Grafik der Woche

Der Liquiditätsentzug
geht zu Ende

2018 haben die wichtigsten Notenbanken damit begonnen, ihre Liquiditätszufuhr an die Märkte zu drosseln. Doch nun zeichnet sich eine Kehrtwende ab.

Sandro Rosa

Liquidität ist das Lebenselixier der Börsen: Fliesst sie reichlich, jubilieren die Aktienmärkte, versiegt sie, drohen Turbulenzen. Letzteres hat sich im Herbst des vergangenen Jahres gezeigt, als das Fed am eingeschlagenen Straffungskurs festhielt. 

Die Börsen sind kräftig unter Druck geraten. Innerhalb eines Quartals büsste etwa der amerikanische Leitindex S&P 500 fast 20% an Wert ein.

Erst mit der darauf folgenden Abkehr der US-Notenbank Fed vom Zinserhöhungszyklus und dem angekündigten Ende der quantitativen Straffung (Abbau der Notenbankbilanz durch Wertschriftenverkäufe), setzte an den Märkten eine Gegenbewegung ein. 

Damit wurde zwar der Liquiditätsentzug entschärft, aber noch nicht umgekehrt, wie die Grafik der Woche illustriert. Sie zeigt die Entwicklung der Liquiditätszufuhr der weltweit 22 grössten Notenbanken in Prozent der globalen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt). Nach Jahren der Expansion und nach massiven Käufen von Wertschriften durch die Währungshüter begann die Zentralbankenliquidität ab dem zweiten Quartal 2018 zu schrumpfen.

Quelle: Saxo Bank Research & Strategy

Quelle: Saxo Bank Research & Strategy

Wie Christopher Dembik, Leiter Makroanalyse bei der der dänischen Saxo Bank schreibt, belief sich der Liquiditätsrückgang im Tiefst auf heftige 3,2% des weltweiten BIP. Eine solche Kontraktion wie zu Beginn dieses Jahres wurde seit mindestens dreizehn Jahren nicht beobachtet (weiter reichen die Daten nicht zurück).

Doch nun gibt es erste Anzeichen einer Trendwende. Zwar nimmt die Liquidität insgesamt immer noch ab – gemäss Saxo Bank mit rund 2,5% des globalen BIP – aber das Tempo des Rückgangs hat sich verlangsamt. Das geht vor allem auf das Konto der Bank of Japan, die ihre Liquiditätszufuhr erhöht hat.

Zwar droht in den kommenden Monaten an den Märkten noch einmal Gegenwind, meint Saxo-Stratege Dembik. Aber schaue man weiter in die Zukunft, dürfte sich die Liquiditätszufuhr durch die Zentralbanken ab dem ersten Quartal 2020 erheblich erhöhen.

Ein wichtiger Faktor ist die Europäische Zentralbank, die demnächst ihr Programm der quantitativen Lockerung wiederaufnehmen wird und das Fed, das die Leitzinsen bis Ende des Jahres um 50 Basispunkte senken könnte. Damit würden sich die Perspektiven für die Aktienmärkte im nächsten Jahr spürbar aufhellen.