Grafik der Woche

Kaufgelegenheit?

Kaum knackt es im Börsengebälk, vernimmt man Stimmen, die von einer attraktiven Einstiegsgelegenheit reden. Die Bewertung – zumindest in den USA – spricht eine andere Sprache. 

Sandro Rosa

Mit der Ruhe ist es an den Finanzmärkten definitiv vorbei. Zuerst kam die stümperhafte Notenbanksitzung der US-Notenbank, dann folgte die neueste Salve im sino-amerikanischen Handelskrieg. Auf die jüngsten US-Strafzölle auf chinesische Güter liess Peking den Renminbi erstmals seit langem über die Marke von 7 Yuan zum Dollar fallen.

Zwar hat die chinesische Notenbank inzwischen wieder Gegensteuer gegeben. Aber die Episode reichte schon aus, um die Marktteilnehmer in heillose Nervosität zu versetzen.

Weltweit rauschen Aktienkurse und Zinsen nach unten. Mittlerweile beträgt die Rendite auf zehnjährige Schweizer Staatsanleihen nur noch rund –0,9%, und die gesamte hiesige Zinskurve notiert im negativen Bereich. In den USA sind bei den Zinsen ebenfalls neue Tiefst in Sichtweite.

Derweil hat der weltweit wichtigste Aktienindex, der S&P 500, innerhalb weniger Tage 6% an Wert eingebüsst. An den internationalen Börsen sieht es nicht besser aus. 

Lautet die Devise nun «Buy the Dip»? Oder auf Deutsch: Sollen Anleger die Kurskorrektur bei Aktien für Zukäufe nutzen?

Ein deutliches Nein kommt von den Bewertungen, wie ein Bewertungsindikator von Milliman Financial Risk Management illustriert. Er vergleicht die kombinierte Kapitalisierung von US-Aktien (gemessen am Russell 1000 Index) und US-Anleihen (gemessen an den drei Barometern ICE BofAML U.S. Aggregate, U.S. High Yield and U.S. Municipal Bond Index) mit dem amerikanischen Bruttoinlandprodukt (BIP). 

Kurz: Die Marktkapitalisierung von Aktien und Anleihen wird mit dem Output der Wirtschaft verglichen. 

Das Verdikt?

Das Bewertungsmass notiert auf einem Rekordhoch – die Kapitalisierung entspricht mehr als dem 2,5-fachen des US-BIP. Sowohl Aktien als auch Bonds sind demnach so teuer wie noch nie, seit der Index kalkuliert wird – den Notenbanken sei Dank. 

Quelle: Milliman Financial Risk Management (via John Authers von Bloomberg)

Quelle: Milliman Financial Risk Management (via John Authers von Bloomberg)

Das stellt die Anleger vor ein mächtiges Dilemma: Wer glaubt, die Korrektur habe erst angefangen, dem stehen nämlich bloss überteuerte Anleihen als Alternative zur Verfügung. 

Wer hingegen bezüglich der Weltwirtschaft optimistisch ist, und bloss mit einem vorübergehenden Rückschlag rechnet, kann zwar Bonds verkaufen – muss dann allerdings mit überbewerteten Aktien vorlieb nehmen. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Schnäppchenjäger müssen also noch etwas Geduld walten lassen. Cash, Gold und Silber dürften bis auf weiteres die besseren Investments sein.