der Zinsen abgebrochen und signalisiert für die Sitzung von Ende Juli die erste Senkung seit mehr als einem Jahrzehnt.

Das spricht gegen den Dollar und für einen festeren Goldpreis. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass sich Gold gegenwärtig wieder auf dem gleichen Niveau bewegt wie im Sommer 2013. Die US-Notenbank leitete damals mit dem Tapering des Stimulusprogramms QE3 die Normalisierung der Geldpolitik ein. Nun steht eine Lockerung an.

Misstrauensvotum gegen Zentralbanken

Eine expansivere Geldpolitik deuten auch andere grosse Notenbanken wie die EZB und die Bank of Japan an. Weltweit rentierten Anleihen im Wert von 12,5 Bio. $ negativ, womit Gold als Investment und Wertanlage an Attraktivität gewinnt. Das gilt ebenso mit Blick auf die trüben Konjunkturaussichten, ist das Edelmetall in unsicheren Zeiten doch erfahrungsmässig gefragt.

«Die wirtschaftliche Grosswetterlage bietet günstige Rahmenbedingungen für Gold», denkt das Researchteam von Bank of America. «Der Umstand, dass die US-Notenbank auf einen milderen Kurs eingeschwenkt ist und sich die Anzeichen für eine Abkühlung der Weltwirtschaft verdichten, sollte den Preis in den kommenden zwölf Monaten auf 1500 $ pro Unze hochdrücken», schreiben die Analysten.

Dass Gold gerade in den letzten Wochen gestiegen ist, lässt sich auch als Misstrauensvotum gegen die Zentralbanken deuten. Jim Grant, Herausgeber des Investment-Bulletins «Grant’s Interest Rate Observer» formuliert diesen Sachverhalt so: «Ich bin so fest wie eh und je davon überzeugt, dass Gold eine rationale und attraktive Absicherung gegen den Wahnsinn der Geldpolitik ist.»

Aus fundamentaler Betrachtung nimmt ausgerechnet unter Zentralbanken die Nachfrage zu. Gemäss dem World Gold Council haben sie 2018 am meisten Gold gekauft, seit US-Präsident Nixon 1971 den Goldstandard des Dollars aufgehoben hat:

Goldtransaktionen der Zentralbanken.<br>Quelle: World Gold Council<br>

Goldtransaktionen der Zentralbanken.
Quelle: World Gold Council

Im ersten Quartal haben Zentralbanken gut weitere 145 Tonnen erworben. Das entspricht einer Zunahme von fast 70% gegenüber der Vorjahresperiode, wobei Russland, die Türkei und Kasachstan als grösste Käufer auftreten.

Goldfunde werden seltener

Für die Minenindustrie ist das Comeback von Gold ein Segen. Die Produktion steigt zwar kontinuierlich. Dennoch sieht sich die Branche mit gravierenden Herausforderungen konfrontiert.

Dazu gehört, dass es immer schwieriger wird, grössere Vorkommen zu finden. Von Anfang der Siebziger- bis Ende der Neunzigerjahre sind pro Jahrzehnt mindestens ein massives Depot mit 50 Mio. Unzen sowie zehn kleinere mit 30 oder mehr Mio. Unzen entdeckt worden. Seit der Jahrtausendwende hingegen ist kein Vorkommen dieser Grössenordnung mehr hinzugekommen; selbst Ressourcen im Bereich von rund 15 Mio. Unzen werden nur noch sehr selten entdeckt.

Zugleich nimmt die Qualität der Minen ab. Um eine bestimmte Menge Gold zu gewinnen, muss deshalb immer mehr Eisenerz verarbeiten werden, was höhere Kosten bedeutet.

Hinzu kommt, dass es während der letzten Goldhausse zu beträchtlichen Exzessen gekommen ist. Nachdem der Goldpreis im August 2011 mit über 1900 $ den Zenit erreicht hatte, sahen sich daher viele Konzerne gezwungen, ihre Bilanz zu restrukturieren und Schulden abzubauen.

Der Fokus hat sich dadurch von der Exploration neuer Ressourcen auf die weniger riskante Ausschöpfung bekannter Vorkommen verlagert. Als Folge dieser Strukturveränderungen sind die Reserven der grössten Minenkonzerne seit 2012 von annähernd 970 auf 710 Mio. Unzen gesunken.

Goldreserven der grössten Minenkonzerne

in Mio. Unzen

Minenaktien sind vernachlässigt und unbeliebt

Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass Investoren Aktien von Minenkonzernen immer weniger Beachtung geschenkt haben. Der VanEck Vectors Gold Miners ETF, der knapp fünfzig Goldwerte umfasst, hat über die letzten zehn Jahre annähernd 40% verloren. Er schneidet damit schlechter als der Goldpreis ab und ist vom S&P 500 um Längen distanziert worden:

Goldaktien hinken hinterher

Goldpreis
VanEck Vectors Gold Miners ETF (angeglichen)
S&P 500 (angeglichen)

Ein Beispiel für das geringe Interesse ist der ehemalige Precious Metals & Mining Fund von Vanguard. Lange einer grössten Fonds für Goldaktien, wurde er letzten Herbst zum Global Capital Cycles Fund umbenannt. Das Engagement im Edelmetallsektor wurde auf 25% reduziert, zugunsten anderer Rohstoff-Segmente und Infrastruktur basierter Branchen wie Telecom.

Umso grösser sind die Chancen, die sich heute in Goldwerten eröffnen. Das vor allem auch deshalb, weil die Branche inzwischen wesentlich disziplinierter geworden ist. Das zeigt sich an den rückläufigen Kosten, die von der Exploration bis zur Schliessung einer Mine anfallen.

Im Branchenjargon All-in sustaining costs oder kurz AISC genannt, ist die Schlüsselkennzahl bei den grössten Konzernen seit 2012 im Schnitt von fast 1300 auf 1000 $ pro Unze gesunken, rechnet der kanadische Broker Canaccord Genuity vor:

All-in sustaining costs (AISC) grosser Goldkonzerne.<br>Quelle: Canaccord Genuity<br>

All-in sustaining costs (AISC) grosser Goldkonzerne.
Quelle: Canaccord Genuity

Durch die fortschreitende Automation dürften künftig speziell bei Bauwerken im Untergrund noch mehr Einsparungen möglich sein.

Entsprechend positiv wirkt sich das auf die Ertragskraft aus. «Nach fünf Jahren geprägt von Restrukturierungen und Wertberichtigungen erholt sich die Industrie, wobei sich Cashflow und Gewinnmargen verbessern», konstatiert der Unternehmensberater Mckinsey.

Call-Option auf den Goldpreis

Der Zeitpunkt zum Einstieg ist damit günstig. Dank der getrimmten Kostenstrukturen wird sich ein steigender Goldpreis überproportional auf den Gewinn von Minenkonzernen durchschlagen. Ihren Aktien kommt dadurch der Charakter einer Call-Option auf das Edelmetall zu.

Heinz Isler, Rohstoff- und Rohstoffaktienspezialist sowie Berater institutioneller Investoren in Genf, beschreibt diesen Hebeleffekt folgendermassen: «Mit jedem Zuwachs des Goldpreises um 1%, steigen Goldminenaktien um 3%, wie sich historisch erwiesen hat.»

Ein guter Startpunkt für Engagements sind die Titel der Branchenleader Barrick Gold und Newmont Goldcorp. Aufgrund ihrer Grösse werden sie am meisten davon profitieren, wenn institutionelle Anleger den Sektor neu entdecken.

Beide Konzerne haben ihre Position im Markt zuletzt über bedeutende Akquisitionen ausgebaut. Barrick hat für 18 Mrd. $ den südafrikanischen Konkurrenten Randgold übernommen, während Newmont für 10 Mrd. $ Goldcorp gekauft hat.

Seit Anfang Woche bewirtschaften Barrick und Newmont zudem ihre massiven Vorkommen in Nevada als Joint-Venture. Das Gemeinschaftsunternehmen ist dadurch zum weltgrössten Goldförderer avanciert und soll jährlich Synergien von bis zu 500 Mio. $ freisetzen.

Spezifisch für Newmont spricht, dass sie die einzigen Goldaktien im US-Leitindex S&P 500 sind. Umsichtig geführt, hat sich der Konzern aus Colorado trotz des schwachen Goldpreises wacker geschlagen. Die Titel konnten über die letzten fünf Jahre sogar mit dem Gesamtmarkt mithalten.

Newmont Goldcorp

Newmont Goldcorp
S&P 500 (angeglichen)
Agnico Eagle Mines (angeglichen)
Barrick Gold (angeglichen)

Spannende Turnaround-Wette

Ein höheres Risiko- und damit Renditeprofil weisen die Aktien von Barrick auf. Der traditionsreiche Konzern mit Sitz in Toronto hatte mit diversen Minenprojekten danebengegriffen und musste sich primär auf den Abbau von Schulden konzentrieren.

Spannend sind die Titel in erster Linie deshalb, weil Barrick nach wie vor über ausgezeichnete Assets verfügt. Der Konzern hat gleich fünf der zehn weltgrössten Goldminen im Portfolio.

Mit Mark Bristow, dem charismatischen Chef von Randgold, hat Anfang Jahr ein Branchenveteran mit einem exzellenten Leistungsausweis die operative Leitung übernommen. Das macht die Titel zu einer Wette, dass ihm der Turnaround gelingt:

Grösste Goldminen

Produktion in Mio. Unzen (2018)

Unter den Aktien aus der der Topliga bieten ebenso Agnico Eagle Mines attraktive Perspektiven. Das konservativ geführte Unternehmen, das seit 36 Jahren ununterbrochen eine Dividende zahlt, konzentriert sich auf die politisch sicheren Regionen Kanada, Mexiko und Finnland. Es wird seit 1998 von Sean Boyd geführt, der in der Branche einen hervorragenden Ruf geniesst.

Strategisch steht Agnico Eagle Mines am Ende eines Investitionsschubs. Um auslaufende Produktion zu ersetzen, hat das Unternehmen zwei neue Grossanlagen in Kanada erschlossen. Sie werden nun in Betrieb genommen, wodurch die operative Leistung ab dem zweiten Halbjahr deutlich zunehmen sollte.

Im Bereich der mittelgrossen Unternehmen sticht Alamos Gold hervor. Der Konzern will nächstes Jahr zwei neue Minen in Betrieb nehmen, womit Kurspotenzial in den Valoren schlummert. Die Wartezeit wird Investoren mit einem Aktienrückkaufprogramm versüsst, das den Gewinn bis Ende Jahr um bis zu 10% verdichtet.

Für Anleger, die weniger Risiken in Kauf nehmen wollen, sind die Titel der Royalty-Gesellschaft Franco-Nevada eine Überlegung wert. Das vom kanadischen Branchenpionier Pierre Lassonde gegründete Unternehmen betreibt keine eigenen Anlagen, sondern investiert in Lizenzen von Edelmetallvorkommen.

Diese Strategie hat in der Vergangenheit überaus ansprechende und zuverlässige Renditen eingebracht. Allerdings ist der Hebeleffekt in der Anfangsphase einer Goldhausse erfahrungsgemäss geringer als im Fall klassischer Minenkonzerne.

Ausgewählte Goldkonzerne im Vergleich

Land Börsenwert Goldproduktion Operative Marge Kurs/Cashflow KBV Rendite
Newmont Goldcorp USA 31,1 5101 15,6 9 1,9 1,5
Barrick Gold Kanada 27,6 4527 15,6 10 1,7 1
Newcrest Mining Australien 16,7 2346 17,4 12 2,3 0,8
Franco-Nevada Kanada 15,9 - 29,1 29 3,3 1,2
Agnico Eagle Mines Kanada 11,8 1627 4,6 15 2,6 1
Kirkland Lake Gold Kanada 9 724 47,2 12 6,4 0,3
AngloGold Ashanti Südafrika 7 3400 12,1 6 2,6 0,4
Royal Gold Kanada 6,6 - 32,5 21 3,1 1
Kinross Gold Kanada 4,8 2452 3,9 5 1 -
Gold Fields Südafrika 4,3 1872 10,5 6 1,6 0,5
Alamos Gold Kanada 2,3 505 6,6 10 0,9 0,7