Grafik der Woche

Konjunktur und Märkte in Grafiken

The Market präsentiert wöchentlich eine kommentierte grafische Übersicht über die Entwicklung der Konjunktur und der wichtigsten Anlageklassen.

Sandro Rosa
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The Market präsentiert wöchentlich eine Sammlung von Grafiken, die unseren Leserinnen und Lesern helfen sollen, die wichtigsten Entwicklungen an den Finanzmärkten im Auge zu behalten.

Sie deckt die folgenden Themen ab:

  1. Konjunktur und Zinsen
  2. Aktien
  3. Währungen
  4. Rohstoffe 
  5. Anlegerstimmung

Konjunktur und Zinsen

Der Chicago Fed National Activity Index kletterte im Oktober auf +0,83 gegenüber +0,32 im September. Ein Wert von Null signalisiert, dass die Wirtschaft in der Region mit ihrer mittleren historischen Trendwachstumsrate expandiert; negative Werte lassen ein unter- und positive Werte ein überdurchschnittliches Wachstum erwarten.

Berichte von Industriebetrieben aus dem fünften Notenbankdistrikt (er umfasst den District of Columbia, Maryland, North Carolina, South Carolina, Virginia und den grössten Teil von West Virginia) waren im November im Grossen und Ganzen positiv, wie die aktuelle Umfrage der Distriktsnotenbank Richmond belegt. Der Index fiel zwar von 29 im Oktober auf 15 im November, verharrte aber im expansiven Bereich, da alle drei Komponenten – Lieferungen, Auftragseingänge und Beschäftigung – positive Werte aufwiesen.

Die Umfrageteilnehmer blickten optimistisch in die Zukunft und rechnen damit, dass sich das Wachstum in den kommenden Monaten fortsetzen wird.

Schlechtere Konsumentenstimmung

Die Stimmung der US-Konsumenten – gemessen am Conference Board Consumer Confidence Index – hat sich im November indes wider Erwarten kräftig abgekühlt. Das Barometer nahm von 101,4 auf 96,1 Punkte ab – das entspricht dem niedrigsten Wert seit drei Monaten. Erwartet wurde ein Rückgang auf 98 Punkte. Auch der entsprechende Index der Universität Michigan ist zuletzt wieder gesunken, und zwar von 81,8 auf 76,9 Zähler. Hierbei handelt es sich ebenfalls um den niedrigsten Wert seit drei Monaten.

Die Einschätzung der gegenwärtigen Bedingungen durch die Konsumenten blieb zwar stabil, allerdings trübte sich der Ausblick angesichts der zunehmenden Covid-19-Fallzahlen deutlich ein.

Wie in den USA wird auch in Europa die Konsumentenstimmung vom Verlauf der Pandemie geprägt. So hat der «Lockdown light» in Deutschland die Verbraucherstimmung im November merklich gedämpft.

Gemessen am Gfk Konsumentenvertrauen gingen wie bereits im Vormonat sowohl die Konjunktur- und die Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung zurück. In einer Pressemitteilung meint Rolf Bürkl, Konsumexperte von Gfk: «Damit haben sich die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen.»

Derweil hat sich auch die Stimmung bei den deutschen Unternehmen eingetrübt. Der stark beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex, ein Indikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland, hat sich im November auf 90,7 Punkte abgeschwächt, nach 92,5 Punkten im Vormonat. Das war der zweite Rückgang in Folge. Immerhin wurde die Prognose der Marktauguren übertroffen. Die Veränderung ist vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Firmen zurückzuführen.

Auch ihre aktuelle Lage schätzen sie als etwas weniger gut ein. Die zweite Coronawelle und die damit einhergehenden Lockdown-Massnahmen haben die Erholung der deutschen Wirtschaft gebremst, was die Geschäftsunsicherheit erhöht. Die grösste Volkswirtschaft Europas wird im Schlussquartal 2020 erneut schrumpfen, nachdem sie im dritten Quartal um 8,5% gewachsen war.

Notenbanken warten ab

Die Notenbanken halten unbeirrt ihren Kurs. Inzwischen erreicht die Bilanzsumme des Federal Reserve etwas über 7 Bio. $, während die Bilanz der Europäischen Zentralbank umgerechnet etwas mehr als 8 Bio. $ beträgt.

Aktuell erreicht die kumulierte Bilanz von Bank of Japan, Europäischer Zentralbank und Fed umgerechnet 22,16 Bio. $. Die Zunahme zur Vorwoche beläuft sich auf 50 Mrd. $, wobei die Zahlen des Fed noch nicht aktualisiert wurden (wohl wegen Thanksgiving).

Trotz der guten Nachrichten von der Impfstofffront und der damit verbundenen Hoffnung, das Leben werde sich bald wieder normalisieren, wurde der Anstieg bei den langfristigen Zinsen auf Staatsanleihen – zumindest vorläufig – gebremst.

In der Euphorie ging der Zinsschwund in Europa gar munter weiter: Am Donnerstag, den 26. November, handelten die Staatsanleihen von Spanien und Portugal zwischenzeitlich zu einem negativen Zins. Der Club der Länder mit negativen Zinsen auf ihren Anleihen wird also grösser.

Aktien

Trotz neuerlicher Lockdowns in vielen Ländern Europas zeigt sich der MSCI AC World – er umfasst Aktien aus Industrie- und Schwellenländern – weitgehend unbeeindruckt und hält sich nahe am Rekordhoch. Der Anstieg seit dem Tiefst vom 23. März beläuft sich auf rund 62%.

Am 24. November schloss der altehrwürdige Dow Jones Industrial Average erstmals über 30'000 Punkten – nach einer Rally von mehr als 60%. Noch vor wenigen Monaten notierte er bloss knapp über 18'000 Zählern.

Interessant ist die nahezu gleichförmige Entwicklung der Aktien der Schwellen- (MSCI Emerging Market Index) und der Industrieländer (MSCI World Index). Seit Jahresanfang haben beide Barometer praktisch die gleiche Rendite erzielt, wobei im Moment die Schwellenländer knapp in Führung liegen.

Bei den wichtigsten Länderindizes stiehlt der japanische Nikkei 225 dem S&P 500 die Show, während sich die europäischen Börsenbarometer noch immer unter dem Stand von Anfang Jahr bewegen. Während der Euro Stoxx 50 etwas aufgeholt hat, fehlen dem SMI die Impulse.

Unter den regionalen Indizes bekleiden die US-Technologiegiganten des Nasdaq 100 und der chinesische CSI 300 weiterhin die Spitzenpositionen – neu schafft es aber der Nikkei 225 ebenfalls auf das Podest. Das Schlusslicht bildet neu der FTSE 100, der zuletzt vom spanischen Ibex überflügelt wurde.

Bei den globalen Sektoren liegt eine deutliche Mehrheit im Vergleich zum Jahresbeginn inzwischen in der Gewinnzone. Der Energiesektor ist zwar immer noch der schlechteste Performer, hat im Wochenverlauf jedoch Terrain gutmachen können.

Nach einer kurzen Verschnaufpause haben die konjunktursensitiven Zykliker das Tempo wieder erhöht und lassen die defensiven Sektoren hinter sich. Der «Reopening-Trade» nimmt wieder an Fahrt auf, wie ein Blick auf die Sektorentwicklung zeigt.

Seit Anfang Monat schneiden die zyklischen Segmente Industrie, zyklischer Konsum, Finanz und Energie (sie alle liegen oberhalb der gestrichelten Linie) besser ab als der Gesamtindex. Industrie und zyklischer Konsum waren bereits vorher stark, die anderen beiden Sektoren sind neu hinzugekommen.

Die Branchen Technologie und Grundstoffe gehörten in der Aufschwungphase von März bis Ende Oktober zu den Überfliegern. Nun aber haben sie an Schwung eingebüsst. Die defensiven Werte wie etwa Gesundheit und Versorger gehören zu den konsistenten (relativen) Verlierern.

Die Liste der SMI-Valoren, die seit Jahresanfang (inklusive Dividenden) eine positive Rendite abgeworfen haben, umfasst elf Namen.

Erstmals seit langem gibt es bei den Nachzüglern Veränderungen: Swiss Re, Swatch und Swiss Life belegen hartnäckig die hinteren Plätze – der Uhrenkonzern ist hinter Credit Suisse zurückgefallen.

Aktien: Bewertung

Wie steht es um die Bewertungen? Gemäss dem Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis, das den aktuellen Preis einer Aktie oder eines Index mit den durchschnittlichen inflationsbereinigten Gewinnen der vergangenen zehn Jahre vergleicht, sind die USA momentan sportlich bewertet.

Sie erreichen ein Shiller-KGV von rund 30. Auf Basis dieser Bewertungskennzahl schneiden Schwellenländeraktien mit einem Wert von knapp 18 erheblich besser ab. Auch Europa ist mit einem langfristigen KGV von 18,5 moderat bewertet.

Die US-Börse handelt zu einem Aufschlag von 30% zum mittleren Shiller-KGV seit 1980. Mit einer Bewertungsprämie von 7,5% schneidet die Schweiz besser ab.

Die Bewertung der japanischen Börse liegt markant unter dem historischen Schnitt – dieser ist aber wegen der Spekulationsblase Ende der Achzigerjahre hoch. Allerdings scheinen japanische Aktien auch im Vergleich zur Bewertung der vergangenen zehn Jahre günstig. Auch Polen, die Türkei, Singapur und Spanien gehören zu den Aktienmärkten mit einem überdurchschnittlich hohen Bewertungsabschlag.

Währungen

Dank der Entspannung an den Märkten hat sich der Franken jüngst gegenüber dem Euro abgeschwächt und handelt momentan am oberen Rand seiner Handelsspanne der vergangenen Monate. Aktuell kostet ein Euro rund 1.081 Franken.

Der Dollarindex, der den Wert des Greenback gegenüber den Währungen der sechs wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten misst, unternimmt einen Versuch, nach unten auszubrechen.

So ist er zum ersten Mal seit 2018 unter die Marke von 92 gesunken. Durchbricht er diese klar, wäre das positiv für die globalen Aktien- und Rohstoffmärkte.

Der chinesische Yuan wertet sich gegenüber dem Dollar unverdrossen auf. Noch vor wenigen Monaten kostete ein Dollar mehr als sieben Yuan – inzwischen sind es nur noch etwas mehr als 6.57 Yuan.

Der rasante Aufstieg von Bitcoin wurde jäh gestoppt, der Durchbruch des alten Höchst von Ende 2017 ist vorderhand gescheitert. Innerhalb kürzester Zeit hat Bitcoin mehr als 10% an Wert eingebüsst und handelt aktuell wieder unter 17'000 $. Das entspricht jedoch immer noch einem Anstieg von 135% seit Jahresbeginn.

Rohstoffe

Bei den Rohstoffindizes stagnieren die Preise für Edelmetalle und Energie seit mehreren Wochen, während Agrarrohstoffe und Industriemetalle einen stetigen Aufwärtstrend etabliert haben.

Die Goldanleger werden auf die Geduldsprobe gestellt. Seit sich die Notenbanken im Wartemodus befinden und sich die positiven Nachrichten in Sachen Covid-Impfung häufen, konsolidiert der Preis des Edelmetalls. Aktuell notiert er bei rund 1800 $ pro Feinunze 📈 und damit nur noch unwesentlich über seinem 200-Tage-Schnitt.

Die Rohölnotierungen setzen derweil ihre Erholung fort und nähern sich der Marke von 50 $ pro Fass.

Auch «Dr. Copper» signalisiert eine Erholung der Weltwirtschaft. Kupfer notiert am oberen Ende der Preisspanne der vergangenen sechs Jahre und kostet wohl schon bald mehr als 7500 $ pro Tonne.

Sentiment

Die Stimmung der Anleger hellt sich weiter auf. Das lässt sich u.a. am Vix ablesen, der die von den Marktteilnehmern in den jeweils kommenden dreissig Tagen erwarteten Kursausschläge auf Basis von Preisen für Optionen auf den S&P 500 abbildet. Je höher die erwarteten Kursausschläge, desto grösser ist die Nervosität der Marktteilnehmer – und desto höher notiert der Vix.

Vor den US-Wahlen schnellte das «Angstbarometer» kurz über 40. Nun notiert es nur noch minim über 20 und signalisiert damit eine anhaltende Entspannung.

Ein weiterer Stimmungsindikator ist das Verhältnis von Put- zu Call-Optionen. Je mehr Puts (Verkaufsoptionen) nachgefragt werden, desto grösser ist das Absicherungsbedürfnis und damit auch die Risikoaversion der Marktteilnehmer. Stehen Call-Optionen hoch im Kurs, dominiert die Spekulationsfreude – und genau dies ist momentan zu beobachten.

Das Lager der Bullen unter den US-Privatanlegern ist im Wochenverlauf wieder leicht grösser geworden. Wie die Befragung der American Association of Individual Investors zeigt, sind aktuell 47,3% der Anleger der Meinung, die US-Börsen werden in den kommenden sechs Monaten weiter an Wert zulegen.

Auch die Pessimisten konnten einen leichten Zuwachs verzeichnen – auf Kosten der Unentschlossenen, die in der Grafik nicht aufgeführt sind. So ist der Anteil der Anleger, die mit einem Rückgang rechnen, leicht von 26,4 auf 27,5% gewachsen. Insgesamt haben die Optimisten deutlich die Oberhand.

Die Risikoneigung der Marktteilnehmer hat sich, gemessen am Risk Barometer von The Market, im Wochenverlauf nur unwesentlich verändert. Das Mass ist von leicht über 60 auf rund 62 Punkte gestiegen, was dem vierthöchsten Wert in diesem Jahr entspricht. Von den berücksichtigten neun Inputfaktoren zeigten fünf eine weitere Zunahme der Risikoneigung an, während sich vier Indikatoren abschwächten – per saldo ergab sich der erwähnte geringfügige Anstieg.