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Was Iqbal Khan bei UBS bewirken kann

Der hochgelobte CS-Banker wird neuer Co-Leiter der UBS-Superdivision Global Wealth Management. Diese braucht dringend neuen Schub.

Ruedi Keller

Die grösste Stärke von UBS ist zugleich ihr grösstes Problem: Mit verwalteten Vermögen von 2,5 Bio. $ ist die Schweizer Grossbank zwar die weltgrösste Vermögensverwaltungsbank. Doch seit Jahren stagniert der Gewinn, den sie aus diesem Geschäft ziehen kann.

Die Folge: Im August hat sich die UBS-Aktie den Tiefstständen von 2011 genähert und ist erstmals seit zehn Jahren vorübergehend wieder unter die Marke von 10 Fr. abgetaucht.

Die UBS-Aktie

Am Donnerstag hat die Bank nun eine Weiche gestellt: Iqbal Khan soll dem Global Wealth Management der UBS neuen Schwung verleihen. Ab Oktober wird er die Superdivision Global Wealth Management führen, zusammen mit dem bisherigen und für das US-Geschäft verantwortlichen Co-Chef Tom Naratil. Der amtierende Co-Chef, Martin Blessing, wird UBS per Ende Jahr verlassen.

Erfolg bei der Neuausrichtung

Khan kommt von Credit Suisse, bei der er diesen Sommer überraschend ausgeschieden ist. Dort hat der Schweizer mit pakistanischen Wurzeln seit der Neuausrichtung unter CEO Tidjane Thiam höchst erfolgreich das International Wealth Management geleitet. In den vier Jahren der Restrukturierung hat Khan den bereinigten Vorsteuergewinn der Division um die Hälfte auf über 1,8 Mrd. Fr. gehoben.

Unter seiner Führung sind der Division in diesem Zeitraum netto 52 Mrd. Fr. neue Private-Banking-Gelder zugeflossen, wobei Khan es verstand, die Ertragsmarge nahezu konstant zu halten.

UBS hat mit ihrem Emea-Vermögensverwaltungsgeschäft (Emea steht für Europa, Naher Osten und Afrika) – es lässt sich am ehesten mit dem International Wealth Management der Credit Suisse vergleichen – im selben Zeitraum zwar fast ebenso viel Neugeld angezogen. Angesichts ihres Grössenvorsprungs ist dies jedoch ein prozentual deutlich schwächeres Wachstum.

Margenschwund plagt UBS

Das grösste Problem von UBS ist allerdings der Margenschwund: Obwohl sie auf Anfang 2018 ihr globales Private Banking mit der US-Vermögensverwaltung zu einer einzigen Superdivision zusammengeführt hat, steht die Gewinnmarge weiterhin unter Druck.

Entwicklung der Marge im Global Wealth Management

Nettomarge in Basispunkten

Dies trotz Grössenvorteilen in dreifacher Hinsicht: Erstens verwaltet UBS mehr als ein doppelt so grosses Volumen an Privatvermögen wie Credit Suisse. Statt auf drei Divisionen verteilt wie bei Credit Suisse, hat UBS es zweitens in einer einzigen Division gebündelt. Und drittens sind die von UBS verwalteten Vermögen in den letzten drei Jahren um 20% gewachsen – alles freilich ohne sichtbaren Erfolg für den Divisionsgewinn.

Entwicklung der verwalteten Vermögen im Global Wealth Management

in Mrd. $

Gewinnentwicklung von Global Wealth Management

Operativer Vorsteuergewinn pro Quartal in Mio. $

Die Knacknuss ist: Die Einnahmen des Global Wealth Management sinken trotz wachsender Vermögensbasis, während die Kosten nahezu konstant bleiben. CEO Sergio Ermotti hat angesichts der angespannten Lage zwar taktische Kosteneinsparungen in Aussicht gestellt. Tiefgreifende Einschnitte will er jedoch vermeiden, um künftiges Wachstumspotenzial zu erhalten.

Ertrag und Aufwand von Global Wealth Management

Entwicklung pro Quartal in Mrd. $
Ertrag
Aufwand

Iqbal Khan scheint der richtige Mann für diese Aufgabe zu sein: Auf Konzernebene hat zwar eine drastische Kostenreduktion den Erfolg des Umbaus von Credit Suisse gesichert. Nicht so jedoch in Khans Division: Die Gewinnsteigerung im International Wealth Management fusst auf einem Ertrag, der 2018 rund 1 Mrd. Fr. höher lag als zu Beginn der Neuausrichtung. Die Kosten der Division sind nahezu konstant geblieben.

Zinsgeschäft als wichtiger Pfeiler

Auffallend dabei ist der hohe und weiter steigende Anteil, den das Zinsergebnis zum Gewinn der Vermögensverwaltung der Credit Suisse beisteuert. In dem von Khan geleiteten Private Banking ist das Zinsdifferenzgeschäft die Haupteinnahmequelle. Allerdings fliesst darin auch das Finanzierungsgeschäft ein, das UBS so nicht führt.

Zufall ist das nicht: Khan hatte zu Beginn seiner Amtszeit bei Credit Suisse in einem Interview betont, welche Bedeutung er dem Bilanzgeschäft in der Vermögensverwaltung zumessen will: «Wir haben das Ziel, das Kreditvolumen auf 15% der verwalteten Vermögen auszudehnen», sagte er 2016 im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». Die Bareinlagen der Vermögensverwaltungskunden würden sich so auch im Negativzinsumfeld für die Bank gewinnbringend einsetzen lassen, begründete er. Zusatznutzen: «Die vergebenen Kredite unterstützen uns bei der Gewinnung von Neugeldern.»

Bei UBS macht das Zinsgeschäft derzeit nur rund ein Drittel der Einnahmen der Vermögensverwaltung aus – und es sinkt. Gut möglich, dass Khan hier ansetzen wird.

Aus der Bank heraus ist zudem der Wunsch zu hören, Khan möge einen Kulturwandel einleiten. Der abtretende Blessing hat den Zusammenschluss der beiden zuvor getrennt arbeitenden Vermögensverwaltungseinheiten zwar gewissenhaft vorangetrieben. Eine Vision, wohin die Reise führen soll, suchte man bei ihm zuletzt jedoch vergeblich. Diesen Sommer soll er selbst um seine Ablösung gebeten haben.

Hat die Superdivision Bestand?

Völlig offen ist, welchen Einfluss Khan in seiner Funktion als Co-Chef auf die erst vor gut anderthalb Jahre gebildete Superdivision ausüben wird: Ist er in der Lage, die erhofften, aber bislang nicht greifbar gewordenen Synergien zu realisieren? Wird er auf einen Rückbau der kulturell und organisatorisch höchst unterschiedlich operierenden Teilbereiche hinarbeiten – ähnlich, wie dies Credit Suisse umgesetzt hat?

Die langfristig für Khan wie auch die Bank entscheidendste Frage wird jedoch sein: Soll Khan dereinst als Nachfolger von CEO Ermotti an die Spitze von UBS gehoben werden?

Khan ist im Private Banking zu Hause. Im Investment Banking besitzt er keine Erfahrung. Falls er zum neuen CEO aufgebaut werden soll, müsste nicht nur er sich an UBS anpassen, sondern die Bank sich auch an ihn. Sprich: Die Investmentbank müsste drastisch reduziert oder weitgehend verselbständigt werden.

Szenarien, wie beispielsweise Teile der Investmentbank mit Geschäftsfeldern der Deutschen Bank zusammengeschlossen werden können, sollen gemäss einem Bericht des «Wall Street Journal» jedenfalls bereits evaluiert worden sein.