Grafik der Woche

Warum Anleger mit amerikanischen Junk Bonds Geld verlieren

Angesichts der Hausse am Aktienmarkt geht die Entwicklung am Bondmarkt beinahe vergessen. Dort erleiden Anleger mit US-Hochzinsanleihen inzwischen einen Kaufkraftverlust. Wie lange kann das gutgehen?

Gregor Mast
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Die Rekordjagd des MSCI-Weltindex zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Angesichts der Hausse am Aktienmarkt geht die Entwicklung am Bondmarkt deshalb beinahe vergessen. Auch dort gehen Anleger ins Risiko. So ist die Rendite von US-Hochzinsanleihen auf 3,8% gesunken und notiert damit so niedrig wie nie seit Beginn der Datenerhebung Anfang 1987.

Mit 2,8 Prozentpunkten ist auch der Aufschlag zu US-Treasuries so tief wie seit vierzehn Jahren nicht mehr. Dennoch besteht noch ein wenig Raum nach unten. Sowohl 1997 als auch 2007 sank der Risikoaufschlag auf 2,4 Prozentpunkte. Kurz darauf folgten damals die Asien- und die Finanzkrise.

Richtig aufhorchen lässt der zweite Negativrekord. So ist die Junk-Bond-Rendite nach Abzug der Inflation im April erstmals unter null gesunken, wie die Grafik der Woche zeigt. Das gab es in der 34-jährigen Indexgeschichte noch nie. Das Minus hat sich seither ausgeweitet und erreichte im Juni –1,6%.

Selbst mit vermeintlich hochverzinslichen Anleihen erleiden Anleger also einen Kaufkraftverlust. Und das, obwohl die Unternehmensverschuldung in den letzten Jahren stetig gestiegen ist und damit die Qualität der in den Indizes enthaltenen Anleihen abgenommen hat.

Gewiss, viele Experten gehen davon aus, dass die Teuerung nur vorübergehend erhöht ist und sich nach Auslaufen der Basiseffekte und dem Abklingen der Lieferengpässe normalisiert. Doch was geschieht, wenn das ein Trugschluss ist und sich die Inflation als hartnäckiger erweist als vor der Pandemie? Sind Anleger wirklich bereit, auf ihren Ramschanleihen einen dauerhaften Kaufkraftverlust hinzunehmen?

Vermutlich nicht. Wahrscheinlicher ist, dass sie eine höhere Verzinsung verlangen. Für viele überschuldete Unternehmen wäre das aber Gift. Gemäss einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist der Anteil an Zombie-Unternehmen, die nur dank der niedrigen Zinsen überleben, zwischen den späten Achtzigerjahren und 2017 von 4 auf 15% gestiegen. Er dürfte inzwischen höher liegen.

Eine Konkurswelle wäre bei steigenden Renditen deshalb kaum abzuwenden und dürfte auch auf den Aktienmarkt übergreifen. Sollte es dazu kommen, werden vermutlich einmal mehr die Notenbanken einspringen und Junk Bonds aufkaufen. Diese rote Linie wurde vom Federal Reserve im Höhepunkt der Coronakrise bereits überschritten, um den Unternehmen unter die Arme zu greifen. Darauf verlassen sollten sich Anleger aber dennoch nicht. Am besten machen sie deshalb einen Bogen um hochverzinsliche Papiere.