Grafik der Woche

Charts im Fokus: Anhaltender Inflationsdruck

Die jüngsten Daten zeigen einen unverminderten Anstieg der Konsumentenpreise. Die Notenbanken sprechen indes immer noch von einem vorübergehenden Teuerungsschub. The Market präsentiert die wichtigsten Grafiken zum Thema.

Sandro Rosa
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Die Weltwirtschaft erholt sich vom coronabedingten Einbruch, die Konsumlust kehrt zurück, und auch der Inflationsdruck hat sich zuletzt weltweit erhöht. Das müsste eigentlich zu höheren langfristigen Zinsen führen. Diese jedoch fallen bereits seit einigen Wochen merklich.

Anstatt endlich die Null-Linie zu übertreffen, sind die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen in der Schweiz und in Deutschland wieder deutlich ins Negative gerutscht (blaue und rote Kurve in der Grafik). In den USA sind sie von 1,74% Ende März auf aktuell 1,24% abgesackt (gelbe Kurve), und auch in China sind die Zinsen am langen Ende gefallen (grüne Kurve).

Konsumentenpreise steigen überall

Und das, obwohl die Konsumentenpreisinflation allenthalben in die Höhe schiesst. Die heutigen (vorläufigen) Juli-Inflationszahlen in der Eurozone von 2,2% übertrafen die Konsensprognose von 2%. Zurückzuführen war der Preisanstieg primär auf höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise. «Wir erwarten, dass die Gesamtinflation bis Ende Jahr über 3% liegen wird», schreibt Michael Tran von Capital Economics. Allerdings gibt er umgehend Entwarnung: «Jedoch gehen wir davon aus, dass die Inflation im Jahr 2022 wieder auf unter 2% fallen wird.»

In Deutschland ist der gestern veröffentlichte vorläufige Konsumentenpreisindex für den Monat Juli im Vergleich zum Vorjahr um 3,8% nach oben geschnellt. Erwartet wurde ein Anstieg der Verbraucherpreise von 3,2%. Und in den USA ist der Consumer Price Index sogar um über 5% gestiegen.

Kein baldiges Ende des Preisdrucks

Auch das bevorzugte Inflationsmass der US-Notenbank Fed, die PCE-Inflation, hat einen kräftigen Schub auf 4% erfahren, wie die heute veröffentlichten Zahlen zeigen. Die Kernrate liegt mit 3,5% so hoch wie letztmals im Jahr 1991.

Der Preisdruck könnte in den kommenden Monaten durchaus bestehen bleiben, wie ein Blick auf den ISM Prices Paid Index zeigt. Er notiert auf dem höchsten Stand seit 1974.

Das Barometer wird vom Institute for Supply Management anhand der Antworten von Chefeinkäufern ermittelt, die angeben, ob sie für die im Produktionsprozess verwendeten Komponenten höhere, niedrigere oder unveränderte Preise bezahlen mussten. Der ISM-Subindex läuft der Inflation um rund drei Monate vor, weshalb sich der Preisanstieg mindestens bis Herbst fortsetzen dürfte.

Quelle: Bloomberg, themarket.ch

Inflationserwartungen bleiben hoch

Kein Wunder, bleiben die Inflationserwartungen hoch. Sie lassen sich aus Umfragen oder Marktdaten eruieren. Zu letzteren gehören die sogenannten «Breakeven Rates», also der Renditeunterschied zwischen nominalen und inflationsgeschützten Staatsanleihen. Er zeigt die vom Markt erwartete, durchschnittliche Inflationsrate über einen bestimmten Zeitraum von beispielsweise zwei, fünf oder zehn Jahren.

Sowohl in Deutschland als auch in den USA bleibt die Breakeven-Rate für die kommenden zehn Jahre relativ hoch. In den USA notiert sie aktuell knapp unter 2,4%. In Deutschland liegt sie bei rund 1,43% und somit am oberen Ende der Spanne der vergangenen Jahre.

Eine zweite Methode liest die erwartete Inflation aus den Forward-Zinskurven ab. Die «5-year/5-year forward»-Inflation zeigt die erwartete Teuerung über den fünfjährigen Zeitraum, der in fünf Jahren beginnt, also für die Zeit von 2026 bis 2031. Während dieses Mass einen leichten Rückgang der erwarteten Inflation in den USA erkennen lässt, ist es in der Eurozone zuletzt weiter gestiegen.

Der Markt ist dennoch weiterhin der Ansicht, die Inflation werde sich bald wieder beruhigen. Das zumindest ist das Signal, das sich aus der Differenz zwischen den zehn- und den zweijährigen Breakeven Rates in den USA ablesen lässt. Sie ist nämlich negativ. Mit anderen Worten: Die Marktteilnehmer rechnen auf die kurze Frist von zwei Jahren mit einer höheren Inflation als auf die lange Frist von zehn Jahren.

Tief negative Realrenditen

Für Sparer bleibt das Umfeld weiterhin garstig. Geld auf dem Konto oder in Staatsanleihen werfen nach Abzug der Inflation fast nirgends auf der Welt noch einen positiven Ertrag ab. Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen liegen nur noch in China und in Brasilien über der Inflationsrate. In vielen Ländern sind die Realrenditen tief negativ.

Mit einem inflationsadjustierten Zins von –0,8% gehört die Schweiz fast zu den Hochzinsländern. In Deutschland liegt die Realrendite nach Abzug der vorläufigen Inflationsrate für den Juli bei schmerzhaft niedrigen –4,25%. Kein Wunder, schichten auch immer mehr konservative Marktteilnehmer in Aktien und Sachwerte um – und treiben die Bewertungen in zusehends luftigere Höhen.