Risk Barometer

Der Risikoappetit nimmt ab

Die Aufhellung der Marktstimmung wurde vergangene Woche gestoppt. Das Risk Barometer von The Market erleidet einen Rückschlag, verharrt aber im neutralen Bereich.

Sandro Rosa

Wie vor einer Woche vermutet, konnte sich die zuletzt beobachtete Stimmungsaufhellung an den Finanzmärkten nicht fortsetzen. Die Drohnenattacke auf die Erdölinfrastruktur in Saudi-Arabien und der damit verbundene Sprung im Rohölpreis sowie Spannungen im amerikanischen Geldmarkt haben das Sentiment gedämpft. 

Die Börsen haben sich im Wochenvergleich indes nur wenig bewegt: Der Weltaktienindex von MSCI hat rund 0,4% an Wert eingebüsst, wobei die Schwellenländer (–0,5%) leicht schlechter abgeschnitten haben als die Industrieländer (–0,4%). Interessanterweise liess der Euro Stoxx 50 den US-Leitindex S&P 500 um mehr als 1% hinter sich. Steigt die Nervosität an den Märkten, lässt sich typischerweise das Gegenteil beobachten.

Insgesamt jedoch lässt sich eine wieder gestiegene Vorsicht unter den Anlegern konstatieren: Am vergangenen Montag kletterte The Market Risk Barometer auf 56 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Ende Juli. Heute, eine Woche später, notiert er 10 Punkte tiefer auf 46 Punkten. Die Skala des Barometers reicht von 0 bis 100, der langfristige Mittelwert liegt bei 50.

Wie vor einer Woche liess sich bei den Kleinanlegern ein Anstieg der Risikofreude feststellen: Wie die aktuellen Resultate der Umfrage der American Association of Individual Investors zeigen, erwarten 35% der Befragten steigende, 28% fallende und die restlichen 37% seitwärts tendierende Börsen. Damit haben die «Bullen» ein leichtes Übergewicht von etwas mehr als sieben Punkten.

Allerdings überwogen die Indikatoren, die eine wieder aufkeimende Nervosität signalisieren: So ist etwa die implizite Volatilität (Vix-Index) auf den S&P 500 gestiegen, hat das Absicherungsbedürfnis gemessen am Volumen der Put-Optionen zugenommen und haben sich die Kreditrisikoaufschläge auf hochverzinsliche Anleihen wieder etwas ausgeweitet. Auch gaben zyklische Aktien gegenüber den defensiven Werten Terrain preis.

Die Anleger sind in den vergangenen Wochen also wieder vorsichtiger geworden, allerdings ohne dass exzessiver Pessimismus – der eine Kaufgelegenheit signalisieren würde – zu erkennen wäre.