Hinter der Headline

Credit Suisse muss beim US-Stresstest nachbessern

Der Schweizer Finanzkonzern stolpert als einziges Institut beim jährlichen Härtetest in den USA. Nun muss die amerikanische Holding der Gruppe bis Ende Oktober nochmals über die Bücher.

Christoph Gisiger

Die amerikanischen Regulatoren drücken es diplomatisch aus: Grundsätzlich habe man zwar nichts gegen die Kapitalausstattung der US-Holding von Credit Suisse einzuwenden. Dennoch gebe es «Schwächen» im Prozess zur Sicherstellung adäquater Eigenmittel, die korrigiert werden müssten.

So lautet das Fazit zur jährlichen Härteprüfung, der systemrelevante Finanzinstitute in den USA regelmässig durch die Notenbank unterzogen werden.

Beschränkte sich das Prozedere anfänglich ausschliesslich auf amerikanische Grossbanken, unterliegen ihm seit einigen Jahren auch Tochterfirmen ausländischer Geldhäuser mit bedeutenden Geschäftsaktivitäten in den USA.

Was genau bei Credit Suisse schiefgelaufen ist, gibt das Federal Reserve als wichtigster US-Finanzregulator nicht bekannt. In der Zusammenfassung der Testresultate wird jedoch bemängelt, wie die Bank ihre Verluste im Trading während eines schweren Konjunkturabschwungs prognostiziert.

Als Konsequenz ist es der US-Holding vorläufig untersagt, die Ausschüttungen an das Schweizer Mutterhaus zu erhöhen. Als Maximum gilt damit das Pay-out-Niveau, für das die US-Behörden beim letzten Stresstest im Sommer 2018 die Zustimmung erteilten.

ADR-Papiere geraten nachbörslich unter Druck

Credit Suisse hat nun bis am 27. Oktober Zeit, ihre Prognosemodelle anzupassen und die Unterlagen zum Stresstest neu einzureichen.

«Wir erkennen die vom Fed geäusserten Bedenken an und erwarten in vollem Masse, dass die Probleme bis zum angegebenen Termin im Oktober behoben werden», teilt die Bank in einem Statement mit.

Die in New York gehandelten ADR-Papiere von Credit Suisse haben am Donnerstag im Zug der Bekanntgabe der Testresultate 2,9% eingebüsst. Aktien von US-Grossbanken wie JPMorgan Chase, Goldman Sachs oder Morgan Stanley rückten 1 bis 2% vor.

Aus Investorensicht bedeutet der Patzer primär eine Blamage. Gemessen an der risikogewichteten harten Eigenkapitalquote (Common equity tier one) schneidet die US-Holding von Credit Suisse im Stresstest verglichen mit allen anderen Instituten zwar am besten ab. Die Beanstandung des Fed schadet jedoch dem Image.

Hinzu kommt, dass die Geschäftsaktivitäten in Amerika bedeutend sind. Gemäss der Medienstelle von Credit Suisse beschäftigt der Konzern annähernd 8700 Mitarbeitende in den USA und hat mehr als 125 Mrd. $ auf der Bilanz.

Deutsche Bank kommt durch

Credit Suisse ist die einzige Grossbank, die jetzt nochmals über die Bücher muss. Mühe bekundeten ebenfalls JPMorgan und Capital One, die ihre Kapitalpläne im Verlauf des Stresstests aber zur Zufriedenheit des Regulators adjustieren konnten.

Ein ähnliches Missgeschick wie Credit Suisse passierte Morgan Stanley und Goldman Sachs letztes Jahr, worauf sie ihre Kapitalpläne entsprechend nachbesserten. Die Deutsche Bank flog sogar ganz beim Test durch.

Diese Mal hat der deutsche Finanzriese die Prüfung zwar bestanden. Ein ranghohes Fed-Mitglied sagt dazu gegenüber der «Financial Times», dass die Bank zwar einen «materiellen Fortschritt» gemacht habe. «Das ist aber keine Firma, von der ich sagen würde, dass wir mit ihr zufrieden sind», heisst es im Zitat.

Insgesamt hat das Federal Reserve dieses Jahr 18 Banken geprüft. Darunter auch die US-Holdinggesellschaften von UBS, Barclays und HSBC.