Exklusiv

Sunrise spricht mit Freenet über eine Lösung

Der Telecomkonzern führt jetzt Gespräche mit Freenet, die aber noch vertraulich sind. Das Ziel: den widerspenstigen Grossaktionär in die Kapitalerhöhung einzubinden.

Ruedi Keller

Jetzt kommt die Zeit der Entscheidungen. Am 22. August präsentiert Sunrise die Halbjahreszahlen. Anfang Oktober steht das Verdikt der Wettbewerbsbehörde (Weko) zum geplanten Zusammenschluss von Sunrise mit dem Kabelnetzbetreiber UPC an. Darauf wird die Einladung zur ausserordentlichen Generalversammlung verschickt, an der die Aktionäre über die 4,1 Mrd. Fr. schwere Kapitalerhöhung abstimmen werden, die Sunrise braucht, um UPC Schweiz von Liberty Global für insgesamt 6,3 Mrd. Fr. in bar zu übernehmen.

Das Problem dabei: Freenet, mit 25% grösster Aktionär von Sunrise, hat sich mehrfach öffentlich gegen den Deal gestellt. Obwohl im Verwaltungsrat vertreten, stehen sich Grossaktionär Freenet und Sunrise seit Ankündigung des Deals mit unvereinbaren Positionen gegenüber. Eine Basis, mögliche Lösungsansätze zu erörtern, gab es bislang nicht.

«Gespräche finden statt»

Dies hat sich nun geändert, sagen drei mit der Situation vertraute Quellen gegenüber The Market: «Diskussionen stehen an, zuerst intern», sagt eine Quelle, die ihren Namen nicht genannt haben möchte, weil man noch «privat reden» wolle.

«Freenet sitzt im Verwaltungsrat – es gibt einen einfachen, direkten Austausch», präzisiert die zweite Quelle. «Gespräche finden nun statt», bestätigt die dritte Quelle. Diese mahnt jedoch, dass der Ausgang noch offen sei. Auch die zweite Quelle betont, dass Freenet erst die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal abwarten wolle, um die Situation zu bewerten.

Freenet kommentiert die Informationen nicht. Sunrise teilt mit: «Wir sind an einer Lösung interessiert, und Sunrise hat immer betont, die Kommunikation mit Freenet aufrechtzuerhalten.»

Problem: Kapitalerhöhung

Die Differenzen liegen nicht beim Zusammenschluss von Sunrise und UPC. Die Logik des Deals wird von keiner Seite infrage gestellt – allerdings die Finanzierung. Freenet hat schlicht kein Geld, um bei der Kapitalerhöhung mitzuziehen.

Gemäss Informationen von The Market steht der Barauskauf von UPC-Eignerin Liberty nicht zur Debatte. An der Dealstruktur soll nicht gerüttelt werden. Die Diskussionen drehen sich einzig um die Frage, wie Freenet in die Kapitalerhöhung eingebunden werden kann.

Freenet ist zum Abbau gezwungen

Da Freenet von sich aus nicht mitziehen kann – bestehende Aktionäre müssen, um eine Verwässerung zu parieren, mehr einschiessen, als sie bereits besitzen –, ist der Grossaktionär zum Abbau gezwungen, entweder durch den Verkauf bestehender Aktien oder der Bezugsrechte aus der Kapitalerhöhung.

Bei Letzterem stellt sich die Frage, wie der damit drohende Überhang geordnet in den Markt gelangen kann, ohne immensen Preisdruck auszulösen. Einem vorgängigen Verkauf der Aktien, mit dem die Ausübung der verbleibenden Bezugsrechte finanziert werden könnte, stand bislang die Preisfrage im Weg.

Abnehmer stehen bereit

Sunrise und die sie beratenden Banken haben gemäss Informationen von The Market zwar bereits Abnehmer für das Aktienpaket von Freenet gesucht und dem widerständigen Aktionär angeboten, einen Teil seiner Titel abzunehmen. Doch nach Ankündigung der 6,3 Mrd. Fr. schweren UPC-Transaktion war der Kurs der Sunrise-Aktie auf unter 70 Fr. eingebrochen. Freenet hatte angeblich jedoch auf einem Preis über 80 Fr. bestanden. Konsequenz: no Deal.

Doch die jüngste Kurserholung auf über 73 Fr. je Aktie hat eine neue Basis geschaffen, erklärt eine Quelle die Wiederaufnahme der Gespräche.

Einstandspreis ist erreicht

Freenet hatte sich im März 2016 für 72.95 Fr. je Aktie bei Sunrise eingekauft. Sie übernahm vom Private-Equity-Haus CVC das Aktienpaket von 24% an Sunrise zu einer Prämie. Mit der jüngsten Kurserholung hat der Grossaktionär seinen Einstandspreis nun wieder erreicht. Eine zusätzliche Prämie wird er bei einem Verkauf jedoch nicht einstreichen können. Im Gegenteil: Die Banken offerieren lediglich, das Paket von Freenet – oder Teile davon – zu einem bei Blocktransaktionen üblichen Discount zu platzieren.

Die Sunrise-Aktie seit dem Einstieg von Freenet

Kurs in Fr.

Die seit dem Kauf geflossenen Dividenden von rund 14 Fr. je Aktie plus der wieder erstarkende Franken könnten gemäss den Quellen allerdings helfen, auf dem nun erreichten Kursniveau eine einvernehmliche Lösung zu erarbeiten.

Dazu kommt, dass die ungelöste Situation mit Freenet den Kurs selbst belastet: Einerseits schürt sie Unsicherheit, ob die für die Genehmigung der Kapitalerhöhung notwendige Mehrheit der Aktionärsstimmen zustande kommt. Andererseits wirft sie die Frage auf, wer die Bezugsrechte von Freenet zeichnen soll, wenn der grösste Aktionär bei der Kapitalerhöhung nicht mitzieht.

Lösung würde Schub verleihen

Eine einvernehmliche Lösung würde gemäss Ansicht eines Fondsmanagers sofort zusätzliche Nachfrage in den Titeln auslösen und den Kurs weiter steigen lassen. Noch beisst sich die Katze in den Schwanz. Doch allein die Ankündigung einer Lösung dürfte helfen, dass der Sunrise-Kurs nun ein Niveau erklimmt, das Freenet eine Reduktion ihres Anteils zu einem akzeptablen Preis ermöglicht.

Gemäss Informationen von The Market haben die Konsortialbanken von Sunrise Investoren an der Hand, die bereit wären, von Freenet Aktienpakete zu übernehmen – im besten Fall noch vor der Kapitalerhöhung.

Mit den gelösten Mitteln könnte der Grossaktionär dann bei der Kapitalerhöhung mitziehen und eine Verwässerung verhindern. Kommt dazu, dass je höher der Kurs zum Emissionsbeginn steht, desto weniger neue Aktien geschaffen werden müssen, um das festgelegte Erlösziel von 4,1 Mrd. Fr. zu erreichen. Eine Klärung der Unsicherheiten rund um Freenet dürfte dazu beitragen.

Chance stehen gut

Noch ist es nicht so weit. Heute Donnerstag stehen erst die Halbjahreszahlen von UPC auf dem Programm. Darauf folgen die Zahlen von Sunrise. Mit negativen Überraschungen wird nicht gerechnet. Ebenso wenig beim Verdikt der Weko. Bisherige Rückmeldungen der Behörde deuten gemäss den Quellen nicht auf Auflagen hin, die den Deal gefährden würden.

Die Chancen stehen derzeit gut, dass bei Einberufung der ausserordentlichen Generalversammlung die Kapitalerhöhung wie geplant traktandiert wird – angereichert mit einer Präzisierung, wie die Situation mit Freenet gelöst worden ist.