Grafik der Woche

Markt an Fed: Mission Accomplished

Die US-Notenbank geht die Drosselung ihrer monatlichen Anleihenkäufe überaus zaghaft an. Sie will eine Wiederholung des «Taper Tantrum» vom Sommer 2013 unter allen Umständen verhindern – bisher mit Erfolg.

Mark Dittli
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Am 27. August hielten die Weltfinanzmärkte für kurze Zeit den Atem an, als Jerome Powell an der Konferenz von Jackson Hole seine Rede hielt. Im Vorfeld war erwartet worden, dass der Vorsitzende der US-Notenbank (Fed) einen Terminplan für die Drosselung der Anleihenkäufe («Tapering») durch das Fed präsentieren würde.

Dazu kam es jedoch nicht. Powell stellte einzig klar, dass das Tapering – aktuell kauft das Fed pro Monat Staatsanleihen und verbriefte Hypothekarpapiere für 120 Mrd. $ – noch dieses Jahr beginnen könnte. Er betonte jedoch, dass die Währungshüter die Entwicklungen in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt beobachten würden.

Die Verantwortlichen im Fed gehen äusserst behutsam mit dem Thema Tapering um. Sie werden das zwar nie zugeben können, aber es ist offensichtlich, dass sie unter allen Umständen eine Wiederholung des «Taper Tantrum» (engl. «temper tantrum» = Tobsuchtsanfall) vom Sommer 2013 verhindern wollen.

Im Mai 2013 kündigte der damalige Fed-Chef Ben Bernanke vor dem US-Kongress an, es sei vielleicht bald an der Zeit, dass das Fed sein während der Finanzkrise gestartetes Bond-Kaufprogramm zurückfahre. Diese Ankündigung erwischte die Weltfinanzmärkte auf dem falschen Fuss – das Taper Tantrum war die Folge.

Innerhalb von drei Monaten schossen die realen Zinsen in den USA von minus 0,6% auf plus 0,6% in die Höhe. Dieser Anstieg um mehr als 120 Basispunkte erschütterte die Aktienmärkte, führte zu einer Erstarkung des Dollars und löste beinahe eine Schwellenländerkrise aus.

Die untenstehende Grafik zeigt die Entwicklung der realen Zinsen auf Basis der Rendite zehnjähriger inflationsgeschützter Anleihen (TIPS) im Sommer 2013 (gelbe Kurve):

Die blaue Kurve zeigt die Entwicklung der realen Zinsen im Jahr 2021. Die Fed-Verantwortlichen begannen heuer ebenfalls im Mai, über ein mögliches Tapering zu sprechen. Aber im Gegensatz zu Bernanke 2013 überraschte Powell die Märkte kaum. Die Fed-Leute nutzten diverse öffentliche Auftritte, um ihre Absichten in aller Deutlichkeit an die Märkte zu telegrafieren.

Das Manöver hat funktioniert: Im Gegensatz zu 2013 sind die Realzinsen in den USA jüngst nicht gestiegen, sondern leicht gesunken. Dass die Drosselung der Anleihenkäufe nun tatsächlich noch vor Ende Jahr beginnen könnte, überrascht die Märkte nicht mehr.

Damit ist freilich längst nicht gesagt, dass der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik für das Fed einfach wird und dass die Finanzmärkte nicht dagegen revoltieren werden. Aber immerhin die erste kleine Hürde hat Powell gemeistert: Er hat ein Taper Tantrum an den Finanzmärkten vermieden.