Grafik der Woche

Deutsche Autoproduktion auf Krisen-Niveau

Der Industrie in Deutschland weht eine steife Brise entgegen ― der Automobilsektor steht besonders unter Druck. 

Sandro Rosa

Die Zeichen stehen auf Rezession: Die deutsche Industrieproduktion ist im Juni um 1,5% gesunken, und konjunkturelle Frühindikatoren lassen keine baldige Besserung erwarten. So ist der Industrie-Einkaufsmanagerindex vergangene Woche auf 43,2 gefallen. Das liegt deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 und ist der niedrigste Wert seit Sommer 2012.

Die rasant fallenden Zinsen bestätigen die eingetrübten Wachstumsaussichten. Mittlerweile notiert die gesamte deutsche Zinskurve in negativem Territorium. Die wichtige IFO-Umfrage signalisiert zudem eine Zunahme bei den Lagerbeständen der Unternehmen, während ihre Bestellungseingänge zurückgehen. 

«Europas grösste Volkswirtschaft steht vor zyklischen und strukturellen Herausforderungen, und die Frage ist, ob sie ihre Nachbarn ebenfalls nach unten zieht», schreibt Nick Andrews vom Hongkonger Analysehaus Gavekal Research.

Das exportorientierte Land ― die Ausfuhren machen fast die Hälfte des Bruttoinlandprodukts aus ― leidet überdurchschnittlich unter der globalen Konjunkturabkühlung, dem Handelsstreit und dem Brexit.

Das Zentrum der Schwäche ist der Automobilsektor.

Wie die Grafik der Woche des amerikanischen Marktstrategen Edward Yardeni zeigt, ist die deutsche Produktion von Personenwagen innerhalb eines Jahres geradezu eingebrochen. In den vergangenen zwölf Monaten wurden in Deutschland nur noch knapp über 4,7 Mio. Autos hergestellt ― vor einem Jahr waren es noch 5,6 Mio.

Quelle: Yardeni Research

Quelle: Yardeni Research

Der Rückgang ist ähnlich brutal wie während der globalen Finanzkrise 2008/2009. Gewinnt der Abschwung weiter an Fahrt, könnten durchaus böse Überraschungen drohen. Kein Wunder, befürchten die Fondsmanager Peter Frech und Livio Arpagaus, dass die deutschen Autobauer akut gefährdet sind und Bankrotte nicht ausgeschlossen werden können.