Hinter der Headline

Der Call der Woche: Alphabet

Die Aktien des Mutterkonzerns von Google werden von Goldman Sachs neu zum Kauf empfohlen. Das spricht für den Investment Case zum Internetriesen.

Christoph Gisiger
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Wer Alphabet im Depot hat, bereut es nicht. Die Aktien 📈 des Google-Mutterkonzerns sind in den vergangenen zwölf Monaten fast 90% vorgeprescht. Kein anderer Tech-Titan aus den USA schneidet besser ab. Allein seit Anfang Jahr hat der Börsenwert rund 700 Mrd. $ auf annähernd 1,9 Bio. $ zugenommen.

Doch besteht nach diesem kräftigen Schub überhaupt noch mehr Kurspotenzial? Gemäss der Konsensschätzung beläuft sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Alphabet für die nächsten zwölf Monate inzwischen auf knapp 29. Der Durchschnittswert der letzten fünf Jahre liegt leicht über 26.

Nach Ansicht von Goldman Sachs lautet die Antwort: Ja. Das Research-Team der US-Investmentbank hat zu Wochenbeginn die Abdeckung von Alphabet zusammen mit anderen grossen Internetwerten wie Amazon und Facebook wieder aufgenommen und stuft alle drei Aktien mit dem Rating «Buy» ein.

Im Fall von Alphabet räumen die Analysten von Goldman Sachs zwar ein, dass die Titel nach dem rasanten Kursanstieg kurzfristig anfällig für Schwankungen sind. Auch weisen sie auf eine mögliche Verschärfung des regulatorischen Umfeldes hin.

Für die Titel, die im Best Ideas Portfolio von The Market bereits seit der Lancierung vertreten sind, erachten die GS-Analysten das Verhältnis von Chancen und Risiken über die nächsten zwölf bis achtzehn Monate aber weiterhin als attraktiv. Das Kursziel wird deshalb auf 3'350 $ angesetzt. Zum Schlussstand vom Montag entspricht das einem Potenzial von rund 18%.

«Alphabet ist der Brachenleader im Bereich digitale Werbung (angeführt durch Suchanfragen im Internet)», steht dazu im Research-Bericht. Für mehr als eine Dekade bis zum Ausbruch der Pandemie habe der Konzern seine Einnahmen durchschnittlich über 20% pro Jahr gesteigert. «Trotzdem hat er noch immer Exposure zu einer Reihe von Upside-Optionen durch verschiedene strukturelle Wachstumstrends», heisst es weiter.

Demgemäss dürfte das Kerngeschäft mit der Internetsuche und ähnlichen Diensten über die nächsten fünf Jahre in einem soliden Durchschnittstempo von jährlich gut 12% expandieren. Gleichzeitig werden andere Bereiche wie YouTube (rund 21%) und Cloud (rund 30%) stärker zum Wachstum des Unternehmens beitragen, so dass sich die jährliche Kadenz insgesamt auf rund 15% belaufen dürfte.

Chancen sehen die GS-Analysten ebenso, was die Ertragskraft betrifft. Nachdem die Betriebsmarge von Alphabet seit dem zweiten Halbjahr mit der Erholung des globalen Werbemarkts deutlich gestiegen ist, könnte sie sich zwar zyklisch etwas abschwächen. Dafür sollten sich Investments ins Cloud-Geschäft und in andere Bereiche wie autonomes Fahren, Google Maps oder künstliche Intelligenz durch Skaleneffekte unter dem Strich mit anziehendem Wachstum immer mehr auszahlen.

Im Cloud-Geschäft zum Beispiel, wo Alphabet mit den Diensten AWS von Amazon und Azure von Microsoft konkurriert, hat sich der Verlust auf Stufe Ebit in den letzten zwölf Monaten bereits von 1,4 auf 0,6 Mrd. $ pro Quartal verringert. Gemäss Goldman Sachs dürfte die Sparte 2024 den Breakeven überschreiten und bis 2026 eine Marge von 18% erreichen.

Die steigende Profitabilität des Cloud-Geschäfts soll damit massgeblich dazu beitragen, dass sich die konzernweite Ebit-Marge in den nächsten fünf Jahren auf 37% verbessert, nachdem sie sich letztes Jahr auf knapp 28% beziffert hatte:

Für Investoren ergibt sich dadurch eine attraktive Mischung aus robustem Wachstum und steigender Rentabilität. Dank dem starken Cashflow hatte Alphabet per Ende Juni nahezu 110 Mrd. $ an freien Mitteln auf der Bilanz. Das übersteigt selbst Apples Nettocash-Position von knapp 60 Mrd. $.

Im Zug dieser Entwicklung dürfte sich gemäss Goldman auch die Ausschüttungspolitik des Internetriesen weiter verbessern. «Wir erwarten, dass Alphabet weiterhin einen signifikanten freien Cashflow generieren und eine starke Rendite für Aktionäre via Aktienrückkäufe beibehalten wird», hält der Report fest.

Seit dem vierten Quartal 2017 hat der Konzern aus dem Silicon Valley kumuliert für 85 Mrd. $ eigene Titel vom Markt genommen. Die GS-Analysten gehen davon aus, dass er in den kommenden fünf Jahren wie bisher rund 55% des freien Cashflows für Rückkäufe einsetzen wird. Demnach trauen sie ihm zu, dass er bis 2026 Aktien im Wert von 17% seiner aktuellen Marktkapitalisierung zurückkaufen könnte, was das Gewinnwachstum pro Titel zusätzlich erheblich stimulieren würde.

Alphabet

Performance über letzte zwölf Monate, in %
Alphabet
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Facebook
Apple
Amazon
Nasdaq 100