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Grösster Aktionär der Credit Suisse geht auf Konfrontation mit Präsident Urs Rohner

David Herro vom US-Fondshaus Harris Associates setzt sich vehement für Tidjane Thiam als CEO der Credit Suisse ein. Er droht VR-Präsident Rohner mit der Abwahl, falls es an der operativen Spitze der Grossbank zum Führungswechsel kommen sollte.

Christoph Gisiger
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Die Konfrontation um die künftige Führung der Credit Suisse spitzt sich zu: Wie in den vergangenen Tagen mehrere Medien berichteten, soll der Verwaltungsrat der Grossbank an seiner Sitzung vom 5. und 6. Februar über mögliche Nachfolger für den nach mehreren Beschattungsvorwürfen angeschlagenen CEO Tidjane Thiam diskutieren.

Wir verlangen vom Verwaltungsrat, Urs Rohner sofort zu ersetzen, wenn dieser nicht in der Lage ist, Tidjane Thiam als CEO zu unterstützen»: David Herro.

Wir verlangen vom Verwaltungsrat, Urs Rohner sofort zu ersetzen, wenn dieser nicht in der Lage ist, Tidjane Thiam als CEO zu unterstützen»: David Herro.

Der grösste Aktionär der Credit Suisse, der amerikanische Fondsmanager David Herro, setzt sich allerdings weiterhin mit Nachdruck für Thiam ein. Am Montag sagte Herro in einem Interview mit Bloomberg, er stehe «zu 100% hinter Thiam». Damit bestätigte Herro, was er bereits im September 2019 gegenüber The Market gesagt hatte.

Doch damit nicht genug. Wie The Market erfahren hat, hat der in Chicago beheimatete Manager des Oakmark International Fund einen formellen Brief an den Verwaltungsrat der Credit Suisse geschrieben. Darin fordert Herro das oberste Aufsichtsgremium um Präsident Urs Rohner auf, Thiam öffentlich das Vertrauen auszusprechen.

Er verfolge die Berichterstattung in den Medien mit grosser Sorge, mahnt Herro in dem Brief, der auf den 3. Februar 2020 datiert ist und The Market vorliegt.

«Es wäre nicht nur ein schlimmer Fehler, den CEO zu ersetzen, der das Unternehmen auf so positive Weise transformiert hat», heisst es darin. «Auch würde es Schwäche demonstrieren und noch mehr solches Verhalten fördern, wenn man angesichts einer orchestrierten Attacke von ausserhalb des Unternehmens […] einknicken würde.»

Aus dem Schreiben geht eine weitere, bislang nicht bekannte Information hervor: Harris Associates kontrolliert 8,42% der CS-Aktien. Das amerikanische Fondshaus ist damit der mit Abstand grösste Einzelaktionär der Schweizer Grossbank, vor der Qatar Investment Authority (5,21%), dem Staatsfonds Norwegens (4,98%) und der Olayan Group aus Saudi-Arabien (4,93%). Bis anhin war bloss bekannt, dass Harris etwas mehr als 5% der CS-Aktien kontrolliert.

Ein Auszug aus dem Schreiben:

Auf Anfrage von The Market bestätigt Herro, den Brief am 3. Februar via E-Mail an den Verantwortlichen für Investor Relations der Credit Suisse, Adam Gishen, geschickt zu haben.

Im Gespräch macht David Herro klar, dass er das Vorgehen von Urs Rohner nicht toleriert. «Wir stellen fest, dass Herr Rohner offenbar versucht, Herrn Thiam aus seiner Position zu entfernen. Deshalb verlangen wir vom Verwaltungsrat, Urs Rohner mit sofortiger Wirkung zu ersetzen, wenn dieser nicht in der Lage ist, Tidjane Thiam als CEO öffentlich zu unterstützen», sagt Herro gegenüber The Market.

«Und wenn der Verwaltungsrat nicht entsprechend handelt, werden wir nach anderen Wegen suchen, um Herrn Rohner aus seinem Amt als VR-Präsident entfernen zu lassen», fügt der Amerikaner hinzu.