Hinter der Headline

Der Call der Woche: Mercedes-Benz

HSBC empfiehlt die Aktien des Autokonzerns, der bis zum 1. Februar als Daimler firmierte, neu zum Kauf. The Market zeigt, was hinter der positiven Einschätzung steckt.

Ruedi Keller
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Die Analysten von HSBC stufen die Aktien von Mercedes-Benz auf «Buy» hoch. Das auf 90 € erhöhte Preisziel verspricht mehr als 15% Kurspotenzial.

Der Hauptgrund hinter der Neueinschätzung ist die Aussicht auf einen anhaltend besseren Produktemix, mit dem Mercedes-Benz über die nächsten Jahre die Marge auf einem neuen, höheren Niveau werde halten können, urteilen die Analysten.

Auslöser für die höheren Margenerwartungen waren die am 11. Februar vorab angekündigten Eckwerte zum vierten Quartal: Mercedes-Benz hat im Schlussquartal eine Ebit-Marge von 15% erreicht und damit die Konsenserwartung an das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis um 40% übertroffen.

Zum Vergleich: Im Premiumsegment erreicht Porsche in etwa dieses Margenniveau, BMW und Audi stehen bei einer Ebit-Marge von rund 11%.

Die Analysten von HSBC gehen denn auch nicht davon aus, dass Mercedes-Benz die 15% Marge in den kommenden Quartalen werde halten können – sie denken jedoch, dass es dem Autobauer gelingen wird, das für den Gesamtjahresschnitt auf 12% hochgeschnellte Niveau verteidigen zu können (schwarze Linie in der untenstehenden Grafik). Das ist neu.

Quelle: HSBC

Nach den Produktionsunterbrüchen während der Pandemie und dem Mangel an Halbleitern war nicht nur der Absatz stark rückläufig, sondern der Fokus der Automobilhersteller, angesichts der Knappheit die teuersten Modelle zur Auslieferung zu bringen, hat gleichzeitig ihre Margen in die Höhe schnellen lassen.

Doch selbst wenn das bei allen Automobilherstellern die Strategie war: Mercedes-Benz hat sie in den Augen der HSBC-Analysten am erfolgreichsten umgesetzt.

Zwar sehen auch sie den Absatzanteil von Luxusmodellen aus den Reihen GLC, GLE sowie GLS SUV derzeit klar erhöht. Sie erwarten jedoch, dass Mercedes-Benz auch künftig voll auf das Luxussegment setzen werde. Statt einen insgesamt möglichst hohen Absatz anzustreben, werde das Management auch künftig den Preismix priorisieren und damit das nun erreichte Durchschnittsniveau von 65’000 € Einnahmen je abgesetztem Neuwagen weiter halten können.

Die Neugewichtung des Luxussegments werde auch bei Investoren gut ankommen, meint HSBC.

Preiserhöhungen neutralisieren Teuerung

Bezüglich der Rohmaterialpreise kalkulieren die HSBC-Analysten im laufenden Jahr zwar eine weitere Verteuerung um 50% ein und erwarten daraus für Mercedes-Benz eine auf 1,5 Mrd. € steigende Last. Sie rechnen jedoch vor, dass bereits eine Preiserhöhung in den verkauften Neuwagen um 1,5% ausreichen würde, um den Anstieg der Rohmaterialpreise zu neutralisieren.

Mit Preiserhöhungen rechnen die Analysten denn auch – zumindest noch für das laufende Jahr und solange der Nachfrageüberhang nach Automobilen anhält. Für die Folgejahre erwarten sie wieder Preisdruck, gehen aber davon aus, dass mindestens die Hälfte der Preiserhöhungen aus 2021 und 2022 wird gehalten werden können. Zudem sollten ab 2024 einsetzende Volumensteigerungen sowie die Einführung neuer Elektroautos den künftig erwarteten Preisdruck mehr als kompensieren können und die Ebit-Marge erneut gegen 12,5% steigen lassen.

Das Kursziel von 90 € je Aktie errechnet HSBC basierend auf der Summe der Einzelteile des Konzerns und kommt dabei auf einen Wert von 84 € je Aktie, den sie mit 80% gewichtet. Anhand der Discounted-Cash-Flow-Methode (DCF) errechnen die Analysten einen Gegenwartswert von knapp 115 € je Aktie, was sie zu 20% in das Preisziel einfliessen lassen.

Insgesamt erhöht die nun optimistischere Margenerwartung das Preisziel von zuvor 80 € auf neu 90 €, was zur aktuellen Notierung von 77 € in den Aktien von Mercedes-Benz mehr als 15% Kurspotenzial verspricht.