Grafik der Woche

Hochzinsanleihen sind das Risiko nicht wert

Die Ausfälle europäischer Hochzinsanleihen steigen weiter an. In die entgegensetzte Richtung zeigen die Zinsen.

Ruedi Keller
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Die Ausfallrate für spekulative Anleihen stieg per Ende Februar auf 5,4%. Dies berechnete Ratingagentur S&P, und zwar rollend über die letzten zwölf Monate. Vor Jahresfrist lag der Wert noch bei 2% In die entgegengesetzte Richtung bewegt sich indes der Zins, zu dem Investoren bereit sind, in solche Anleihen zu investieren.

Damit nicht genug: In ihrem Basisszenario geht S&P davon aus, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit für europäische Hochzinsanleihen bis Ende 2021 weiter auf 6,5% steigen wird. Hochzinsanleihen begeben Unternehmen, die nicht über eine anlagewürdige Kreditbonität verfügen, also mit einem Rating im Bereich von BB bis CCC eingestuft sind. Das erhöhte Risiko, das Investoren bei diesen Anlagen eingehen, wird mit einem höheren Zins abgegolten. Das galt zumindest früher.

In Zeiten von Tief- und Negativzinsen hat das spekulative Anlagesegment jedoch an Attraktivität gewonnen. Denn Anlagen in Anleihen von erstklassiger Kreditqualität werfen nur noch negative Zinserträge ab.

Die Grafik der Woche zeigt, dass Anleger bei Hochzinsanleihen derzeit wohl aber zu viele Kompromisse eingehen und das Risiko nicht mehr adäquat abgegolten wird.

Im ersten Quartal 2021 summierten sich die Ausfälle europäischer Hochzinsanleihen auf fast einen Drittel des von S&P gezählten globalen Totals, was einen neuen Höchststand markiert. Dennoch bleiben die Finanzierungsbedingungen unverändert locker. Die Renditen auf Hochzinsanleihen hatten lediglich nach dem Ausbruch der Coronakrise vor einem Jahr deutlich angezogen. Danach glitten sie wieder auf das Niveau von Ende 2019 zurück.

Die Ratingagentur erwartet nicht einfach einen kurzfristigen Anstieg der Kreditausfälle, sondern sieht mehrere Pleiteschübe bis hin zu einem längerfristig erhöhten Plateau von Ausfällen auf die Investoren zukommen. Denn die Bonitätswächter erwarten, dass gerade die schlechten Emittenten noch lange mit einer deutlich höheren Schuldenlast kämpfen werden als vor der Krise.

S&P sieht angesichts des erwarteten Anstiegs der Ausfallwahrscheinlichkeit für europäische Hochzinsanleihen auf bis 6,5% per Ende Jahr und den derzeit am Markt effektiv bezahlten Zinsen eine Lücke von rund einem Prozentpunkt klaffen.

Die Erklärung ortet die Ratingagentur in der Jagd der Investoren nach Rendite und dem dafür von den Zentralbanken im Zug der Stimulusprogramme zur Überwindung der Coronakrise reichlich zur Verfügung gestellten Liquidität. Lohnen dürfte sich das Engagement in Hochzinsanleihen angesichts dieser Perspektive dennoch kaum.