Grafik der Woche

Zentralbanken kaufen fleissig Gold

Von wegen «barbarisches Relikt» – auch im August haben die Währungshüter per Saldo ihre Goldreserven aufgestockt. 

Sandro Rosa

Lange gehörten sie zu den grossen Verkäufern von Gold: die Notenbanken. Das «barbarische Relikt», wie es John Maynard Keynes nannte, schien einfach nicht mehr zu einer modernen Geldpolitik zu passen. Die Schweizerische Nationalbank beendete etwa Ende März 2005 ihr Verkaufsprogramm im Umfang von 1300 Tonnen «überschüssigen» Golds. Heute hält sie noch 1040 Tonnen als Reserve.

Doch dieser Trend hat gedreht. «Im vergangenen Jahr sind die Zentralbanken, die während 25 Jahren Nettoverkäufer von Gold waren, wieder zu Nettokäufern geworden», sagte Marktstratege Louis-Vincent Gave von Gavekal Research kürzlich im Gespräch mit The Market.

Auch im August zählten die Währungshüter netto zu den Käufern. Gemäss dem World Gold Council, der Interessenvereinigung der grössten Goldförderer, waren die Notenbanken in der Türkei, Russland, China und Qatar im August die grössten Abnehmer von Gold. Wie unsere Grafik der Woche illustriert, haben sie ihre Reserven um 41,8, 11,3, 5,9 und 3,1 Tonnen aufgestockt. 

Quelle: World Gold Council

Quelle: World Gold Council

Auf der Verkäuferseite sind die Zahlen deutlich weniger imposant. So hat Kasachstan 2,6 Tonnen veräussert, während Usbekistan ihren Bestand um 2,2 Tonnen reduziert hat. Interessant ist, dass vor allem die Schwellenländer zu den prominenten Käufern zählen.

Offenbar wollen sie sich für künftige Stürme wappnen und/oder – wie im Falle von Russland – ihre Abhängigkeit vom Dollar reduzieren. Was auch immer der Grund für das neu erwachte Interesse am Edelmetall ist, für die langfristige Entwicklung des Goldpreises sind das erfreuliche Nachrichten.