Im Fokus

Sunrise will den UPC-Deal am Dienstag begraben

Gegen Zahlung einer Konventionalstrafe von 50 Mio. Fr. will der Sunrise-Verwaltungsrat den Kaufvertrag zu UPC schnellstmöglich kündigen. Danach soll VRP Peter Kurer abtreten.

Ruedi Keller

«Der Deal ist tot.» Mit diesen Worten hat Sunrise-CEO Olaf Swantee am 22. Oktober die Absage der ausserordentlichen Generalversammlung (a.o. GV) kommentiert, an der die Aktionäre des Telecomunternehmens über die Kapitalerhöhung zur Finanzierung der 6,4 Mrd. Fr. schweren Übernahme von UPC Schweiz hätten abstimmen sollen.

Kommenden Dienstag will Sunrise den Deal endgültig begraben. Das Ziel ist, die Unsicherheit um die Übernahme von UPC zu beenden. Dies dürfte dem Kurs neue Impulse geben.

Die Sunrise-Aktie seit Ankündigung des UPC-Deals

Der Verwaltungsrat will den mit der UPC-Eignerin Liberty Global abgeschlossenen Kaufvertrag schnellstmöglich kündigen, sagen unabhängig voneinander zwei mit den Plänen vertraute Personen gegenüber The Market.

«Eine Kündigung des Kaufvertrags zum frühestmöglichen Zeitpunkt ist das Ziel», sagt eine der Personen, nachdem sich eine Mehrheit der Sunrise-Aktionäre gegen den UPC-Deal gestellt hat. «Als Kündigungsdatum steht der 12. November fest», sagt die zweite Person.

«Entweder man hat einen Deal, oder man hat keinen», lautet die Begründung für dieses schnellstmögliche Vorgehen. Unklarheit würde eine vernünftige Weiterentwicklung von Sunrise als eigenständige Gesellschaft behindern.

Eine Sprecherin von Sunrise teilt mit: «Wir werden eine Kündigung des Vertrags zu gegebener Zeit bekannt geben.»

Fokus auf den Alleingang

Bereits auf der Agenda für die nächste Strategiesitzung des Sunrise-Verwaltungsrats würden nur Traktanden stehen, die sich auf einen Alleingang beziehen, darunter das Budget und neue Zielsetzungen, sagen die beiden Gewährspersonen.

«Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um schnellstmöglich Klarheit zu schaffen», verspricht eine von ihnen. Doch Sunrise kontrolliert in dieser Situation nicht alles – zumindest nicht bis zum 11. November.

Trickreiche Ergänzungen im Kaufvertrag

Im Zusammenhang mit der Absage der a.o. GV haben Sunrise und Liberty Global den im Februar ausgehandelten Kaufvertrag ergänzt: Käuferin Sunrise wird darin das Recht eingeräumt, gegen Zahlung einer Konventionalstrafe von 50 Mio. Fr. den Vertrag zu kündigen – neu frühestens jedoch erst nach dem 11. November und nur unter der Voraussetzung, dass Verkäuferin Liberty keine erneute Einberufung einer a.o. GV beantragt hat.

Der ergänzte Vertrag räumt Liberty das Recht ein, jederzeit eine a.o. GV zu verlangen. Sunrise muss diese binnen maximal dreissig Tagen einberufen und hat während dieser Zeit keine Möglichkeit, aus dem Vertrag auszusteigen.

Damit lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nicht abschliessend klären, ob Sunrise den vertraglich frühestmöglichen Kündigungstermin überhaupt wird wahrnehmen können.

Keine Anzeichen für ein Vorpreschen von Liberty

Greifbare Anzeichen dafür, dass Liberty Global den Deal in einem Schnellschuss retten will, gibt es allerdings nicht – selbst wenn die Berater von Liberty Global die Transaktion nicht ganz aufgegeben haben: «Das Projekt ist noch nicht gestorben», sagt einer von ihnen. Alle Möglichkeiten seien zurück auf dem Tisch. Das heisse aber nicht, dass gleich morgen ein neuer Deal stehe. «Alles ist möglich – oder auch nichts.»

Abklärungen von The Market ergeben, dass derzeit weder der Verwaltungsrat noch das Management oder die Berater von Sunrise in irgendeinem Kontakt mit Liberty stehen. «Es gab weder Anrufe noch Kontakte», bestätigen mehrere Gewährspersonen.

Gleich klingt es beim Sunrise-Grossaktionär Freenet: «Es gab keine Anfrage von Liberty, ob wir die 25% an Sunrise verkaufen würden», sagt eine mit den Vorgängen bei Freenet vertraute Person.

Keine Allianz von Liberty und Freenet 

Zudem hat Freenet der Möglichkeit eines «faulen Deals» einen Riegel geschoben: «Die Banker von Freenet sind beauftragt, sich auf keine Gespräche mit Liberty Global einzulassen, die Freenet Privilegien gegenüber anderen Sunrise-Aktionären in Aussicht stellen.»

Nicht ausgeschlossen sei, dass Freenet in ein allfälliges Übernahmeangebot von Liberty Global andienen würde, das allen Sunrise-Aktionären offenstehen würde. «Der Preis müsste jedoch sehr attraktiv sein», sagt die mit der Strategie des Grossaktionärs vertraute Auskunftsperson, die seinen Widerstand gegen den UPC-Deal begleitet hat. «Freenet fühlt sich jetzt sehr wohl mit ihrer Sunrise-Beteiligung.»

VRP Kurer steht vor dem Aus

Gegenteiliges dürfte auf Sunrise-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer zutreffen. Gegenüber Aktionären hat er gemäss ihren Aussagen mehrfach seinen Rücktritt in Aussicht gestellt für den Fall, dass der Deal scheitert.

In einem offenen Brief an den Sunrise-Verwaltungsrat und das Management fordert Sunrise-Aktionär Active Ownership nun seinen sofortigen Rücktritt, eine Sicht, die weitere Anteilseigner teilen. Alle Aktionäre, mit denen The Market gesprochen hat, verlangen, dass zumindest bis zur nächsten ordentlichen GV ein neuer Präsident gefunden sein muss.

Auch im Sunrise-Verwaltungsrat scheint sich diese Position abzuzeichnen. Von dort sind nun ebenfalls Stimmen zu vernehmen, die auf ein möglichst rasches Ausscheiden von Kurer drängen. Andere betonen: «Die Unternehmensinteressen stehen jetzt über allem.»

Ziel sei es, im Frühling mit einer sauberen Strategie und mit einem klaren Vorschlag zur Zusammensetzung des Verwaltungsrats vor die Generalversammlung zu treten – «ohne Wenn und Aber».

Die Sunrise-Sprecherin hält hingegen fest: «Peter Kurer hat nie irgendwelche Zusagen bezüglich seines Rücktritts gemacht».