Grafik der Woche

Die Strafe der Duration

Bald starten auch die beiden wichtigsten Notenbanken, EZB und Fed, einen neuen Zinserhöhungszyklus. Das kriegen Anleihenanleger schmerzhaft zu spüren.

Sandro Rosa
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Mit langfristigen Staatsanleihen liess sich während Jahren gutes Geld verdienen – eine niedrige Inflation und freundliche Notenbanken machten es möglich. Tempi passati. In den USA hat die Teuerungsrate im Januar beängstigende 7,5% erreicht, in der Eurozone ebenfalls hohe 5,1%. Die Entwicklung sorgt bei den Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks für Nervosität.

In den USA werden in diesem Jar mittlerweile sechs Zinsschritte à 25 Basispunkte (Bp) erwartet, gewisse Marktbeobachter rechnen gar mit einer Anhebung um 50 Bp an der nächsten Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses im März. EZB-Präsidentin Christine Lagarde schliesst Zinserhöhungen in diesem Jahre ebenfalls nicht mehr aus, da die Inflationsrisiken «nach oben gerichtet» seien.

Ausverkauf bei Staatsanleihen

Angesichts der zunehmend «hawkishen» Töne der Währungshüter überrascht es wenig, dass Anleihen rund um den Globus unter Druck geraten sind – besonders hart traf es langfristige Festverzinsliche. So haben US-Staatsanleihen gemessen am iShares 20+ Year Treasury Bond ETF allein seit dem 3. Dezember 12,5% an Wert verloren – deutlich mehr als der Nasdaq 100 (–7%). Vom Höchst im August 2020 haben sie sogar mehr als 20% eingebüsst. Das sind eindrückliche Bewegungen für eine «sichere» Anlage.

Angesichts des breiten Inflationsdrucks scheint im Markt nahezu ausgemacht, dass Anleihen bis auf weiteres keine gute Anlage sein werden. Doch es gibt Stimmen, die die jüngsten Bewegungen als übertrieben erachten: «Der Anleihenmarkt preist zu viele Leitzinserhöhungen ein, und die Argumente für einen anhaltenden Inflationsanstieg sind nicht überzeugend», meint etwa Chen Zhao, Chefstratege von Alpine Research.

In der Tat stehen die Zeichen weltweit auf Konjunkturabkühlung. Der IMF hat Ende Januar seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft von 4,9 auf 4,4% nach unten revidiert. Zudem flacht sich die US-Zinskurve, die als Differenz zwischen zehn- und zweijährigen Zinsen ermittelt wird, bedrohlich ab. In der Vergangenheit war ein Absinken unter null ein recht verlässliches Signal, dass eine Rezession bevorsteht.

Niemand mag Anleihen

Erhellend ist auch, wie deutlich das Gros der professionellen Anleger Staatsanleihen verschmäht. Das zeigt ein Blick auf Resultate der von der Bank of America monatlich durchgeführten Fondsmanagerumfrage. Per saldo sind über 70% der Fondsmanager bei Anleihen untergewichtet.

Nur gerade 5% der Befragten gehen davon aus, dass langfristige Staatsanleihen in diesem Jahr zu den besten Anlagen zählen werden. Aus Contrarian-Sicht stimmt der Pessimismus zuversichtlich. Ob Bonds wohl schon bald ein Comeback feiern werden?