Grafik der Woche

Value im Tal der Tränen

Nach über zwölf Jahren enttäuschender Performance stehen Substanzaktien nicht mehr besonders hoch in der Gunst der Anleger. 

Sandro Rosa

Neues Jahr, neue Enttäuschung. Auch 2019 sind Value-Titel wieder deutlich hinter den Wachstumsaktien zurückgeblieben: Während Substanzwerte heuer mit einem Plus von 8,7% zwar durchaus erfreulich abgeschnitten haben, behalten Wachstumstitel mit einem Zuwachs von 17,6% weiterhin die Nase vorn.

Diese Schwäche ist indes kein neues Phänomen. Wer in den vergangen Jahren auf Aktien setzte, die etwa auf Basis von Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buchwert-Verhältnis besonders günstig aussehen, musste ausgeprägte Nehmerqualitäten haben. Denn der relative Trend entwickelt sich nunmehr seit mehr als zwölf Jahren gegen Substanzaktien.

Im Dezember 2006 – damals lag Nelly Furtado an der Spitze der Schweizer Hitparade – hat der MSCI World Value Index gegenüber dem MSCI World Growth den Höhepunkt erklommen. Seither geht es nur noch nach unten, wie die Grafik der Woche illustriert.

In den vergangenen zwölf Jahren gelang es Value nur gerade einmal – im Jahr 2016 –, Growth hinter sich zu lassen. Eine solch lange Durststrecke liess sich in vierzig Jahren nicht beobachten.

Die Liste der Gründe für das miserable Abschneiden ist lang. Die schleppende Konjunktur, die kriselnden Banken (die typischerweise prominent in Value-Indizes vertreten sind), die starke Performance der Technologie-Überflieger (welche im Gegenzug in den Growth-Indizes ein hohes Gewicht haben) und politische Risiken haben Value belastet.

Allerdings handeln Value-Aktien gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis gemäss HSBC mittlerweile zu einem überdurchschnittlichen Bewertungsabschlag von 42%. Da scheint einiges an negativen Nachrichten in den Preisen enthalten zu sein.

Dennoch erwarten die Strategen von HSBC noch keine Wende zum Besseren: «Wir glauben, es ist noch zu früh für eine Trendumkehr, befindet sich der globale Konjunkturzyklus doch immer noch im Abschwung». Sie meinen gar, die Underperformance könne wegen der zunehmenden Tendenz in Richtung passiven Anlegens und der monopolartigen Marktposition gewisser IT-Unternehmen ein «strukturelles Phänomen» werden.

Der Value-Investor und Gründer von Oaktree Capital, Howard Marks, warnt indes davor, für Unternehmen mit besserer Technologie, kräftigerem Gewinnwachstum und der Fähigkeit, andere Unternehmen zu «disrupten», Fantasiepreise zu bezahlen. Denn dadurch können solche Unternehmen zu gefährlichen Investments werden – auch wenn sie ihr Geschäft erfolgreich expandieren.