Grafik der Woche

Rückkäufe steigen auf Rekordniveau

Amerikanische Konzerne blicken mit mehr Optimismus in die Zukunft. Das zeigt das Rekordvolumen an Aktienrückkäufen, die in den letzten Wochen während der Berichtssaison angekündigt worden sind.

Christoph Gisiger
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Die Zuversicht in Corporate America wächst. Mit den rasch sinkenden Covid-Fallzahlen und der Aufhellung der Konjunkturprognosen erwarten viele US-Konzerne eine kräftige Belebung des Geschäftsgangs.

Das zeigen auch die Ankündigungen zu neuen Aktienrückkäufen. Aktuellstes Beispiel ist Walmart. Der weltgrösste Einzelhändler hat vergangene Woche beim Quartalsabschluss ein Buyback-Programm im Umfang von 20 Mrd. $ lanciert. Das entspricht rund 5% seines Börsenwerts.

Noch mehr Geld macht Facebook locker. Der Internetriese will für 25 Mrd. $ eigene Titel zurückkaufen. Bedeutende Programme kündigen ebenso die Finanzdienstleister FIS (12,3 Mrd. $), Visa (8 Mrd. $) und Capital One (7 Mrd. $) an. Auch der Farbenhersteller Sherwin-Williams (10,6 Mrd. $), das Industriekonglomerat Honeywell (7,2 Mrd. $) sowie der Online-Marktplatz Ebay (4 Mrd. $) wollen viel Geld für Buybacks ausgeben.

Interessant wird der Quartalsabschluss von Berkshire Hathaway gegen Ende Woche. Warren Buffett war lange kein Freund von Rückkäufen. Im vergangenen Jahr hat seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway die Kursschwäche jedoch genutzt, um antizyklisch in grossem Stil eigene Aktien zu erwerben.

Gemäss dem Researchdienst Informa (vormals TrimTaps) haben US-Konzerne seit Beginn dieser Berichtssaison Buybacks im Gesamtvolumen von durchschnittlich 6,9 Mrd. $ pro Tag angekündigt. Das ist ein frappanter Unterschied zu den Abschlüssen zum zweiten und dritten Quartal, als die Summe jeweils auf weniger als 2 Mrd. $ schrumpfte:

Angekündigte Aktienrückkäufe

Täglicher Durchschnitt, in Mrd. $

«Die Rate entspricht dem höchsten Wert seit 2006, als wir mit der Erhebung dieser Daten begannen», konstatiert Informa-Analyst Winston Chua. «Die vielen Aktienrückkäufe bedeuten, dass US-Unternehmen mithelfen, das Kursniveau an der Börse zu stützen», ergänzt er.

Ausser mehr Buyback-Programmen melden amerikanische Konzerne zudem häufiger Fusionen und Akquisitionen an, die mit Barmitteln bezahlt werden. Im Dezember, Januar und Februar übersteigt die Summe an Rückkäufen und M&A-Transaktionen damit erstmals seit dem Ausbruch der Pandemie deutlich das Volumen an Publikumsöffnungen und Zweitemissionen:

Angekündigte Transaktionen von US-Konzernen

in Mrd. $ pro Monat
Aktienrückkäufe und mit Bargeld finanzierte Übernahmen
Emission neuer Aktien

Mit anderen Worten: Seit Ende letztem Jahr werden netto mehr Aktien vom Markt genommen, als neue hinzukommen. Im Gegensatz dazu fluteten US-Unternehmen letzten Mai und Juni die Börse mit neuen Titeln, weil sie durch den Ausbruch des Coronavirus in Finanzprobleme gerieten.

Wie sich die Liquiditätsflüsse weiter entwickeln, hängt primär davon ab, ob die Restriktionen zu Kapitalausschüttungen von US-Grossbanken ab dem zweiten Quartal weiter gelockert werden.