«Tidjane Thiam und sein Team haben unsere volle Unterstützung»: David Herro<br>Bild: (zvg)

«Tidjane Thiam und sein Team haben unsere volle Unterstützung»: David Herro
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Exklusiv

Grossinvestor von Credit Suisse stärkt Thiam den Rücken

Harris Associates, einer der bedeutendsten Aktionäre der Grossbank, äussert sich zur Beschattungsaffäre rund um den ehemaligen Topbanker Iqbal Khan. Er spricht CEO Tidjane Thiam seine Unterstützung aus.

Christoph Gisiger

Zürich ist in Aufregung. Seit einer Woche vergeht kein Tag ohne neue Details zur Beschattungsaffäre um den ehemaligen Topbanker der Credit Suisse, Iqbal Khan. Wie diverse Medien berichteten, soll zwischen Khan und dem CEO der Grossbank, Tidjane Thiam, wegen einer Privatsache ein übler Streit ausgebrochen sein.

Khan, der die Bank im Frühsommer abrupt verliess und am 1. Oktober seine neue Position als Ko-Leiter des globalen Wealth-Management-Geschäfts bei der Lokalrivalin UBS übernehmen soll, wurde vergangene Woche auf offener Strasse in Zürich von drei Detektiven beschattet.

Die von der Sicherheitsabteilung der Credit Suisse angeordnete Aktion – sie sollte sicherstellen, dass Khan keine Kunden abwirbt – flog auf, die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen Nötigung beziehungsweise Drohung eröffnet. Der Verwaltungsrat der CS hat eine Untersuchung angeordnet.

Mit David Herro, Anlagechef für internationale Aktien beim Chicagoer Vermögensverwalter Harris Associates, meldet sich jetzt ein einflussreicher Aktionär der Grossbank zu Wort:

«Als grösster Aktionär von Credit Suisse sind wir der Überzeugung, dass das Management dafür verantwortlich ist, das Eigentum des Unternehmens sowie seine Kunden und alle anderen Stakeholder zu schützen. Dazu gehört auch die Sicherstellung, dass Verträge von Mitarbeitenden eingehalten werden, die das Unternehmen verlassen», sagt der Amerikaner gegenüber The Market.

«Die Massnahmen der CS-Geschäftsleitung, um das Unternehmen zu schützen, unterstützen wir deshalb voll und ganz. Wir denken, es wäre ein Schaden für Credit Suisse und ihre Stakeholder, wenn die Bank wegen dieser Affäre ein Mitglied des Senior Managements verlieren würde», sagt Herro.

Das Engagement von Harris Associates in der Schweizer Grossbank geht weit zurück. Der US-Fondsmanager war bereits Grossaktionär, als Tidjane Thiam im März 2015 zum Nachfolger des abtretenden CEO Brady Dougan ernannt wurde.

«Unter der Annahme, dass keine Gesetze verletzt worden sind, haben Herr Thiam und sein Team unsere volle Unterstützung», sagt David Herro. «Wir wären extrem enttäuscht, wenn jemand wegen dieses Vorfalls den Job verlieren würde, solange das Gesetz befolgt worden ist», fügt er hinzu.

Per Ende des zweiten Quartals machte Credit Suisse 3,5% des von Herro bewirtschafteten Oakmark International Fund aus, der insgesamt 33 Mrd. $ an Kundengeldern betreut. Gemäss dem Datendienst Bloomberg entspricht das rund 132 Mio. CS-Aktien, woraus sich eine Beteiligung von etwas mehr als 5% an der Grossbank errechnet.

«Herr Thiam hat zur Revitalisierung der Credit Suisse exzellente Arbeit geleistet. Sämtliche Stakeholder würden als Verlierer dastehen, falls er und sein Team wegen dieser Sache zurücktreten müssten», hält der erfahrene Value-Investor fest.