Grafik der Woche

Was die inverse US-Zinskurve für globale Aktien bedeutet

Vergangene Woche sind die Zinsen auf zehnjährige US-Staatsanleihen erstmals seit zwölf Jahren unter die Renditen von zweijährigen Papieren gefallen. Was bedeutet das für die Börsen?

Sandro Rosa

In den USA wurde vergangene Woche ein weiteres Rezessionssignal ausgelöst: Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen sind unter die Verzinsung von Bonds mit zweijähriger Laufzeit gefallen. Die Differenz zwischen den beiden ist somit erstmals seit 2007 wieder negativ. Übersteigen die kurzen die langen Zinsen, spricht man von einer ­inversen Zinskurve.

Dass Investoren bereit sind, auf lange Frist einen niedrigeren Zins zu akzeptieren, obwohl das Ausfall- oder das Inflationsrisiko mit zunehmender Laufzeit in der Regel steigen, spiegelt die erhöhte Verunsicherung und die Erwartung weiter fallender Zinsen. Die Marktteilnehmer schenken der Zinskurve grosse Aufmerksamkeit, da sie einer der zuverlässigsten Rezessionsindikatoren ist.

Optimisten trösten sich damit, dass es typischerweise noch einmal rund achtzehn Monate dauert, bis es tatsächlich zum Abschwung kommt. Bis dann kann man an den Börsen ja noch gutes Geld verdienen. Falsch, argumentiert Aktienstratege Graham Secker von Morgan Stanley: Auf eine Inversion der Zinskurve folgten in der Regel schwierige Monate für Aktien.  

Seine Analyse ist in der Grafik der Woche zusammengefasst. Sie zeigt auf, dass sich die Aussichten für den Weltaktienindex von MSCI mit der Inversion der Zinskurve in der Vergangenheit merklich eintrübten – in der Grafik ist das der Unterschied zwischen den dunkel- und den hellblauen Balken. 

Quelle: Morgan Stanley, themarket.ch

Quelle: Morgan Stanley, themarket.ch

Avancierte der MSCI Welt bei einer «normalen», sprich steigenden Zinskurve, im Durchschnitt (gemessen an der Medianperformance) über zwölf Monate um 12%, gab der Index nach einer Inversion der Zinskurve rund 1% nach. Nicht nur nimmt die erwartete Rendite markant ab, auch die Wahrscheinlichkeit einer erfreulichen Kursentwicklung sinkt deutlich: So legte der MSCI Welt in 74% der Fälle zu, wenn die Zinskurve steil war. Bei inverser Kurve betrug der Wert bloss 48%. Verluste werden damit wahrscheinlicher als Gewinne.

Über zwei Jahre öffnet sich die Schere noch weiter: Einem Plus von 22% – und einer Erfolgsquote von 84% – steht nach einer Inversion bloss noch eine Nullrendite gegenüber und eine Wahrscheinlichkeit von 49%, dass sich die Notierungen positiv entwickeln.