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Welche Rüstungsunternehmen jetzt profitieren

Viele europäische Staaten planen wegen des Krieges in der Ukraine, ihre Verteidigungsausgaben hochzufahren. Besonders der lokalen Rüstungsindustrie winken deutlich mehr Einnahmen.

Ruedi Keller
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Der Krieg in der Ukraine ist die massivste militärische Aktion, die Europa seit dem zweiten Weltkrieg erlebt. Das menschliche Leid, die Zerstörung ganzer Städte sowie die weitgehende Machtlosigkeit des Westens, der Aggression Russlands Einhalt zu gebieten, lösen in vielen Bereichen ein Umdenken aus.

Die Abhängigkeit des Kontinents von russischem Öl und Gas soll vermindert werden – ein Projekt, das Jahre in Anspruch nehmen wird. Ähnliches gilt für die Verteidigungsbereitschaft, die Europa im Rahmen der von der Militärmacht USA dominierten Nato lange vernachlässigte.

Gemäss Daten des Stockholm International Peace Research Institute Sipri bestreiten allein die USA 40% des globalen Rüstungsetats von knapp 2 Bio. $. Auf Platz zwei steht China mit 13%, gefolgt von Indien (4%) und Russland (3%). Die europäischen Nato-Partner Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien verfügen alle über kleinere Budgets und erreichen in Summe 10% der weltweiten Rüstungsausgaben.

Deutschland will nun 100 Mrd. € zusätzlich in die Bundeswehr stecken – nachdem der Verteidigungsetat in den letzten Jahren bei rund 50 Mrd. € lag. Zudem soll das Nato-Ziel, 2% der Wirtschaftsleistung in die Verteidigung zu investieren, künftig übertroffen werden. Dasselbe Ziel nimmt auch Schweden ins Visier. Polen will die Investitionen gar auf 3% ausdehnen, Griechenland und Italien wollen ebenfalls aufrüsten.

Unter der Annahme, dass alle Länder der Eurozone, auch solche, die nicht Mitglied der Nato sind, ihre Verteidigungsausgaben bis 2023 im Schnitt auf 2% der Wirtschaftsleistung erhöhen, rechnen die Analysten von Bank of America für 2022 mit zusätzlichen Rüstungsausgaben von bis zu 80 Mrd. € und mindestens weiteren 100 Mrd. € mehr ab 2023. Zusammen entspricht das nahezu einer Verdoppelung ihrer bisherigen Verteidigungsausgaben.

Die Bank of America hat auch die Rüstungsunternehmen identifiziert, die am stärksten von den zusätzlichen Investitionen profitieren dürften:

Die französische Thales erwirtschaftet den Löwenanteil ihres Umsatzes im Militärbereich und davon einen Grossteil in Europa (Frankreich: 40%, Grossbritannien: 10%, Deutschland: 7%). Einen signifikanten Teil des Umsatzes mit Deutschland erwirtschaftet Hensoldt, die aus der Elektroniksparte von Airbus hervorgegangen ist. Sie liefert beispielsweise Lichtmesssysteme für Panzer der deutschen Rheinmetall, die zwei Drittel ihres Umsatzes in Europa absetzt.

Zusammen mit der stark auf Schweden ausgerichteten Saab empfiehlt die Bank of America nun all diese vier europäischen Rüstungsaktien zum Kauf.