Grafik der Woche

Geringere (Gewinn-) Erwartungen

Trotz neuen Börsenrekorden haben die Analysten ihre langfristigen Gewinnprognosen kräftig gestutzt. Damit öffnet sich eine gefährliche Schere.

Sandro Rosa

Der S&P 500 hat gerade wieder ein neues Rekordhoch erklommen – trotz der wenig erbaulichen Entwicklung der Unternehmensgewinne. Zu gross war die Freude über die weitere Zinssenkung der US-Notenbank Fed und die neuerlichen Anleihenkäufe durch die grossen Zentralbanken.

Das alte Börsen-Bonmot «Don't fight the Fed» scheint einmal mehr seine Gültigkeit zu bewahren. Doch wie lange vermag die Liquidität die Kurse zu beflügeln, wenn die Unterstützung durch das Gewinnwachstum ausbleibt?

Denn wie die Experten von BCA Research hervorheben, haben die Aktienanalysten das Handtuch geworfen: Angesichts der konjunkturellen Schwächesignale haben sie die Gewinnerwartungen für die im S&P 500 enthaltenen Unternehmen in den vergangenen Monaten markant reduziert. Das Tempo der Rückstufung war sogar rasanter als als beim Platzen der Technologieblase zur Jahrtausendwende, wie unsere Grafik der Woche zeigt:

Quelle: BCA Research

Quelle: BCA Research

Noch vor kurzem rechneten die Wallstreet-Auguren mit einem mittleren Gewinnwachstum in den kommenden fünf Jahren von über 16%. Mittlerweile sind die Erwartungen auf weniger als 12% per annum geschmolzen. Gleichzeitig aber ist der S&P 500 weiter avanciert. 

Das verheisst wenig Gutes, bewegen sich Gewinnschätzungen und Kurse in der Regel doch im Gleichschritt. Für BCA Research ist deshalb klar: die zunehmende Diskrepanz zwischen den Preisen und der Gewinnentwicklung wird zu einer umso heftigeren Kurskorrektur führen.