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Warum UBS und Credit Suisse positiv überraschen werden 

Entgegen dem Trend könnten die Schweizer Grossbanken im zweiten Quartal mit guten Ergebnissen im Investment Banking glänzen. Bei UBS dürften die Schwierigkeiten im Wealth Management indes anhalten. Bei der CS-Vermögensverwaltung wirft das starke Ertragswachstum Fragen auf.

Ruedi Keller

Fünf US-Grossbanken haben diese Woche Halbjahreszahlen vorgelegt: Citi, JPMorgan, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley. Mit Ausnahme der letzten beiden haben sie alle den Gewinn deutlich gesteigert.

Am Dienstag präsentiert UBS ihre Zahlen. Das Quartalsergebnis der Credit Suisse folgt am 31. Juli. Welche Rückschlüsse lassen sich aus den US-Resultaten auf die Ergebnisse der beiden Schweizer Grossbanken ziehen?

Keine guten Vorzeichen aus den USA

Auf den ersten Blick verheissen die Zahlen nichts Gutes: Die Gewinnsteigerungen der US-Banken stammen primär aus dem Heimmarkt und dort aus dem Privatkundengeschäft. Credit Suisse und UBS betreiben dieses Geschäft so nicht. Sie zielen mit ihrem Wealth Management global auf eine deutlich reichere und anspruchsvollere Kundschaft. Ihr Retail-Geschäft beschränkt sich auf die Schweiz.

Das Investment Banking – hier können Rückschlüsse gezogen werden – stand bei allen fünf US-Instituten unter Druck. Besonders der Aktienhandel litt im Quartal, etwas weniger der Bereich Festverzinsliche. Auch die Beratung von Übernahmen und das Emissionsgeschäft harzten, vor allem bei Goldman Sachs.

Gerade im Aktienhandel, der besonders unter Druck stand, sind die Schweizer traditionell stark, vor allem UBS (vgl. Grafik). Credit Suisse hatte in diesem Bereich im Vorjahr Marktanteile eingebüsst, entsprechend tief liegen die Erwartungen jetzt – was Raum für positive Überraschungen schafft. Denn eine Belebung in diesem Geschäft schlägt sofort auf den Gewinn durch. UBS hat ihre Position zwar halten können, sollte wegen ihrer geografischen Breite jedoch nicht stärker leiden als die US-Konkurrenz.

Der Geschäftsmix der UBS-Investmentbank

Geschäftsjahr 2018
Aktienhandel
Festverzinsliche
Beratung (M&A, Equity Capital Market, Debt Capital Market)

Der Geschäftsmix der CS-Investmentbank

Geschäftsjahr 2018
Aktienhandel
Festverzinsliche
Beratung (M&A, Equity Capital Market, Debt Capital Market)

Enttäuschungspotenzial bietet UBS beim Handel mit Festverzinslichen: «Rund zwei Drittel des Bereichs macht der Währungshandel aus», sagt Vontobel-Analyst Andreas Venditti. Im Vorjahresquartal herrschte ein reger Devisenhandel. Dieses Jahr ortet der Analyst erst zum Quartalsende eine Belebung. Ein entsprechend schwaches Handelsergebnis der UBS erwartet er.

Überraschungspotenzial bietet das Beratungs- und Emissionsgeschäft

Deutlich positiv überraschen könnten sowohl Credit Suisse als auch UBS im Beratungsgeschäft. Hier hatten die Schweizer Grossbanken zuletzt Terrain eingebüsst. Doch die Zeichen stehen sehr gut, dass sie im Quartal sowie im Jahresvergleich markante Fortschritte erzielt haben.

UBS konnte entgegen dem Trend im zweiten Quartal wieder deutlich mehr Übernahmen und Fusionen abschliessen, bei denen sie beraten hat, was die Gebühren fliessen lässt. Zahlen von Dealogic zeigen zudem, dass beide Banken im Aktienemissionsgeschäft einen klar stärkeren Zuwachs verzeichnet haben als die US-Konkurrenz, dies besonders in Asien.

Die tiefe Vergleichsbasis sowie die gegenüber Vorjahr deutlich vorteilhaftere Kostenstruktur eröffnen Credit Suisse im Emissions- sowie im Handelsgeschäft Raum für positive Überraschungen. Bei UBS sind die Erwartungen an das Investment Banking derweil derart tief, dass es eigentlich nur besser kommen kann.

Die Konsenserwartung für das zweite Quartal der CS

in Mio. Fr.
2Q 18 1Q 19 2Q 19 QoQ % YoY %
Ertrag 5595 5387 5341 –0,9 –4,5
Aufwand 4470 4244 4164 –1,9 –6,8
Vorsteuergewinn 1052 1062 1124 5,8 6,8
Gewinn 647 749 788 5,2 21,8
Vorsteuergewinn nach Division
Schweizer Universalbank 553 550 560 1,8 1,3
International Wealth Management 433 523 455 –13 5,1
Asia Pacific 217 183 197 7,7 –9,2
Global Markets 148 282 256 –9,2 73
Investment Banking & Capital Markets 110 –93 11 –90

Die Konsenserwartung für das zweite Quartal der UBS

Bereinigte Zahlen in Mio. $
2Q 18 1Q 19 2Q 19 QoQ % YoY %
Ertrag 7673 7239 7319 1,1 –4,6
Aufwand 5823 5641 5835 3,4 0,2
Vorsteuergewinn 1821 1577 1457 –7,6 –20
Gewinn 1382 1141 1038 –9 –24,9
Vorsteuergewinn nach Division
Global Wealth Management 1061 874 960 9,8 –9,5
Personal & Corporate Banking 356 391 370 –5,3 3,9
Asset Management 122 109 115 5,4 –5,8
Investment Bank 574 220 344 56,1 –40,1

Die UBS-Paradedisziplin verharrt im Kriechgang

Weniger rosig stehen die Zeichen für das Global Wealth Management der UBS. Der Schub der Börsen des ersten Halbjahres fand hauptsächlich im Auftaktquartal statt. Im zweiten Quartal haben die Aktienmärkte im Schnitt noch gut 3% zugelegt. Die verwalteten Vermögen dürften kaum halb so schnell vorangekommen sein, da maximal 50% der Vermögen in Aktien investiert sind.

Das im Quartal neu akquirierte Geld kann wohl vernachlässigt werden. Was aus Asien und der Schweiz neu dazukam, dürfte in den USA wegen der dort im zweiten Quartal fälligen Steuern abgeflossen sein.

Potenzial bietet die Kostenseite

Die durchschnittlich verdiente Marge sollte theoretisch zwar überproportional zum ausgewiesenen Vermögensstand zulegen. Doch der anhaltende Margendruck sowie weiterhin handelsscheue Kunden dürften diesen Effekt bei UBS ins Gegenteil verkehrt haben.

Potenzial bietet somit hauptsächlich die Kostenseite. Die gebremsten Rekrutierungen in den USA sollten im zweiten Quartal sichtbar sein. Auf globaler Basis werden die von CEO Sergio Ermotti angekündigten zusätzlichen Sparmassnahmen von 300 Mio. $ jedoch erst ab der zweiten Jahreshälfte voll wirken.

Die CS-Vermögensverwaltung hat einen Lauf

Ganz anders die Historie der Credit Suisse: Seit der Neuausrichtung hat ihr International Wealth Management (IWM) den Vorsteuergewinn jährlich rund 20% gesteigert. Auch im abgelaufenen Quartal ist Credit Suisse zuzutrauen, die Rivalin beim Neugeld erneut auszustechen, ebenso beim Kreditgeschäft. Der zum Quartalsende erstarkte Franken drückt als Berichtswährung anders als bei UBS den ausgewiesenen Wert der verwalteten Vermögen, was die stichtagbezogene Marge bei Credit Suisse noch höher erscheinen lässt.

Überraschungspotenzial bietet das IWM wegen der auffallend handelsfreudigen Kundschaft: Bereits in den vergangenen Quartalen hat die Division entgegen dem Trend einen steigenden transaktionsabhängigen Ertrag gezeigt, zuletzt im weitherum schwierigen Auftaktquartal.

Eine schwer erklärbare Anomalie

Ein Grund für diese Anomalie könnte im Joint Venture namens International Trading Solutions (ITS) liegen, die das IWM und die Schweizer Universalbank mit der Handelssparte der Credit Suisse betreiben. Die Investmentbanker von Global Markets schnüren darin Produkte für die Privatbankkundschaft. Der Ertrag wird aufgeteilt, der Schlüssel dazu ist allerdings nicht öffentlich. Dies nährt die Vermutung, Credit Suisse könnte den Ertrag bevorzugt im höher bewerteten Vermögensverwaltungsgeschäft ausweisen.

Vontobel-Analyst Andreas Venditti hat ausgerechnet, dass diese Anomalie beim IWM der Credit Suisse – ein Plus von 14% des transaktionsabhängigen Ertrags im ersten Quartal, während beispielsweise UBS ein Minus von 20% verzeichnete – einen Zusatzertrag von über 100 Mio. Fr. ausmacht. Dies entspricht mehr als einem Viertel des transaktionsabhängigen Quartalsertrags des IWM oder rund 10% der gesamten Einnahmen des Private Banking der Division.

Positive Gewinnüberraschungen liegen in der Luft

Die Chance auf positive Schlagzeilen zum Ergebnis des zweiten Quartals bietet sich angesichts dieser Ausgangslage beiden Banken.

Doch die Herkunft der Zusatzerträge, die gemäss dieser Analyse über die Konsenserwartung hinaus anfallen dürften, wird kaum nach dem Geschmack der Investoren sein: Bei UBS dürfte es erneut die Investmentbank sein, die positiv hervorsticht. Der Paradedisziplin Global Wealth Management hingegen droht ein weiteres Quartal ohne Wachstumsimpuls.

Auch bei Credit Suisse ist die Ausgangslage für Verbesserungen im Investment Banking zu suchen – im Handelsgeschäft von Global Markets, dank tiefer Vergleichsbasis sowie einer markant verbesserten Kostenstruktur. Positiv überraschen könnte zudem das Asiengeschäft, das in den Vorquartalen geschwächelt hat und jetzt wieder Zeichen der Belebung sendet.

Bei dem schon fast erwartbaren weiteren Wachstum im Zugpferd IWM hingegen stellt sich die Frage: Müsste ein Teil dieser Zusatzeinnahmen nicht eher dem Handelsgeschäft der Investmentbank zugeordnet werden?

Die Gewinnrevisionen

Der Einjahresverlauf der Konsensschätzung für den Gewinn 2019 je Aktie
UBS
Credit Suisse