Grafik der Woche

Günstig – aber auch günstig genug?

Die Verschärfung im US-chinesischen Handelskrieg hat den Aktien von europäischen Zyklikern mächtig zugesetzt. Sind sie nun ein Kauf?

Sandro Rosa

Es liegt in der Natur der Sache: wenn sich die Wirtschaft abschwächt, dann kommen konjunktursensitive Unternehmen – im Jargon Zykliker genannt – besonders unter Druck. Denn wenn die Zeiten härter werden, fallen ihre Güter als erstes den Ausgabenkürzungen der Konsumenten zum Opfer.

Ein neues Auto kann warten, eine neue Luxusuhr ebenfalls – oder die Verbraucher weichen auf günstigere Alternativen aus. Artikel des täglichen Bedarfs wie Nahrungsmittel oder Medikamente reagieren hingegen viel weniger kräftig auf das konjunkturelle Auf und Ab. 

Das hinterlässt Spuren in den Kursen der entsprechenden Unternehmen. Seit einigen Wochen sind vor allem europäische Zykliker wie ABB und Swatch Group hinter den defensiven Konkurrenten Nestlé und Novartis zurückgeblieben.

Die Schere zwischen den teuren Defensiven und den günstigen Zyklikern hat sich dadurch wieder geöffnet.

Sind Zykliker demnach ein Kauf?

Sie sind zwar günstig, meint Graham Secker, Chef-Aktienstratege der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley. Sollte sich die Wirtschaft indes weiter abkühlen, dürften sie noch einiges günstiger werden, warnt Secker.

Quelle: Morgan Stanley

Quelle: Morgan Stanley

Die Grafik zeigt die relative Bewertung von zyklischen versus defensiven Aktien gemessen an der Dividendenrendite, dem Kurs-Gewinn- sowie dem Kurs-Buchwert-Verhältnis. Demnach handeln Zykliker momentan mit einem Abschlag von 8% zu defensiven Firmen – das ist zwar nicht schlecht, aber immer noch spürbar über den Niveaus vergangener Rezessionen, wie die Grafik illustriert.

In den letzten dreissig Jahren hätten die Zykliker während Abschwüngen erst bei einem Bewertungsabschlag von 15 bis 30% einen Boden gefunden, schreibt Secker. 

Wer also nicht mit einer baldigen Wachstumsbeschleunigung rechnet, sollte bei zyklischen Unternehmen weiterhin vorsichtig sein.