Hinter der Headline

Call der Woche: Danone

Die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns werden von der Bank Berenberg auf «Verkaufen» herabgestuft. The Market liefert die Gründe für die negative Einschätzung des CAC-40-Unternehmens.

Sandro Rosa
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Der Neue soll es richten: Vor kurzem hat der Verwaltungsrat von Danone der Ernennung von Antoine de Saint-Affrique zum CEO zugestimmt. Am 15. September soll er die Führung des Nahrungsmittelkonzerns übernehmen und von seinem jetzigen Posten als Chef des Schweizer Schokoladenherstellers Barry Callebaut zurücktreten. Zudem ist geplant, dass De Saint-Affrique im kommenden Jahr im Verwaltungsrat von Danone Einsitz nimmt.

Damit weitet er seinen Aufgabenbereich thematisch deutlich aus: nach einem reinen Schokoladenhersteller wird er künftig einen diversifizierten Nahrungsmittelkonzern leiten. Zu den hierzulande bekannteren Produkten von Danone zählen unter anderem Actimel, Evian und Volvic.

Von seinem Vorgänger Emanuel Faber übernimmt der neue CEO ein Unternehmen mit diversen Baustellen. Ob im Wassergeschäft, bei den Milch- und Pflanzenprodukten oder bei der Säuglingsnahrung: überall lassen Wachstum und Rentabilität zu wünschen übrig.

Starke Konkurrenz

Mit den Konkurrenten Nestlé und Unilever können die Franzosen punkto Profitabilität und Wachstum nicht mehr mithalten. Während etwa Nestlé die Rendite auf dem eingesetzten Kapital (ROIC) seit 2017 auf rund 15% zu steigern vermochte, sank der ROIC von Danone auf bloss noch rund 5%. Gemäss James Targett und Team von Berenberg betrug das organische Wachstum von Danone in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt nur magere 1,9% per annum.

Eine baldige Rückkehr auf ein höheres Wachstumstempo von mehr als 3% erachten die Analysten für unwahrscheinlich. Für sie ist in den Segmenten, in denen Danone unterwegs ist, Grösse immer weniger relevant.

Grosse Arbeit für das neue Management

Ein Umbau des Unternehmens sei jedoch schwierig. «Aufgrund der relativ konzentrierten Natur des Portfolios von Danone halten wir die Veräusserung einer ganzen Kategorie für zu stark verwässernd auf das Ergebnis (und die Grösse), während ein ausgleichender Zukauf die Rentabilität zu stark belasten würde», schreiben die Berenberg-Analysten. Kurzum: besseres Wachstum ist nur mit substanziellen Investitionen zu erreichen. Diese aber würden in naher Zukunft die Gewinn- und Margenentwicklung bremsen.

Die Frage, ob und wie ein Umbau angepackt wird, wird indes noch für einige Zeit offen bleiben. Da der neue CEO seinen Dienst erst am 15. September antritt, werden die Marktteilnehmer eine Änderung der strategischen Ausrichtung frühestens Anfang nächsten Jahres beurteilen können. Damit dürften positive Impulse vorerst ausbleiben.

«Bis dahin erwarten wir eine Underperformance von Danone und sind der Meinung, dass es anderswo im Sektor qualitativ hochwertigere, besser sichtbare Chancen gibt», folgern die Berenberg-Analysten. Zu diesen zählen sie etwa Nestlé und Mondelez.

Bewertung nicht günstig

Trotz der Herausforderungen, und obwohl die Aktien noch immer fast 30% unter dem Höchst von September 2019 notieren, sind die Valoren von Danone nämlich nicht günstig bewertet. Basierend auf den Konsensschätzungen für den Gewinn 2022 handelt die Aktie auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17.

Danone notiert 30% unter dem Höchst von 2019

Berücksichtigt man zusätzlich eine mögliche Verwässerung wegen Wachstumsinvestitionen, erreicht das KGV 18,6, was über dem Branchendurchschnitt liegt. Im weniger optimistischen Szenario der Bank Berenberg steigt das KGV sogar auf 20,6.

Gleichzeitig dürfte das organische Wachstum und die Gewinndynamik hinter der Konkurrenz zurückbleiben. In Anbetracht dieser wenig attraktiven Mischung stuft Berenberg die Aktie deshalb auf «Verkaufen» herab und reduziert ihr Kursziel auf 55 €. Aktuell handeln die Titel bei knapp über 59 €.