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Auf welche Aktien US-Topinvestoren wetten

In den USA müssen institutionelle Anleger ihre Positionen einmal pro Quartal offen legen. Eine Analyse von The Market zeigt, in welchen Titeln Wallstreet-Legenden wie Warren Buffett, Dan Loeb und Bill Ackman am meisten Kurspotenzial ausmachen.

Christoph Gisiger

Es sieht nicht gut aus. Die Stimmung an den globalen Finanzmärkten fühlt sich immer mehr an wie bei den heftigen Verwerfungen von Ende 2018. In den USA hat der S&P 500 am Mittwoch fast 3% gebüsst, und die Zinsen tauchen weltweit auf historische Tiefststände.

Umso interessanter ist, was die besten US-Investoren im gegenwärtigen Umfeld mit ihrem Geld machen. Anhaltspunkte dazu geben die Unterlagen, die institutionelle Anleger der Börsenaufsicht SEC am Mittwochabend zu ihren Aktienbeteiligungen eingereicht haben.

Die Positionen, die vierteljährlich offengelegt werden müssen, beziehen sich auf den Stand per Ende des zweiten Quartals. Das heisst, sie können sich seither verändert haben. Dennoch wird die Publikation der sogenannten F13-Formulare in der Investmentbranche genau verfolgt.

Generelle Trends sind in den Portfolios von Top-Investoren wie Warren Buffett, Carl Icahn oder David Einhorn in der Regel selten ersichtlich. Das, weil sich ihre Anlagestile zum Teil erheblich unterscheiden und sich die bedeutendsten Engagements oft auf Spezialsituationen beziehen.

Dennoch stechen in den neusten F13-Unterlagen einige Titel heraus. Das gilt zum Beispiel für Amazon: Nachdem Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway bereits im Mai mit einem Engagement im Online-Händler überraschte, ist die Position weiter um 11% auf knapp 1 Mrd. $ gestiegen.

Die Beteiligung an Amazon erhöht hat ebenso der Hedge-Fund-Manager David Tepper. Im Portfolio seiner Anlagegesellschaft Appaloosa Management sind die Titel mit einem Gesamtwert von rund 350 Mio. $ nun zur drittgrössten Einzelposition avanciert:

Amazon

Amazon
S&P 500 (angeglichen)
Nasdaq Composite (angeglichen)

Ein anderes Papier, das in den neusten F13-Filings öfters vorkommt, ist United Technologies. Das Industriekonglomerat, das sich in einem Aufspaltungsprozess befindet, spielt beispielsweise in den Portfolios von Bill Ackman und Dan Loeb eine prominente Rolle.

Beide Investoren haben das Engagement in den vergangenen Monaten allerdings reduziert:

United Technologies

United Technologies
S&P 500 (angeglichen)
Dow Jones Industrial (angeglichen)

Ackman macht auch mit einem weiteren Engagement von sich reden. Sein Hedge Fund Pershing Square meldet eine knapp 700 Mio. $ grosse Beteiligung an Berkshire Hathaway. Es ist die erste neue Position Ackmans, seit er letzten Herbst bei Starbucks eingestiegen ist.

Hier nun ein genauerer Blick auf die US-Aktienportfolios von sechs Top-Investoren:

Bild: Daniel Acker/Bloomberg

Bild: Daniel Acker/Bloomberg

Warren Buffett, Berkshire Hathaway

Das über 200 Mrd. $ schwere Portfolio von Berkshire Hathaway hat sich im zweiten Quartal wenig verändert. Abgesehen von Amazon hat Buffetts Anlagevehikel die Positionen in Bank of America und U.S. Bancorp leicht erhöht.

Minim gesunken ist im Gegensatz dazu das Engagement beim Kabelbetreiber Charter. Wenig Freude dürfte Buffett ausserdem die bedeutende Position in Kraft Heinz bereiten.

Die Titel des Nahrungsmittelriesen sind seit dem enttäuschenden Quartalsergebnis von vergangener Woche über 17% auf ein Allzeittief von 25.52 $ eingebrochen. In den letzten zwei Jahren haben sie rund 70% an Terrain verloren.

Buffett hat dazu bereits vor einigen Wochen eingeräumt, dass er bei dieser Beteiligung «einen Fehler gemacht und zu viel bezahlt» habe.

Das mit Abstand grösste Aktienengagement im Berkshire-Aktienportfolio bleibt Apple mit fast 50 Mrd. $.

Grösste Positionen

Gesamtportfolio: 208,1 Mrd. $
in Mrd. $ Veränderung Anteil am Unternehmen Im Portfolio seit
Apple 49,4
0% 5.1% Q1 2016
Bank of America 26,9
3% 9.1% Q3 2017
Coca-Cola 20,4
0% 9.4% Q1 2001
Wells Fargo 19,4
0% 8.4% Q1 2001
American Express 18,7
0% 18.0% Q1 2001
Kraft Heinz 10,1
0% 26.7% Q3 2015
U.S. Bancorp 6,9
2% 8.3% Q1 2006
JPMorgan 6,7
0% 1.7% Q3 2018
Moody's 4,8
0% 13.1% Q1 2001
Delta Air Lines 4
0% 10.4% Q3 2016
Goldman Sachs 3,8
0% 5.0% Q4 2013
BNY Mellon 3,6
0% 8.5% Q3 2010
General Motors 2,8
0% 5.1% Q1 2012
Southwest Airlines 2,7
0% 9.9% Q4 2016
VeriSign 2,7
0% 10.8% Q4 2012
Bild: Victor Blue/Bloomberg

Bild: Victor Blue/Bloomberg

Carl Icahn, Icahn Capital

Mehr Bewegung gibt es bei Carl Icahn. Der aktivistische Investor hat seine Beteiligung in Caesars Entertainment erheblich ausgebaut und die Kasino-Gruppe erfolgreich dazu gedrängt, sich an den Konkurrenten Eldorado Resorts zu verkaufen.

Neu in seinem Portfolio ist eine 370 Mio. $ grosse Beteiligung an Cloudera, einem kriselnden Spezialisten für Unternehmenssoftware, der sich vor Kurzem mit seinem grössten Rivalen zusammengeschlossen hat.

Getrennt hat sich Icahn derweil vom Fracking-Konzern Diamondback Energy. Andere Investments wie Cheniere Energy und Occidental Petroleum zeigen jedoch, dass er Energieaktien weiterhin viel Gewicht zumisst.

Allerdings fühlt sich der 83-Jährige als Grossinvestor von Occidental schlecht behandelt. Konkret enerviert er sich über die «Sonderbehandlung» seines Co-Aktionärs Warren Buffett, der sich am Ölkonzern mit 10 Mrd. $ zur Finanzierung der Übernahme des Brachennachbarn Anadarko beteiligt hat.

Grösste Positionen

Gesamtportfolio: 26,5 Mrd. $
in Mio. $ Veränderung Anteil am Unternehmen Im Portfolio seit
CVR Energy 3559
0% 70.8% Q4 2011
Occidental Petroleum 1672
Neu 4.4% Q2 2019
Herbalife 1506
0% 23.0% Q1 2013
Cheniere Energy 1478
-1% 8.4% Q2 2015
Caesars Entertainment 1398
20% 17.8% Q1 2019
Xerox 687
0% 10.2% Q3 2015
Newell Brands 634
0% 9.7% Q1 2018
Hertz Global 631
-11% 49.8% Q3 2014
Navistar 576
0% 16.9% Q3 2011
Freeport-McMoRan 513
-0.2% 3.0% Q3 2015
Cloudera 370
Neu 20.4% Q2 2019
Conduent 243
14% 17.2% Q4 2016
Herc 206
0% 15.7% Q2 2016
Welbilt 168
0% 7.2% Q1 2016
Tenneco 63
0% 9.9% Q4 2018
Bild: Jeenah Moon/Bloomberg

Bild: Jeenah Moon/Bloomberg

Seth Klarman, Baupost Group

Seth Klarman fliegt im Gegensatz zu Icahn am liebsten unter dem Radar. Der Milliardär aus Boston wird in der Branche dafür geachtet, dass seine 1982 gegründete Investmentfirma Baupost bislang nur in zwei Jahren eine negative Rendite verzeichnet hat.

Seine Investmentphilosophie fasst Klarman im 1991 publizierten Buch «Margin of Safety» zusammen. Es ist längst vergriffen und kostet auf dem Sekundärmarkt rund 1400 $.

Klarman, der zu den Hardlinern unter den Value-Investoren gehört, setzt kein Fremdkapital ein, um seine Performance zu steigern. Sein Ziel ist primär der Kapitalerhalt. Im Gegensatz zu anderen Stars der Hedge-Fund-Szene sorgt er deshalb selten mit spektakulären Deals für Gesprächsstoff.

Im zweiten Quartal hat Klarman eine neue Position im Logistikonzern XPO aufgebaut – seiner Ansicht nach wohl ein Schnäppchen, sind die Titel seit letztem Herbst doch über 40% eingebrochen.

Grundsätzlich kommt Aktien aus den Bereichen Medien und Gesundheit in Klarmans Portfolio gegenwärtig ein grosses Gewicht zu. Deutlich ausgebaut hat er etwa das Engagement im Pharma-Riesen Bristol-Myers Squibb.

Getrimmt hat er im Gegenzug die Position beim Versicherer Synchrony Financial. Das Gleiche gilt für die Medikamenten-Distributoren McKesson und AmerisourceBergen, die in Opioid-Klagen verwickelt sind. Ganz aus dem Portefeuille verschwunden ist Disney.

Grösste Positionen

Gesamtportfolio: 10,7 Mrd. $
in Mio. $ Veränderung Anteil am Unternehmen Im Portfolio seit
Liberty Global 1313
7% 6.7% Q3 2018
Fox 1209
0% 6.9% Q1 2019
Viasat 1110
0% 22.7% Q2 2008
eBay 954
-17% 2.6% Q4 2018
Cheniere Energy 731
-15% 4.1% Q1 2014
Allergan 616
-22% 1.1% Q1 2016
Bristol-Myers Squibb 590
225% 0.8% Q1 2019
Qorvo 578
-18% 7.4% Q1 2017
PG&E 562
0% 4.6% Q1 2018
CBS 499
17% 2.7% Q4 2018
McKesson 349
-7% 1.4% Q4 2016
Synchrony Financial 321
-35% 1.3% Q3 2016
Colony Capital 248
0% 9.2% Q3 2016
Univar 209
0% 5.6% Q3 2018
AmerisourceBergen 189
-7% 1.0% Q4 2016
Bild: David Morris/Bloomberg

Bild: David Morris/Bloomberg

Dan Loeb, Third Point

Dan Loeb verdient sein Geld meist mit Spezialsituationen. Der Aktionärs-Aktivist aus New York ist in der Schweiz vor allem für sein Engagement in Nestlé bekannt, wobei er den Konzern nach anfänglicher Kritik zuletzt für den Verkauf der Hautpflege-Sparte gelobt hat.

Aktive Engagements in Nestlé, Baxter International, United Technologies, Campbell Soup, Sony und Sotheby's hätten massgeblich zur guten Performance seiner Investmentfirma Third Point im ersten Halbjahr beigetragen, hält Loeb dazu im jüngsten Aktionärsbrief fest.

Trotz der wachsenden Nervosität an den Märkten gibt er sich für das zweite Semester optimistisch und rechnet nicht mit einer gravierenden Konjunkturschwäche: «Wir erwarten, dass sich das Wachstum im restlichen Verlauf des Jahres stabilisiert», schreibt er an seine Investoren.

Third Point hat im zweiten Quartal unter anderem neue Positionen in den Börsenneulingen Zoom Video und CrowdStrike aufgebaut. Allerdings handelt es sich um verhältnismässig bescheidene Engagements im Umfang von 18 respektive 7 Mio. $.

Erhöht hat Loeb vor allem die Beteiligungen an Netflix und Sotheby's, wogegen er mit Baxter, Campbell und United Technologies seine drei grössten Engagements zum Teil deutlich verringert hat.

Kein Potenzial mehr sieht er in American Express sowie im Bier- und Spirituosenhersteller Constellation Brands. Beide Positionen sind per Ende Juni liquidiert worden.

Grösste Positionen

Gesamtportfolio: 8,5 Mrd. $
in Mio. $ Veränderung Anteil am Unternehmen Im Portfolio seit
Baxter International 1884
-17% 4.5% Q2 2015
United Technologies 781
-7% 0.7% Q1 2018
Campbell Soup 741
-11% 6.1% Q2 2018
Danaher 530
0% 0.5% Q3 2015
PayPal 401
0% 0.3% Q2 2018
Sotheby's 387
0% 14.4% Q1 2013
Fox 385
7% 2.2% Q1 2019
Adobe 273
2% 0.2% Q1 2018
Worldpay 270
0% 1.2% Q3 2017
Visa 260
0% 0.1% Q2 2018
Iqvia 257
-1% 0.8% Q3 2018
Boston Scientific 236
10% 0.4% Q1 2019
Marathon Petroleum 224
14% 0.6% Q3 2017
salesforce.com 197
10% 0.2% Q1 2018
Netflix 184
25% 0.1% Q4 2017
Bild: Christopher Goodney/Bloomberg

Bild: Christopher Goodney/Bloomberg

Bill Ackman, Pershing Square Capital

Bill Ackman feiert ein eindrückliches Comeback. Der kontroverse Hedge-Fund-Manager, der nur in eine Handvoll Unternehmen investiert, ist dieses Jahr sogar auf dem Weg zur einer Rekordperformance.

Seine Investmentgesellschaft Pershing Square hat bis im August einen Vermögenszuwachs von annähernd 48% verzeichnet, berichtet der Börsensender CNBC. Das, nachdem ihr Portfolio vom Höchststand Ende 2015 bis Anfang 2018 um fast die Hälfte auf 10 Mrd. $ geschrumpft war.

Ausser den erwähnten Veränderungen im Fall von Berkshire und United Technologies hat Ackman im zweiten Quartal keine grösseren Eingriffe vorgenommen. Er hat seine Positionen jedoch mehrheitlich getrimmt, was speziell für die Fastfood-Kette Restaurant Brands (Burger King) gilt.

Reduziert hat Pershing Square ebenso die Engagements in Chipotle, Starbucks und in der Baumarktkette Lowe’s: alles Unternehmen, die in hohem Grad vom amerikanischen Konsumenten abhängen.

Grösste Positionen

Gesamtportfolio: 6,7 Mrd. $
in Mio. $ Veränderung Anteil am Unternehmen Im Portfolio seit
Chipotle Mexican Grill 1307
-4% 6.4% Q3 2016
Restaurant Brands 1088
-14% 6.1% Q4 2014
Hilton Worldwide 1072
0% 3.8% Q4 2018
Lowe's 898
-4% 1.1% Q2 2018
Starbucks 781
-6% 0.7% Q4 2018
Berkshire Hathaway 749
Neu 0.1% Q2 2019
ADP 666
0% 0.9% Q2 2017
Howard Hughes 148
0% 2.8% Q4 2010
Bild: Andrew Harrer/Bloomberg

Bild: Andrew Harrer/Bloomberg

David Einhorn, Greenlight Capital

Auch David Einhorn läuft es wieder besser. Noch vor wenigen Jahren ein absoluter Superstar in der Hedge-Fund-Gilde, hat er mit seiner Investmentfirma Greenlight Capital einen drastischen Abfluss von Kundengeldern erlitten.

Der passionierte Pokerspieler, der sich während der Finanzkrise mit der Wette gegen Lehman Brothers einen Namen machte, hat im zweiten Quartal mitunter von der Short-Position in Tesla profitiert.

In seinem Korb von «Bubble»-Aktien setzt er ebenso auf den Absturz anderer Überflieger wie Amazon und Netflix. Vor wenigen Wochen sorgte er zudem mit einer negativen Einschätzung zu US-Unternehmenskrediten für Aufmerksamkeit.

Mit General Motors hat Einhorn seine grösste Position erneut deutlich reduziert. Auch beim Kabelbetreiber Altice USA und bei der Flugzeug-Leasinggesellschaft AerCap ist er vorsichtiger geworden.

Neu in seinem Portfolio sind andererseits der Spielautomatenhersteller Scientific Games sowie der Gebrauchtwagenhändler KAR Auction Services.

Grösste Positionen

Gesamtportfolio: 1,4 Mrd. $
in Mio. $ Veränderung Anteil am Unternehmen Im Portfolio seit
General Motors 226
-35% 0.4% Q1 2015
Green Brick Partners 200
0% 47.6% Q2 2007
AerCap 181
-16% 2.3% Q2 2014
Brighthouse Financial 121
0% 2.8% Q3 2017
Consol Coal 91
0% 47.3% Q3 2015
Chemours 89
7% 2.3% Q4 2018
Altice USA 78
-22% 0.5% Q3 2018
Adient 53
10% 2.3% Q2 2017
CNX Resources 43
1% 3.0% Q3 2014
Tempur Sealy 35
-28% 0.9% Q2 2017
Scientific Games 30
Neu 1.6% Q2 2019
Hilton Grand Vacations 28
-22% 1.0% Q4 2018
Medicines Company 27
-22% 1.0% Q4 2017
EchoStar 26
-1% 0.6% Q4 2018
Dillard's 25
2% 1.5% Q4 2018