Grafik der Woche

Teure europäische Exporteure

Die schwache Konjunktur auf dem Alten Kontinent hat Unternehmen mit einem grossen Umsatzanteil im Binnenmarkt belastet. Die Exporteure hielten sich im Gegenzug erfreulich – doch mittlerweile sind sie stolz bewertet.

Sandro Rosa

Europa hatte in den vergangenen Jahren bei Anlegern einen schweren Stand: Finanzkrise, Eurokrise, Brexit, der nach wie vor dahinsiechende Bankensektor, schleppendes Wachstum – die Sorgenliste ist lang.

Wer dennoch in europäische Aktien investierte, setzte vor allem auf Exporteure. Sie vermochten vom besseren Wachstum im Ausland und von einem eher schwachen Euro zu profitieren.

Zu den europäischen Konzernen mit hohem Exportanteil gehören etwa das deutsche Softwarehaus SAP, der Sportartikelhersteller Adidas, das Pharmaunternehmen Sanofi, der Luxusgüterkonzern LVMH sowie das Getränkeunternehmen Davide Campari Milano und der Luxusgüterhersteller Moncler. Alle erzielen mindestens 60% des Umsatzes ausserhalb der Eurozone. 

Inzwischen jedoch scheint die Luft für die Exporteure dünn zu werden, wie Mislav Matejka von der US-Grossbank JPMorgan bemerkt. Vergleicht man nämlich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der geschätzten Profite für die kommenden zwölf Monate von Exporteuren zu Binnenunternehmen, zeigt sich eine eindrückliche Entkopplung:

Quelle: JPMorgan

Quelle: JPMorgan

Unternehmen, die einen Grossteil des Umsatzes in der Eurozone erzielen, wie zum Beispiel die spanische CaixaBank, die italienischen Mediaset und Telecom Italia, ProSiebenSat.1 Media in Deutschland oder Peugeot und Saint Gobain in Frankreich sind relativ gesehen so günstig wie nie in den vergangenen fünfzehn Jahren.

Das Verhältnis der KGV zwischen den beiden Segmenten schwankte meist zwischen 1,05 und 1,4 – nun kratzt es an der Marke von 1,8. Da erscheint es vernünftig, sich langsam von den Exporteuren zu verabschieden und binnenorientierte Gesellschaften zu bevorzugen.