Grafik der Woche

Charts im Fokus: Die Wirtschaftsdynamik hat ihren Zenit überschritten

Der konjunkturelle Einbruch war rasant, die Erholung ebenso. Nun aber scheint der Höhepunkt der wirtschaftlichen Belebung überschritten. The Market präsentiert die wichtigsten Charts dazu.

Sandro Rosa
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Die Wachstumsdynamik lässt nach. Der globale Industrie-Einkaufsmanagerindex ist zum dritten Mal in Folge gefallen und erreichte im August 54,1 Punkte. Allerdings verharrt das Barometer immer noch komfortabel über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Die Welt ist jedoch zweigeteilt: Während die Konjunkturaussichten für die Industrieländer gemäss der Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Managers Index, PMI) weiterhin erfreulich sind, sind die Signale aus den Schwellenländern weniger erbaulich.

Industrieländer stark, Schwellenländer schwach

Der Industrie-Einkaufsmanagerindex für die Emerging Markets ist im August erstmals seit über einem Jahr unter die Wachstumsschwelle gefallen. In den Industrieländern macht sich zwar ebenfalls eine abnehmende Dynamik bemerkbar, allerdings liegt der entsprechende Index mit 58,3 Punkten immer noch deutlich im expansiven Bereich.

Damit bestätigen die vom Datenanbieter Markit erhobenen Einkaufsmanagerindizes die Signale anderer Frühindikatoren. So ist in der Schweiz das Kof Konjunkturbarometer im August vom Rekordhoch im Mai zum dritten Mal in Folge gefallen und notiert nun bei 113,5 Punkten. Das ist noch kein Grund zur Sorge: Das Barometer verharrt immer noch über dem langjährigen Durchschnitt, das Wachstum dürfte in den kommenden Monaten hierzulande ansprechend bleiben.

Ifo Geschäftsklima trübt sich ein

Die Stimmung bei den deutschen Unternehmen hat sich ebenfalls etwas abgekühlt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August auf 99,4 Punkte gefallen, nachdem er im Vormonat auf 100,7 Punkte und damit auf den höchsten Stand in diesem Zyklus geklettert war.

Gemäss dem ifo Institut war der Rückgang auf deutlich weniger optimistische Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen – insbesondere im Gastgewerbe und im Tourismus. Die wieder steigenden Infektionszahlen machen sich offensichtlich bemerkbar. Hinzu kommen anhaltende Lieferengpässe bei industriellen Vorprodukten.

USA trotzen dem Abwärtstrend

Die US-Konjunktur vermochte sich dem globalen Trend zu widersetzen: Der ISM-Einkaufsmanagerindex hat im August leicht zugelegt und ist von 59,5 auf 59,9 Punkte gestiegen. Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 58,6 Zähler gerechnet.

Die Subindizes für den Auftragseingang und die Produktion haben im August wieder angezogen, was auf eine starke Nachfrage hindeutet. Allerdings zeigt sich auch, dass die Produktion mit der Nachfrage nicht Schritt halten kann – Kapazitäts- und Lieferengpässe machen den Unternehmen das Leben schwer.

Chinas PMI rutscht unter Wachstumsschwelle

Während in den USA und in Europa die Frühindikatoren trotz Abschwächung immer noch auf hohem Niveau notieren, ist die Lage in China beunruhigender. Dort ist der Caixin-Industrie-PMI erstmals seit April 2020 unter die Schwelle von 50 gefallen. Die Massnahmen der Regierung, Exzesse im Immobiliensektor einzudämmen, sowie regionale Lockdowns wegen neuer Infektionen belasten die Wirtschaft.

«Die Drosselung der Geld- und Fiskalpolitik sowie weitere regulatorische Massnahmen führten zu einem Rückgang der Stahlproduktion und einer Abkühlung des Immobilienmarktes, während neuerliche Covid-Ausbrüche Ende Juli den Detailhandel und den Dienstleistungssektor beeinträchtigten. Diese ungünstigen Entwicklungen kamen zu einem nach wie vor schwachen Automarkt hinzu», fasste unser Autor aus Peking, Jörg Wuttke, die Situation bereits vor rund zwei Wochen zusammen.

Mehrheitlich im grünen Bereich

Trotz der nachlassenden Dynamik zeichnet die globale PMI-Heatmap nach wie vor ein positives Bild der Weltwirtschaft. Die dunkelgrünen Stellen dominieren, nur vereinzelt sind orange oder rote Flecken auszumachen – etwa in China, Malaysia, Mexiko, Russland und Thailand. Allerdings bleibt das Gefälle zwischen Industrie- und Schwellenländern gross, wobei bei letzteren deutliche regionale Unterschiede bestehen.

Quelle: Bloomberg, Ineichen Research and Management, IHS Markit, JPMorgan

Quelle: Bloomberg, Ineichen Research and Management, IHS Markit, JPMorgan