Im Fokus

Zwei neue Schweizer Unternehmen in der Qualitätsauswahl

The Market macht sich monatlich auf die Suche nach günstig bewerteten Qualitätsaktien. Die grössten Verschiebungen gab es in Europa.

Gregor Mast

Die Börsen fahren derzeit zweigleisig. Aktien von Wachstumsunternehmen kennen kein Halten, während zyklische Titel leiden. Das hat The Market veranlasst, nach vernünftig bewerteten Qualitätsunternehmen zu suchen.

Die erste Staffel dieser Auswahl für die Börsen der Schweiz, der USA und Europas wurde im April lanciert, seither erstellen wir monatlich ein Update. Dieses ist nun fällig.

Zur Erinnerung: The Market sucht nach Aktien von Unternehmen, die eine höhere Kapitalrendite erzielen, ihre Schulden besser tragen können und günstiger bewertet sind als ihr jeweiliger Vergleichsindex.

Regionale Spezialitäten

Als Kriterien werden die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Return on Invested Capital, ROIC), das Verhältnis Nettoschulden zu Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen) sowie das Verhältnis Unternehmenswert (Enterprise Value, EV) zu Ebit verwendet.

In jeder Region wird in der Auswahlmethodik je nach Aussagekraft zusätzlich ein viertes Kriterium angewendet. In der Schweiz ist es das Wachstum des Buchwerts je Aktie über fünf Jahre, in den USA die totale Ausschüttungsrendite – gemeint ist die Summe aus Dividenden und Netto-Aktienrückkäufen im Verhältnis zum Unternehmenswert – und in Europa das Momentum der Gewinnprognosen.

Strategie funktioniert im Juli nur in den USA

Im Juli hat die Strategie nur in den USA funktioniert. Dort schnitten sowohl die nach EV/Ebit günstigsten zwanzig Werte (2,3%) als auch die zwanzig Werte mit der höchsten Ausschüttungsrendite (2%) besser ab als der S&P 500, der 0,8% gestiegen ist.

Die europäische Auswahl verlor 2% und damit mehr als der Stoxx Europe 600, der 0,7% gesunken ist. Die Schweizer Selektion notiert 1,7% niedriger, der SPI gab 0,6% ab. Beide Auswahlen litten unter ihrer zyklischen Ausrichtung.

Die neue Schweizer Auswahl

Doch was hat sich seit Anfang Juli geändert?

In der Schweiz erfüllen fünfzehn Unternehmen aus dem SPI alle Kriterien – eines mehr als im Vormonat. Neu hinzugekommen sind der Lagerlogistiker Kardex und der Verbundwerkstoffspezialist Schweiter. Nicht mehr dabei ist Georg Fischer.

Die günstigsten Schweizer Qualitätswerte

Ticker Name Kurs ROIC (in %) Nettoschulden/Ebitda Wachstum Buchwert über 5 Jahre (in %) EV/Ebit
ADVN SW Equity Adval Tech 163 6,6 –1,2 14 7,2
STRN SW Equity Schlatter 42 13,7 –2,3 7,7 9
CALN SW Equity Calida 27,9 7,6 –0,5 4,1 10,6
BUCN SW Equity Bucher 303,8 11,8 –0,4 6,9 10,8
UBXN SW Equity U-Blox 82,6 8,5 –0,3 12 11,7
CFT SW Equity Comp. Fin. Tradition 102,5 6,5 0 5,6 12,5
TIBN SW Equity Titlis-Bahnen 344 9,5 –0,5 12 13,1
JFN SW Equity Jungfraubahn 147 8 –0,5 5,3 13,4
UHR SW Equity Swatch Group 295,3 7,8 –0,7 4,2 13,9
VZN SW Equity VZ Holding 275 14,9 –3,9 13 14,6
DKSH SW Equity DKSH 50,55 9,1 0,1 4,7 14,8
ROG SW Equity Roche 268,55 25,1 0,4 9,8 15,4
SWTQ SW Equity Schweiter 1026 7,4 –1 3 16,4
KARN SW Equity Kardex 149 26,2 –2,2 7,5 17
SCHP SW Equity Schindler 227,7 24,8 –1,4 8,9 17,7
Median des SPI 5,6 0,7 2,9 18,1

Bei Georg Fischer ist das Verhältnis aus Nettoschulden zum Ebitda auf 0,9 gestiegen. Das ist immer noch ein exzellenter Wert, er liegt aber über dem Median (0,7) der im SPI vertretenen Unternehmen.

Kardex hat am Dienstag überzeugende Zahlen vorgelegt. Einzig der Auftragseingang fiel mit einem Minus von 2,5% zum Vorjahr leicht schwächer aus. Wegen voller Auftragsbücher gibt sich das Management zuversichtlich für die zweite Jahreshälfte.

Schweiter profitiert von Windenergie

Schweiter profitiert gemäss den Analysten von UBS vom starken Momentum im Windgeschäft, das rund 10% des Umsatzes ausmacht. Der Display-Bereich, mit einem Umsatzanteil von rund 60% das grösste Segment, werde wohl unter der Zurückhaltung der Kunden leiden.

Stützend wirkt der Rückgang des Aluminiumpreises. Die UBS-Analysten rechnen jedoch damit, dass die niedrigeren Kosten an die Kunden weitergegeben werden müssen. Schweiter wird am 15. August rapportieren.

Comeback in den USA

Wenig Bewegung gab es in den USA, wo sich 78 Unternehmen aus dem S&P 500 qualifizieren. Neu unter den zwanzig günstigsten Werten nach EV/Ebit finden sich Delta Airlines und der Getriebehersteller BorgWarner, der ein Comeback gibt.

Die günstigsten US-Qualitätsaktien

Die zwanzig US-Qualitätswerte mit dem niedrigsten Verhältnis aus EV zu Ebit
Ticker Name Kurs ROIC (in %) Nettoschulden/Ebitda EV/Ebit Ausschüttungsrendite (in %)
SYF US Equity Synchrony Financial 36,35 20 1,4 5 7,2
DFS US Equity Discover Financial 91,77 15,1 1,7 5,6 7,3
AMP US Equity Ameriprise Financial 149,74 18,2 0,6 6,1 10,7
NUE US Equity Nucor 55,73 16,9 0,7 6,5 6,8
BIIB US Equity Biogen 237,11 27,8 0,3 7 6,5
PCAR US Equity Paccar 71,51 11,3 –1,1 7 6,9
HFC US Equity HollyFrontier 49,58 13,7 1,1 7 3,9
BEN US Equity Franklin Resources 34,59 11,4 –2,7 7,8 25,7
LYB US Equity LyondellBasell 83,87 21,1 1,7 8,2 8,8
COP US Equity ConocoPhillips 58,19 12,8 0,6 8,2 5,7
HPQ US Equity HP 21,5 131,2 0,3 8,5 10,3
PHM US Equity PulteGroup 31,47 13,5 1,8 8,7 3,6
BWA US Equity BorgWarner 38,85 13,2 1 8,8 3,1
OXY US Equity Occidental Petroleum 50,91 13,3 1 9 7,7
HRB US Equity H&R Block 27,79 20,7 –0,1 9 7
CAT US Equity Caterpillar 134,46 13,7 0,1 9,3 7
DAL US Equity Delta Airlines 62,46 16,4 1,7 9,4 4,6
LUV US Equity Southwest Airlines 52,88 17 0,1 9,5 7,9
GPS US Equity The Gap 19,52 13,9 2,1 9,6 5,2
CMI US Equity Cummins 173,97 21,9 0,3 9,7 6,3
Median des S&P 500 9,8 2,2 20,3 2,9

Damit gesellt sich Delta zu Southwest Airlines. Fluggesellschaften zählen nicht zu den klassischen Qualitätswerten, weil sie selten ihre Kapitalkosten verdienen. Delta und Southwest gelingt das jedoch seit mehreren Jahren. Das erklärt, warum Warren Buffetts Berkshire Hathaway, die auf Unternehmen mit ansprechender Kapitalrendite setzt, in beide Titel investiert.

Auch beim Neueinsteiger der nach der höchsten Ausschüttungsrendite sortierten Liste ist Berkshire investiert: Das Ölraffinerieunternehmen Phillips 66 betreibt in den USA ein dichtes Tankstellennetz.

Die US-Qualitätsaktien mit der höchsten Ausschüttungsrendite

Die zwanzig Qualitätstitel, die am meisten Geld an die Aktionäre zurückgeführt haben
Ticker Name Kurs ROIC (in %) Nettoschulden/Ebitda EV/Ebit Ausschüttungsrendite (in %)
BKNG US Equity Booking Holdings 1919,55 23,8 –0,6 15,4 30,5
BEN US Equity Franklin Resources 34,59 11,4 –2,7 7,8 25,7
NTAP US Equity NetApp 59,24 34,1 –1,5 9,9 19,8
AMGN US Equity Amgen 176,08 18,3 0,6 11,5 18,6
ORCL US Equity Oracle 58,06 13,4 1,1 15,7 17,3
AMAT US Equity Applied Materials 50,67 27,7 0,4 12,4 12
EBAY US Equity eBay 41,57 18,8 1,1 16 11,4
AMP US Equity Ameriprise Financial 149,74 18,2 0,6 6,1 10,7
HPQ US Equity HP 21,5 131,2 0,3 8,5 10,3
AAPL US Equity Apple 209,68 23,8 –1,5 13 10,1
PSX US Equity Phillips 66 102,81 10,1 1,6 12,3 10
LRCX US Equity Lam Research 210,82 26,1 –0,4 10,8 9,9
CSCO US Equity Cisco Systems 56,93 18,8 –0,7 16,8 9,9
ROK US Equity Rockwell Automation 163,25 33,7 0,9 15 9,1
LYB US Equity LyondellBasell 83,87 21,1 1,7 8,2 8,8
JWN US Equity Nordstrom 30,94 12,7 1,8 12,1 8,6
BBY US Equity Best Buy 77,6 24,8 0,7 11,8 8,4
HII US Equity Huntington Ingalls Industries 233,85 23,5 1,4 12,4 8,3
LUV US Equity Southwest Airlines 52,88 17 0,1 9,5 7,9
OXY US Equity Occidental Petroleum 50,91 13,3 1 9 7,7
Median des S&P 500 9,8 2,2 20,3 2,9

Viel Bewegung gab es in Europa, wo neu der Schweizer Landmaschinenhersteller Bucher unter den zwanzig günstigsten Werten auftaucht. Die hohe Fluktuation liegt am Einbezug des Analystenmomentums, das stark schwanken kann.

Die zwanzig günstigsten europäischen Qualitätswerte

Ticker Name Kurs ROIC (in %) Nettoschulden/Ebit Analystenmomentum (in %) EV/Ebit
BKG LN Equity Berkeley Group 3913 20,5 –1,3 0,3 5,3
BWY LN Equity Bellway 2993 21,6 –0,1 –0,1 5,4
RIO LN Equity Rio Tinto 4752,5 20,6 0 15,2 5,8
HLE GR Equity Hella 43,16 16 0 0,7 6,1
AAL LN Equity Anglo American 2115,5 12 0,3 5,1 6,2
UG FP Equity Peugeot 21,94 13,9 1,1 1 6,8
BDEV LN Equity Barratt Developments 657,6 15,8 –0,4 1,8 7
PKN PW Equity PKN Orlen 97,46 10,3 0,6 3,3 7,4
JUP LN Equity Jupiter 380 20,9 –1,9 3 7,8
RRTL GR Equity RTL 45,76 18,2 0,4 0,2 7,9
SKFB SS Equity SKF 160,9 15,4 0,7 1,3 8,1
HOT GR Equity Hochtief 103,3 11,1 –0,2 0,9 8,2
EXO IM Equity Exor 63,66 7,8 1,6 11,2 8,3
AKE FP Equity Arkema 82,66 9,8 0,8 –0,4 8,5
BHP LN Equity BHP 2014,5 12,2 0,5 0,5 9,2
VOLVB SS Equity Volvo 145,55 12,6 1,4 11,2 9,6
EOAN GR Equity Eon 9,417 13,6 1 1,3 9,8
PUB FP Equity Publicis 46,26 8,3 1,1 1,8 10,1
TYRES FH Equity Nokian Renkaat 27,13 22,9 –0,1 8,5 10,2
BUCN SW Equity Bucher 301,8 11,8 –0,4 –0,4 10,8
Median des Stoxx Europe 600 7,6 1,6 –0,6 17,8

Der schillerndste Neuzugang dürfte die italienische Beteiligungsgesellschaft Exor sein, die von der Turiner Industriellenfamilie Agnelli kontrolliert wird.

Das Vehikel hält Anteile an Fiat Chrysler (28,7%), Ferrari (23,7%), dem Landmaschinenhersteller CNH Industrial (26,9%) oder dem Fussballclub Juventus Turin (43,8%). Der Rückversicherer PartnerRe wurde zu 100% übernommen, am britischen «The Economist» hält Exor 43,4%.

Mit Peugeot und Volvo stellt der Autosektor zwei weitere Neueinsteiger, auch wenn Volvo keine Personenwagen mehr herstellt. Der Bereich Volvo Car Corporation wurde 1999 an Ford verkauft, die ihn 2010 an die chinesische Geely weiterverkauft hat.

Volvo produziert heute Lastwagen

Heute erwirtschaftet Volvo zwei Drittel des Umsatzes mit Lastwagen. Der Rest verteilt sich auf Baumaschinen, Busse, Schiffs- und andere Motoren sowie den Finanzarm.

Mit der polnischen PKN Orlen schafft es neben Philipps 66 ein weiteres Raffinerieunternehmen neu auf die Liste. Orlen führt in Polen und weiteren zentral- und osteuropäischen Ländern über 2600 Tankstellen.

Zudem möchte das Unternehmen, das 1999 aus dem Zusammenschluss von zwei ehemaligen Staatsbetrieben entstanden ist, den Konkurrenten Lotos übernehmen, der noch mehrheitlich in Staatsbesitz ist. Lotos betreibt in Polen 500 Tankstellen.

Ankeraktionär könnte Kurs von Hochtief stützen

Die Aktien des deutschen Bau- und Infrastrukturunternehmens Hochtief haben seit dem Höchst im Frühjahr 2017 über 40% verloren. Der spanische Mehrheitsaktionär ACS überlegt sich gemäss dem Portal Nasdaq.com, die Kursschwäche für eine Aufstockung zu nutzen. Die italienische Atlantia, die wegen des Brückeneinsturzes in Genua traurige Berühmtheit erlangt hat, hält weitere 18% an Hochtief.

Die Schweizer und die europäische Auswahl wurden durch die Auswechslungen noch zyklischer. Das ist ein Risiko, falls sich die Konjunktur weiter abkühlt. Die günstige Bewertung würde sich in diesem Fall als Illusion erweisen, weil die Margen kollabieren.

Weitere Verluste wären die Folge. Andererseits sind in den Kursen viele Probleme schon eingepreist, was bei den hoch bewerteten defensiven Wachstumsunternehmen nicht der Fall ist. Eine Aufholbewegung der Zykliker würde deshalb nicht überraschen.